BASF-Finanzvorstand Engel: "Ein spannendes Programm für 2018"

Thorsten Küfner
BASF-Finanzvorstand Engel: "Ein spannendes Programm für 2018"

Der weltgrößte Chemieproduzent BASF steht vor tiefgreifenden Veränderungen. So soll das Öl- und Gasgeschäft ausgegliedert und die Agrarchemiesparte gestärkt werden. Der Finanzvorstand des DAX-Konzerns, Hans-Ulrich Engel, zeigt sich indes für die zukünftige Entwicklung zuversichtlich gestimmt.

Sehr geehrter Herr Dr. Engel, welche Entwicklungen stimmen Sie im Hinblick auf das kommende Jahr zuversichtlich?

Dr. Hans-Ulrich Engel: Unser Geschäft hat sich bisher in allen Regionen in 2017 zumindest so entwickelt, wie wir das am Jahresanfang erwartet hatten, insbesondere in Europa und in Asien sogar besser. Es wäre erfreulich, wenn sich das Jahr 2018 ähnlich entwickeln würde. Den Ausblick 2018 für die BASF-Gruppe werden wir am 27. Februar 2018 zusammen mit unserem Geschäftsbericht für das Jahr 2017 veröffentlichen.

In 2017 haben wir drei wichtige Schritte zur Weiterentwicklung unseres Portfolios angekündigt, die im kommenden Jahr umgesetzt werden sollen. Zum einen die Vereinbarung über den Erwerb von Solvays integriertem Polyamidgeschäft zur Stärkung und Rückwärtsintegration unserer Kunststoffaktivitäten. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden streben wir einen Abschluss der Transaktion im dritten Quartal 2018 an. Zum anderen haben wir mit Bayer vereinbart, wesentliche Teile von Bayers Saatgut- und nicht-selektivem Herbizid-Geschäft zu erwerben, um unser Segment Agricultural Solutions zu erweitern. Bayer beabsichtigt, diese Geschäftsbereiche im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Monsanto zu veräußern. Hier rechnen wir mit einem Abschluss gegen Ende des 1. Quartals. Und last but not least stehen wir in Verhandlungen mit LetterOne über die Zusammenlegung von Wintershall und DEA. Anfang Dezember haben wir eine Absichtserklärung unterzeichnet zum Zusammenschluss der jeweiligen Öl- und Gasgeschäfte in einem Joint Venture, das unter dem Namen Wintershall DEA firmieren würde. In den kommenden Monaten werden wir eine bestätigende Due Diligence durchführen sowie endgültige Transaktionsvereinbarungen verhandeln. Mittelfristig würde ein Bör-sengang angestrebt. Also, ein insgesamt spannendes Programm für unser Portfolio in 2018.


Und was bereitet Ihnen derzeit eher Sorgen?

Es sind insbesondere politische Entwicklungen, die dafür Anlass geben können. Dazu gehören zum Beispiel der Brexit oder anhaltende geopolitische Spannungen im arabischen, ost-asiatischen und osteuropäischen Raum. Auch die politische Positionierung in den USA, beispielsweise im Bereich der Handelspolitik, verfolgen wir sehr genau. Und natürlich interessiert uns sehr, wie und wann sich eine neue Bundesregierung findet und welche Ausprägung zum Beispiel. ihre Wirtschafts- und Energiepolitik haben wird.
Sorge bereitet mir auch eine zunehmende Abneigung gegen Innovation, Technik und Industrie, und dies insbesondere in Deutschland. Da wird es höchste Zeit, dass wir uns auf das besinnen, was unseren Wohlstand ausmacht.

Durch den geplanten Kauf der Saatgut-Aktivitäten von Bayer wurde die Agrarsparte von BASF bereits kräftig verstärkt. Sind in diesem spannenden Bereich noch weitere Zukäufe vorstellbar?

Da sind Sie etwas zu schnell. Der Abschluss des angekündigten Kaufs erfordert die Erfüllung bestimmter Voraussetzungen, insbesondere die Genehmigungen sowohl der Bayer-Monsanto als auch unserer Transaktion mit Bayer durch die zuständigen Behörden. Wir hoffen, dass diese Voraussetzungen noch im ersten Quartal 2018 erfüllt sein werden. Sollten weitere attraktive Geschäfte auf den Markt kommen, würden wir uns diese ansehen.

