Basketball: Bambergs Thron soll wackeln!

Brose Bamberg setzt den Saisonstart mit einer Niederlage im Frankenderby in den Sand . Zu diesem Anlass hat SPOX die Veränderungen und Chancen aller 18 Teams beleuchtet. Vor allem an der Spitze hat sich einiges getan und es darf ein heißer Kampf um die deutsche Meisterschaft erwartet werden.

Brose Bamberg setzt den Saisonstart mit einer Niederlage im Frankenderby in den Sand. Zu diesem Anlass hat SPOX die Veränderungen und Chancen aller 18 Teams beleuchtet. Vor allem an der Spitze hat sich einiges getan und es darf ein heißer Kampf um die deutsche Meisterschaft erwartet werden.

Seite 1: Der Kampf um den Klassenerhalt

BG Göttingen

Platz elf wie in der vergangenen Saison dürfte diesmal in der Universitätsstadt eine Utopie bleiben. Mit Center Darius Carter und Guard Leon Williams stehen nur noch zwei Rotationsspieler aus der vergangenen Saison zur Verfügung. Auch Trainer Johan Roijakkers weiß um die Schwere der Zielsetzung Klassenerhalt. "Es wird schwierig, vielleicht unmöglich, aber wir versuchen es."

Helfen soll dabei der neue Point Guard, Michael Stockton, der bereits vor zwei Jahren in Ludwigsburg spielte. Der Aufbau und Sohn von NBA-Legende John Stockton ist mit großem Abstand der beste Spieler in Reihen der BG. Ansonsten gibt es einige Fragezeichen. Mit Dominic Lockhart, Stephan Haukohl oder Dennis Kramer wurden hungrige deutsche Spieler verpflichtet, die aber noch nicht beweisen konnten, dass sie bei einem BBL-Klub eine größere Rolle spielen können.

Eisbären Bremerhaven

Auffällig ruhig ging es im Sommer bei den Eisbären nach Rang zwölf im Vorjahr zu. Zwar verließ mit Quincy Diggs ein Leistungsträger die Nordlichter, doch ansonsten wurde der Kader zu großen Teilen zusammengehalten. Point Guard und Anführer Jordan Hulls wird also auch in der neuen Spielzeit die Fäden im Spiel ziehen.

Als Scorer wurde ihm mit Johnny Berhanemeskel an die Seite gestellt. Der US-Amerikaner spielte zuletzt in der zweiten spanischen Liga und ist somit eine echte Wundertüte. Schlägt er ein, könnten die Eisbären vielleicht auch Richtung Playoffs schnuppern, ansonsten wird es wieder ein Jahr ohne größere Abstiegssorgen.

Science City Jena

Letztes Jahr waren die Thüringer noch ein Aufsteiger, doch auch im zweiten Jahr hat sich die Zielsetzung nicht verändert. Es geht um das pure Überleben, mehr als der Klassenerhalt wird nicht erwartet. Bei der Mission wird vor allem Marcos Knight fehlen, der als Guard die gegnerischen Verteidigungen reihenweise vor große Probleme stellte.

So wird viel Verantwortung auf den Schultern der Routiniers Julius Jenkins, Immanuel McElroy und Derrick Allen liegen, die die zahlreichen jungen Spieler weiter an die BBL heranführen sollen. Ein frühzeitiger Klassenerhalt sollte jedoch dieses Mal nicht eingeplant werden.

Oettinger Rockets

Auferstanden aus dem Billigbier, so könnte der Slogan von Aufsteiger Erfurt lauten, die noch in der vorletzten Saison in Gotha beheimatet waren. Viel mit dem Team aus der ProA haben die Rockets aber nicht mehr zu tun. Nur drei Aufstiegshelden stehen noch im Kader. Ex-Bamberg-Manager Wolfgang Heyder setzt dabei vor allem auf junge Deutsche wie Scharfschütze Andreas Obst, der aus Gießen kam.

Insgesamt wurden bislang nur fünf Ausländerspots belegt, durch die Veletzung von Center Dane Watts sind es praktisch nur vier. Stattdessen wurden mit Jan-Niklas Wimberg, Johannes Richter und Daniel Schmidt BBL-erfahrene Deutsche geholt. Allgemein ist der Kader aber, vor allem auf den großen Positionen, sehr dünn besetzt. Es riecht nach Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag.

Mitteldeutscher BC

Die BBL kehrt zurück nach Weißenfels. Angeführt von Marcus Hatten, Sergio Kerusch und Djordje Pantelic gelang dem MBC mal wieder der Aufstieg. Das Trio konnte gehalten werden, allerdings fällt Kerusch wegen seiner Krebserkrankung auf unbestimmte Zeit aus. Dafür tragen mit Malte Schwarz und Marc Liyanage zwei bekannte Gesichter wieder das Trikot des Wolfsrudels.

