BASF will jetzt auch Bayers Gemüse-Geschäft

BASF will jetzt auch die restlichen Saatgutaktivitäten von Bayer übernehmen. Die Konsolidierung der Branche geht damit in die Endphase.


Der nächste Deal in der Agrochemie-Branche hat sich bereits seit einigen Wochen abgezeichnet, nun wurde er von den Unternehmen offiziell bestätigt: BASF steht an vorderster Front unter den Kaufinteressenten für die restlichen Teile des Bayer-Saatgutgeschäfts.

Beide Konzerne haben dazu inzwischen exklusive Verhandlungen aufgenommen. Es geht um das Bayer-Geschäft mit Gemüsesaaten, das rund 430 Millionen Euro Umsatz erzielt und überwiegend unter der Marke Nunhems operiert.

Der Zukauf wäre für BASF im Prinzip ein logischer Schritt, nachdem man im vergangenen Jahr bereits die Übernahme eines Großteils der Bayer-Saatgutaktivitäten für 5,9 Milliarden Euro vereinbart hat.


Dieser Deal betrifft das Geschäft von Bayer mit Raps-, Baumwolle und Sojasaaten sowie dem Herbizid Glufosinat. Es erzielte 2016 nach BASF-Angaben rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz, wovon 830 Millionen auf Saatgut entfielen. Gelingt dem Ludwigshafener Konzern nun auch der Kauf der Gemüsesaaten, kann das angestammte Saatgutgeschäft von Bayer im Prinzip in der gleichen Struktur wie bisher unter dem neuen Eigentümer BASF weiter operieren.

Der Kaufpreis für den zweiten Teil des Bayergeschäfts dürfte sich in Richtung zwei Milliarden Euro bewegen, wenn man die bisherigen Bewertungen in dem Sektor als Richtschnur nimmt. Die Gesamtinvestition der BASF für die Expansion in den Saatgutmarkt wird sich damit auf etwa acht Milliarden Euro addieren.

Bayer muss beide Teile seines Geschäfts verkaufen, um die kartellrechtliche Freigabe der EU für die geplante Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto zu erhalten. Gleichwohl war Bayer-Chef Werner Baumann jüngst bei Bilanzvorlage noch sichtlich bemüht, den Preis noch nach oben zu treiben. Das Interesse an der Sparte sei riesig, versicherte er, sowohl von industrieller Seite als auch von Finanzinvestoren. Aber da es erklärten Ziels der EU-Kommission ist, in dem Sektor einen starken Wettbewerb zu erhalten, war im Grunde von vorneherein klar, dass es auf einen Industriekonkurrenten hinauslaufen muss, der in dem Feld noch nicht vertreten ist.

BASF ist in dieser Hinsicht ein besonders naheliegender Kandidat. Denn anders als die meisten Konkurrenten hatte die BASF-Führung hat lange Zeit darauf beharrt, dass ein Saatgutgeschäft letztlich nicht erforderlich sei, um im Agrochemiegeschäft erfolgreich zu agieren. Der Konzern leistete sich neben seinen Pflanzenschutz-Aktivitäten lediglich eine relativ aufwändige Pflanzen-Biotechnologie-Forschung, die vor allem auf die Suche nach nützlichen Genen ausgerichtet ist. Auf diesem Gebiet kooperiert die BASF seit etlichen Jahren bereits mit Monsanto.


Von der ablehnenden Position gegenüber Saatgut ist der BASF-Vorstand um Firmenchef Kurt Bock im vergangenen Jahr indessen zunehmend abgerückt, nachdem sich im Zuge der Branchenkonsolidierung neue Möglichkeiten abzeichneten.

Die unerwartet harten Kartellauflagen für Bayer und Monsanto eröffnen für den Ludwigshafener Konzern letztlich einen Weg, nach langer Abwesenheit doch noch im Saatgutbereich Fuß zu fassen. Angesichts des relativ kräftigen Wachstums der Bayer-Saatgutsparte im vergangenen Jahr dürfte BASF auf Basis der 2017er Zahlen nun auf den Erwerb von insgesamt 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro an zusätzlichem Agrochemie-Umsatz zusteuern, davon schätzungsweise 1,4 Milliarden Euro im Saatgutbereich. Die Ertragskraft der Agrosparte dürfte durch die beiden Deals um gut 500 Millionen an Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) aufgebessert werden.

BASF wird zur starken Nummer vier

Das gesamte Agrochemie-Geschäft der Ludwigshafener wird sich um fast ein Drittel vergrößern, von zuletzt rund 5,7 Milliarden Euro Umsatz auf künftig etwa 7,5 Milliarden Euro. Der Konzern kann sich damit als eine starke Nummer Vier in einem Sektor positionieren, der in den letzten Jahren von einer starken Konsolidierung geprägt war.

Der neue Branchenführer Bayer/Monsanto wird im Gegenzug nicht ganz so dominierend im Agrargeschäft sein, wie es zunächst noch ausgesehen hatte. Kalkuliert man die geplanten Desinvestitionen mit ein, wird der künftige Branchenführer in dem Sektor auf einen addierten Proforma-Umsatz von etwa 20,7 Milliarden Euro im Jahr 2017 kommen, gefolgt von Chemchina/Syngenta mit etwa 14,5 Milliarden Euro und dem US-Chemieriesen Dow Dupont mit umgerechnet rund 12,7 Milliarden Euro Agrochemie-Umsatz.

Alle vier Topanbieter der Branche werden künftig in ähnlicher Struktur antreten, das heißt mit einer Kombination aus Pflanzenschutzmitteln und eigenen Saatgut-Aktivitäten. Bayer/Monsanto wird dabei, ungeachtet der nun erzwungenen Desinvestitionen, im reinen Saatgutgeschäft klarer Marktführer sein, mit mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz.

BASF wird auf diesem Feld der kleinste Anbieter sein, hat aber immerhin eine solide Ausgangsbasis, um das Geschäft weiter zu entwickeln und durch weitere Zukäufe zu ergänzen. Interessant dürfte es für den Konzern insbesondere sein, seine eigene Pflanzen-Biotechforschung für das eigene operative Saatgutgeschäft zu nutzen. Bisher konnte er diese Forschung, in die er in den letzten zwei Jahrzehnten etwa zwei Milliarden Euro investierte, allenfalls als Lizenzgeber für andere verwerten, wobei die kommerziellen Erfolge bisher sehr bescheiden waren.