Bereits 2016 war die Agrarsparte der Bereich mit den höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Sehen Sie in diesem Bereich auch die mittelfristig größten Wachstumschancen?

Unser Pflanzenschutzgeschäft ist erfolgreich, innovationsgetrieben und Teil des BASF-Verbunds. Mit einer klar definierten Wachstumsstrategie haben wir den Umsatz des Geschäfts im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt. Mit fast 6 Milliarden Euro Umsatz, branchen-führenden Margen und einem Viertel des gesamten Forschungs- und Entwicklungsbudgets von BASF im Rücken wird das Segment Agricultural Solutions auch in einem veränderten Umfeld sehr wettbewerbsfähig sein. Unsere Innovationspipeline ist gut gefüllt. Wir sehen hier ein Spitzenumsatzpotenzial von 3 Milliarden Euro für Produkte, die zwischen 2016 und 2026 neu auf den Markt gebracht werden. Mit unseren innovativen Lösungen im chemischen und biologischen Pflanzenschutz sind wir bestens aufgestellt, um auch weiterhin der bevorzugte Partner für Landwirte zu sein und profitabel zu wachsen. Wir wollen aber auch in unserem Chemiegeschäft weiter profitabel wachsen und haben dafür die Weichen mit unserer We create Chemistry-Strategie gestellt.

In dem Segment Chemicals war im dritten Quartal vor allem der starke Anstieg der Preise um 22 Prozent beeindruckend. Worauf führen Sie dies zurück und rechnen Sie in diesem Bereich mit weiter anziehenden Preisen?
In diesem Jahr sind vor allem im Bereich Monomers die Preise für Isocyanate (TDI, MDI) sehr stark gestiegen. Das sind Kunststoffvorprodukte, die wir an die unterschiedlichsten Branchen liefern, beispielsweise die Kunststoff-, die Automobil- oder die Möbelindustrie. Zu diesem Preisanstieg hat insbesondere eine starke Nachfrage bei knappem Produktangebot beigetragen. Den Rohstoffpreisen folgend haben aber auch die Preise in den Bereichen Petrochemicals und Intermediates deutlich angezogen. Die weitere Preisentwicklung bei Chemicals wird wesentlich vom Verlauf von Nachfrage und Rohstoffpreisen abhängen.

Der stärkere Euro hatte zuletzt leicht negative Auswirkungen auf das Konzernergebnis. Erwarten Sie eine anhaltende Stärke der Gemeinschaftswährung und inwieweit ist BASF gegen Währungsschwankungen abgesichert?

Insbesondere im Vergleich zum US-Dollar hat der Euro 2017 gewonnen, nachdem der Dollar fast die Parität erreicht hatte. Seit Einführung des Euro (bei 1,17 Dollar wie heute) haben wir zwischen 0,80 bis zu 1,60 Dollar zum Euro alles gesehen. Wir begegnen Wechselkursrisiken durch unsere Produktion in den jeweiligen Währungsräumen, indem wir dort produzieren, wo unsere Kunden sind. Darüber hinaus managen wir Währungsrisiken natürlich mit den üblichen Mitteln.

BASF ist eine der beliebtesten Aktien unserer Leser. Ein Hauptgrund hierfür ist die stattliche und stetig steigende Dividende. Stehen die Chancen gut, dass sich ihre An-teilseigner erneut über eine Steigerung von 10 Cent (oder sogar mehr) für 2017 freuen können?
Wie Sie wissen, strebt BASF an, in jedem Jahr die Dividende zu steigern oder sie zumindest auf dem Vorjahresniveau zu halten. Vermutlich ist die BASF-Aktie vor allem auch deshalb bei Ihren Lesern beliebt. Verstehen Sie aber bitte, dass ich vor Befassung von Vorstand und Aufsichtsrat nicht mehr zur Dividende für 2017 sagen kann. Und am 4. Mai 2018 werden die Aktionäre der BASF SE dann im Rahmen der Hauptversammlung über den Dividendenvorschlag entscheiden.

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