Mit einem kleinen Budget wird es auch in Mitteldeutschland nur ums Überleben gehen. Immerhin zeigte Forward Djordje Drenovac in der Vorbereitung gute Ansätze und könnte Keruschs fehlendes Scoring zu großen Teilen kompensieren. Ansonsten sieht es mit Offensiv-Power recht mau aus, weswegen der MBC sich über starke Defense definieren muss, um genügend Spiele zu gewinnen.

Basketball Löwen Braunschweig

Viel ist nicht mehr übrig vom Team der vergangenen Saison. Topscorer Syshawn Pierre (15 Punkte, 7,9 Rebounds) zog es nach Italien, dazu gingen auch Geoffry Groselle, Jamal Boykin und Carlos Medlock. Immerhin gelang mit der Verpflichtung von Scott Eatherton (Göttingen) ein echter Coup.

Insgesamt ist der Kader aber wieder sehr dünn, weswegen Coach Frank Menz wohl auf eine sehr kleine Rotation setzen wird. Die Ausländer weisen kaum Erfahrung in Deutschland auf, haben aber ohne Zweifel Qualität. Die Löwen werden wieder unten hängen, aber letztlich die Klasse souverän halten.

WALTER Tigers Tübingen

Wenn es um Abstiegskampf geht, sind die Tigers aus Tübingen stets dabei. Vielleicht aber nicht in diesem Jahr? Mit Assist-König Jared Jordan wurde ein wichtiger Spieler gehalten, dazu wurde mit Ryan Brooks ein BBL-erprobter Zweier verpflichtet. Auch Barry Stewart blieb den Tigers treu.

Auf den deutschen Positionen wurde der Kader auf links gedreht, alle deutschen Plätze wurden neu besetzt. Guard Robert Zinn und Center Philipp Heyden kamen aus der ProA, während Sid-Marlon Theis (Braunschweig) und Mathis Mönnighoff (Göttingen) schon einiges an Erfahrung aufweisen können.

Seite 2: Die Playoff-Anwärter

s.oliver Würzburg

Anders als in der Vorsaison konnte Trainer-Koryphäe Dirk Bauermann die Vorbereitung leiten und den Kader nach seinen Wünschen zusammenstellen. Inwieweit dies seine Wirkung entfacht, ist aber kaum vorauszusehen - denn bis auf den vier Spieler umfassenden deutschen Kern der vergangenen Saison wurde alles auf links gedreht. Besonders der neue Backcourt um Abdul Gaddy und Clifford Hammonds kommt hochkarätig daher und bieten eine gute Mischung aus Defense und Playmaking.

Darüber hinaus stehen jede Menge gute Schützen im Kader, was wichtig ist für Bauermanns Offensiv-Konzept. Auch Würzburgs Königs-Verpflichtung Robin Benzing könnte sich als Glücksfall erweisen, zumal er den Coach aus gemeinsamen Zeiten bei Bayern und aus der Nationalmannschaft kennt. Das wird beim Findungsprozess des neuen Kaders sicherlich helfen. Aufgrund einiger Verletzungen wird der Start vermutlich trotzdem holprig, zumal es direkt gegen Serienmeister Bamberg geht.

Gießen 46ers

Mit Ingo Freyer steht ein neuer Cheftrainer bereit - und im Prinzip ist der Kader auch neu. Stolze neun Neuzugänge gilt es, in der BBL zu integrieren. Entsprechend schwierig stellt es sich dar, etwaige Prognosen zu treffen. Der prominenteste Neuzugang ist zweifelsohne John Bryant. Der offensivstarke Center und zweimalige MVP der Liga kann immer noch ein dominanter Faktor im Post sein. Spannend wird sein, wie er mit dem aus Slowenien geholten Point Guard Darwin "Dee" Davis harmoniert.

Die Vorbereitung der Gießener lässt derweil befürchten, dass es noch einige Zeit braucht, bis alle Rädchen ineinander greifen. Es gab zahlreiche Spielerverletzungen, nicht erfolgreiche Tryouts und späte Verpflichtungen (Bryant), sodass es sogar zu Testspielabsagen kam. Gerade der Saisonstart könnte haarig werden.

MHP RIESEN Ludwigsburg

In der vergangenen Saison schafften es die Ludwigsburger in die Playoffs und hielten gegen Hauptrunden-Sieger Ulm sogar ganz gut mit. Die Saison war also ein Erfolg. Doch mit Jack Cooley, Ciff Hammonds und D.J. Kennedy verlor Trainer John Patrick nun drei wichtige Säulen seines Spiels.

