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BASF streicht weltweit 2.600 Jobs – Gaskrise fordert Tribut

Die BASF SE streicht netto 2.600 Stellen, etwa 2% ihrer weltweiten Belegschaft. Der Chemiekonzern muss seine Kosten senken, um sich wegen des Ausbleibens von billigem russischem Gas auf langfristig höhere Energiepreise einzustellen.

Die BASF hat im vergangenen Jahr 2,2 Milliarden Euro mehr für Gas gezahlt als 2021 (Bild: Getty Images)
Die BASF hat im vergangenen Jahr 2,2 Milliarden Euro mehr für Gas gezahlt als 2021 (Bild: Getty Images)

BASF schließt eine Reihe von Fabriken, darunter zwei Ammoniakwerke und die dazugehörigen Düngemittelfabriken, was alleine 700 Arbeitsplätze im Hauptwerk in Ludwigshafen kostet, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Wegen des schwächeren konjunkturellen Umfelds beendet BASF außerdem sein 3 Milliarden Euro schweres Aktienrückkaufprogramm auf halber Strecke.

“Die Wettbewerbsfähigkeit der Region Europa leidet zunehmend unter Überregulierung. Sie leidet auch immer mehr unter langsamen und bürokratischen Genehmigungsverfahren und vor allem unter hohen Kosten für die meisten Produktionsfaktoren”, so Konzernchef Martin Brudermüller. “Zusätzlich belasten jetzt die hohen Energiepreise die Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit in Europa.”

Für die Aktie ging es bergab

Für die BASF-Aktie ging es am Freitag im frühen Handel bis zu 5,1% bergab. Um 10:02 Uhr notierten die Titel in Frankfurt 4,8% leichter bei 49,68 Euro. Gegenüber dem Jahreswechsel kommen sie damit auf ein Plus von rund 8%.

Analyst Samuel Perry von der Credit Suisse Group AG nennt die Entscheidung, den Rückkauf zu beenden, vernünftig. Die Märkte seien über so etwas freilich nicht erfreut. Der Ausblick 2023 umfasse einen erheblichen Abwärtstrend im Upstream-Geschäft und leichte Rückgänge im Downstream-Bereich.

Markus Mayer von der Baader Bank AG erklärte, die konstante Dividende sei eine bessere Entwicklung als befürchtet, verstoße aber dennoch gegen die Konzernstrategie der steten Anhebung der Ausschüttung.

Die BASF hat im vergangenen Jahr 2,2 Milliarden Euro mehr für Gas gezahlt als 2021, obwohl der Verbrauch um 35% sank. Der Chemiekonzern hatte bereits Kostensenkungen in Höhe von 500 Millionen Euro angekündigt, da nicht zu erwarten sei, dass die Gaspreise auf das Vorkriegsniveau zurückkehren werden.

Dauerhafter Anstieg von Gaspreisen

Die Gaspreise sind zwar von den Höchstständen zurückgegangen, die sie nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine erreicht hatten, sie liegen aber immer noch weit über dem Niveau, an das energieintensive Industrien in Europa gewöhnt waren, und über denen in den USA und Asien.

Dank des milden Winters sind die Gasspeicher zwar noch gut gefüllt, doch die erzwungene Umstellung von bisher billigem russischem Pipelinegas auf teureres LNG (Flüssiggas) dürfte die Energiekosten weiter in die Höhe treiben.

Für 2023 rechnet BASF daher mit einem niedrigeren Betriebsgewinn von bestenfalls 5,4 Milliarden Euro, noch weniger als der schon um 12% gesunkene Betriebsgewinn von 6,9 Milliarden Euro für das abgelaufene Jahr. Das Unternehmen erwartet eine Verbesserung der Marktbedingungen in der zweiten Jahreshälfte nach einem schwachen ersten Halbjahr aufgrund von Erholungseffekten, insbesondere in China.

Krieg kam BASF teuer zu stehen

Der von Russland angezettelte Krieg in der Ukraine kam BASF auch anderweitig teuer zu stehen. Über die Tochter Wintershall Dea hatte BASF den Bau der Ostseepipelines Nord Stream mitfinanziert und musste deshalb satte 7,3 Milliarden Euro abschreiben, wie bereits im Januar gemeldet worden war. Unterm Strich steht daher ein Verlust 627 Millionen Euro. Eine Dividende von 3,40 Euro je Aktie soll dennoch gezahlt werden.

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