So wird Nationalspieler Johannes Thiemann mehr Verantwortung schultern müssen Zugleich deutet einiges darauf hin, dass es bei den RIESEN in der kommenden Saison bezogen auf die Center-Position etwas kleiner (und schneller) zugeht. Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass die Defense potentiell verstärkt wurde und die Offense eher an Power verloren hat. Die starke Vorbereitung macht aber Hoffnung, dass man positiv in die neue Spielzeit gehen kann.

Telekom Baskets Bonn

Tempo, Tempo, Tempo! Schon in der vergangenen Saison spielten die Bonner einen enorm schnellen Ball. Durch die Umbaumaßnahmen im Kader ist nun davon auszugehen, dass Coach Predrag Krunic in dieser Hinsicht sogar noch eine Schippe drauflegt - zumindest deuten die Umbaumaßnahmen im Kader darauf hin.

Zu den Leistungsträgern Josh Mayo und Julian Gamble, die gehalten werden konnten, gesellen sich Neuzugänge, die ihre Stärken in der Defensiv-Arbeit und der Athletik haben, also Fastbreaks einläuten können. Der ganz große Umbruch blieb aus, war aber gar nicht nötig - denn mit gezielten Verstärkungen könnte die Vorjahres-Platzierung (Rang 7) übertroffen werden.

Fraport Skyliners

Die Frankfurter sind traditionell ein Team, das auf die Entwicklung deutscher Talente setzt und dies auch mit Spielzeit auf höchstem Level umsetzen will. In dieser Hinsicht liegt ein besonderer Fokus auf Isaac Bonga und Richard Freudenberg. Auch Niklas Kiel hat noch viel Upside.

Gleichzeitig gibt es aber auch den Anspruch, den Fans erfolgreichen Playoff-Basketball zu bieten. Diese Balance ist die vielleicht größte Herausforderung für Coach Gordon Herbert. Fakt ist, dass es auch in dieser Saison schwierig wird, da dem Kader Tiefe fehlt. Neuzugang Tai Webster (Point Guard) könnte sich bei diesem Vorhaben zum Schlüsselspieler und Glücksfall erweisen.

medi Bayreuth

Den Bayreuthern ist es gelungen, den deutsche Mannschaftskern sowie auch drei wichtige ausländische Spieler zu erhalten. Das sind durchaus gute Nachrichten, schließlich erreichten sie in der vergangenen Saison zum ersten mal seit vielen Jahren die Playoffs.

Da eine erfolgreiche Mannschaft aber aus mehr als nur einem Kern beseht, braucht es Leistungsträger, die aus der Masse hervorstechen. Und davon verloren auch sie zwei Stück - Kyan Anderson und Trey Lewis. Vermutlich wird man diese Verluste nicht kompensieren können, zumal die Neuzugänge teilweise noch grün hinter den Ohren sind. Einzig Swingman John Cox darf als Veteran eingestuft werden. Das Ziel sind erneut die Playoffs - doch das wird mit der neuen Doppelbelastung kein Selbstläufer.

Seite 3: Die Anwärter auf den Titel

ALBA Berlin

Es ist mittlerweile quasi schon eine große Tradition in Berlin, dass im Sommer - egal, ob die Vorsaison erfolgreich verlief oder nicht - ein Umbruch stattfindet. Und dieser wird grundsätzlich ganz oder gar nicht vollzogen. Vom Mannschaftskern bleiben nur noch Captain Niels Giffey, Akeem Vargas, Peyton Siva und Bogdan Radosavljevic übrig. Darum herum erstrahlt der Kader im neuen Glanz.

Den Starting Frontcourt bilden vermutlich Luke Sikma (Valencia) und Dennis Clifford (zuletzt G-League), die ein hohes Maß an Spielintelligenz und Mobilität mitbringen. Sikma ist zudem der erfahrenste Spieler des Kaders und soll demnach als Anführer agieren. Im Backcourt freut man sich indes auf den derzeit leider verletzten Spencer Butterfield.

Die entscheidende Veränderung fand aber zweifelsohne an der Seitenlinie statt. Den Berlinern gelang mit der Verpflichtung von Aito Garcia Reneses ein dicker Coup. Der 70-jährige Spanier ist eine lebende Trainer-Legende und hat immer ein Händchen dafür bewiesen, dass er gleichzeitig junge Spieler entwickeln und trotzdem Erfolg haben kann. Diese Philosophie passt zu ALBA!

ratiopharm Ulm

War die vergangene Saison ein Erfolg - oder am Ende doch eine Enttäuschung? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Zur Erinnerung: Die Ulmer dominierten die Regular Season nach Belieben und zogen als Top Seed in die Playoffs ein. Dort zog man im Halbfinale gegen Oldenburg aber den Kürzeren, was für einen negativ behafteten Saison-Abschluss sorgte.

Negativ war auch der Verlust von MVP Raymar Morgan, der in die Türkei wechselte. Auch die Leistungsträger Augustine Rubit und Chris Babb verließen die Ulmer, was kaum zu kompensieren sein wird. Neu dabei sind unter anderem Luka Herangody (PF), Trey Lewis (G) und Nationalspieler Ismet Akpinar (G), die jeweils Spezialisten für ihre Position sind.

Am spielerischen Konzept (schnell, direkt, attraktiv) wird sich kaum etwas ändern. Denn das neue Spielermaterial passt in dieses Konzept hinein. Trotzdem sollte man aufgrund der verlorenen individuellen Klasse nicht davon ausgehen, dass die Ulmer erneut so dominant durch die Hauptrunde rauschen.

EWE Baskets Oldenburg

Die Vize-Meisterschaft der Donnervögel hatten wohl die wenigsten erwartet, dies zu wiederholen wird umso schwieriger. Mit Center Brian Qvale und Spielmacher Chris Kramer verließen zwei Leistungsträger den Norden. Die beiden wurden adäquat mit Micky McConnell und dem Österreicher Rasid Mahalbasic ersetzt.

Immer noch da ist natürlich Vereins-Legende Rickey Paulding, der auch mit fast 35 Jahren keine Anzeichen von Müdigkeit zeigt. Dennoch wird vor allem Mahalbasic aus dem Post seinen Kapitän in der Offense unterstützen müssen.

Auf den deutschen Positionen war die Fluktuation dagegen größer. Jannik Freese, Dirk Mädrich, Jan-Niklas Wimberg und Dominik Lockhart sind alle weg, dafür wurde mit Nationalspieler Karsten Tadda und Guard-Backup Brad Loesing hochwertiger Ersatz beschafft. Unter dem Strich wieder eine solide Offseason der Donnervögel, die damit wieder um den Heimvorteil in der ersten Runde spielen werden.

FC Bayern München

In München wird groß gedacht - das ist jetzt nicht wirklich neu. Und auch, nachdem die Meisterschaft in den vergangenen drei Jahren immer nach Bamberg ging, hat sich daran nichts geändert. Zunächst gab es eine Änderung im Front Office: Geschäftsführer Marko Pesic hat ab sofort Daniele Baiesi als Sportdirektor an seiner Seite.

Und das Duo schaffte es, dem größenteils erhaltenen Mannschaftskern hochkarätige Unterstützung an die Seite zu stellen. Star-Point-Guard Stefan Jovic kennt nicht nur Maik Zirbes aus vergangenen Crvena-Zvezda-Zeiten, sondern auch "seinen" serbischen Nationalcoach Sasa Djordjevic.

Ebenfalls für Trommelwirbel sorgte die Verpflichtung von Ex-NBA-Spieler Jared Cunningham, der einen hochkarätigen Backcourt komplettiert. Ein Wermutstropfen war indes der Verlust Bryce Taylors, der sich ausgerechnet Bamberg anschloss. Anton Gavel wird ihn als Kapitän ablösen. Als Fazit bleibt, dass der Titel mit diesen Verstärkungen mehr als nur realistisch ist und Bamberg attackiert wird.

Brose Bamberg

Fabien Causeur, Janis Strelnieks, Darius Miller, Niccolo Melli und Daniel Theis. Dem Seriensieger aus Bamberg ist die komplette Starting Five weggebrochen. Es wird also ein wenig dauern, bis die Maschine von Coach Andrea Trinchieri wieder auf Hochtouren laufen wird.

Die Neuzugänge versprechen dennoch einiges. Noch nie konnte ein BBL-Team solch namhafte Spieler präsentieren. Auf der Guardposition wurden Daniel Hackett (Piräus) und Ricky Hickman (Milano) geholt, für die Flügel schlugen die Bamberger mit Quincy Miller (Maccabi Tel Aviv), Luka Mitrovic (Crvena Zvezda) zu. Des Weiteren angelten sich die Franken frühzeitig den ehemaligen Kapitän von Erzrivale FC Bayern, Bryce Taylor. Für die Fünf kam der Ex-Ulmer Augustine Rubit.

Qualität ist also wieder ausreichend vorhanden. Nach sieben Titeln in acht Jahren könnte der Fokus aber eher auf der EuroLeague liegen. Dort würden die Franken liebend gern erstmals in ihrer Historie die Playoffs erreichen. Viel wird also davon abhängen, wie hoch die Belastung für die Mannschaft in Europa sein wird. Der Vorsprung auf die Konkurrenz vom vergangenen Jahr ist zumindest geschmolzen.

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