Uni Basel-Profs im Interview: „Der Bitcoin wird sich durchsetzen“

Phillip Horch

Professor Dr. Aleksander Berentsen und Dr. Fabian Schär leiten das Center for Innovative Finance an der. Unser Autor traf sich mit den beiden Wissenschaftlern an ihrer Uni, um sie zu ihrem Forschungsthema zu interviewen. In Teil 1 erfahrt ihr, wie die Prof der Uni Basel Bitcoin und Blockchain behandeln, was Bitcoin mit Gold gemeinsam hat und warum es aller Wahrscheinlichkeit nach die Anlageklasse der Zukunft sein wird.

Bitcoin wird momentan hauptsächlich als Spekulationsobjekt verwendet. Besteht Ihrer Meinung nach die Chance, dass sich Bitcoin auch als Währung etabliert?

Aleksander Berentsen (AB): Wir sind sehr davon überzeugt, dass sich Bitcoin etabliert. Allerdings nicht unbedingt als Währung, sondern eher als neue Asset-Klasse. Mit dem Lightning Network muss man natürlich schauen, ob es trotzdem das Potential zur Währung hat. Aber als Währung ist Bitcoin wahrscheinlich nicht geeignet.

Und Kryptowährungen an sich?

AB: Es gibt ja mehrere Probleme, dass sich Kryptowährungen als Zahlungsmittel durchsetzen können. Die Volatilität ist zum Beispiel ein Riesenproblem. Da stellt sich für mich die Frage, ob das irgendeine Kryptowährung wirklich in den Griff bekommen kann. Über längere Zeit betrachtet ist das bei anderen Asset-Klassen nicht so das Problem. Auch Gold hat seine Schwankungen. Die Leute sind aber trotzdem bereit, es als Sparvehikel zu sehen. Und ich glaube, Bitcoin und andere Kryptowährungen haben diese Chance auch. Ob es sich wirklich als Währung durchsetzt, wird die Zukunft zeigen. Das hat auch mit Bedienerfreundlichkeit zu tun. Auch die Gebühren sind viel zu hoch, das muss sich im Mikrobereich bewegen, damit sich Bitcoin wirklich als Währung durchsetzen kann.

Fabian Schär (FS): Abgesehen von der Volatilität sind im Prinzip alle Probleme lösbar. Weil hinter allen Kryptowährungen die Idee der Dezentralität steht, wird man das Problem der Volatilität nie vollständig in den Griff bekommen. Man hat zum einen die Nachfrageschwankungen, zum anderen kann auf der Angebotsseite nicht entsprechend reagiert werden. Was die Skalierung angeht, sind wir eigentlich optimistisch – mit dem Lightning Network wird das in die richtigen Bahnen geleitet werden.

Bitcoin – eine einzigartige Anlageklasse

Als Anlageklasse sehen sie also deutlich bessere Chancen?

AB: Ich glaube, es ist eine Anlageklasse mit Eigenschaften, die keine andere Anlageklasse hat. Da ist es logisch, dass sich Bitcoin als Portfolio-Ergänzung eignen wird. Das hängt dann auch von den Risikopräferenzen ab, wie viel Kryptowährungen die Leute in ihrem Portfolio haben wollen. Aber es wird jedenfalls eine interessante Asset-Klasse. Der Blick in die Zukunft ist klar: Digitalisierung ist die Zukunft. Und Bitcoin ist eine Ebene der Digitalisierung. Bitcoin wird sich durchsetzen, da bin ich überzeugt.

Wie ist da der Hauptunterschied zu traditionellen Anlageklassen?

AB: Grundsätzlich hat Bitcoin viele Eigenschaften von Gold. Gold ist ein Outside-Asset. Das gilt natürlich nicht, wenn man sie irgendwo lagert und jemand anderes die Verfügung darüber hat. Im Gegensatz zu Gold ist Bitcoin jedoch unwahrscheinlich praktischer. Bitcoin kann man einfach in der Weltgeschichte rumsenden – das kann man mit Gold nicht.

FS: Der Hauptunterschied liegt in der Transferierbarkeit, wir haben das in unserem Paper erörtert. Man muss niemanden fragen, um eine Transaktion auszulösen. Das ist ganz ähnlich wie bei Bargeld. Ich kann es einfach eigenmächtig überweisen, ohne dass ich auf irgendjemanden angewiesen bin. Im Prinzip liegt der Unterschied also auch in der Kontrolle.

The Case for Crypto

Sie sprechen von „The Case for Crypto“? Darin ging es unter anderem doch auch darum, dass sie es für unwahrscheinlich halten, dass Zentralbanken digitale Währungen herausgeben.

AB: Ja. Man kann das in einem Satz zusammenfassen: Wieso sollte eine zentrale Bank eine dezentrale Währung herausgeben? Das macht keinen Sinn, das passt nicht zusammen. Was Zentralbanken aber machen werden, was sie eigentlich müssen – denn sie müssen nachziehen – ist es, eine elektronische Währung herauszugeben. Die sind dann zentralisiert – deswegen sprechen wir hier von elektronischen Währungen, nicht von Kryptowährungen.

Herr Schär – In Ihrer anstehenden Publikation widmen Sie sich Token Sales. Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Chancen, worin sehen Sie Risiken? Was halten Sie von ICOs?

FS: Ich denke, dass es ein interessantes Modell ist, vor allem für Unternehmen. Rein von der Breite an Investoren gibt es hier sehr viel Potential. Wenn man sich aber die aktuelle Situation anschaut, gibt es auch eine immense Gefahr. Da gibt es sehr viele Unternehmen, die nicht sehr viel mehr haben als eine vage Businessidee, ein White Paper, vielleicht noch fünf Personen auf der Webseite. Trotzdem werden da Summen eingefordert, die sehr hoch sind. Hier wird es definitiv zu einem Crash kommen – da bin ich überzeugt. Ein Großteil dieser Unternehmen wird kollabieren. Ich hoffe, dass wir dann irgendwann auf ein Level kommen, auf dem sich das alles normalisiert und dass man dann ICOs als ganz normales Finanzierungsinstrument betrachten kann.

Das Interesse der Studenten ist riesig

Sie leiten das Center for Innovative Finance an der Universität Basel. Wie ist die Resonanz von den Studenten?

FS: Riesig. Gerade die Blockchain-Einführungsvorlesung. Da sitzen 270 Studierende aus allen Fakultäten. Beim Symposium, was wir vor zwei Wochen veranstaltet haben, mussten wir sogar einen zweiten Raum buchen – es waren 600 Menschen anwesend. Es kommen aber nicht nur Studierende, sondern auch Menschen aus der Praxis. Bei den Events sind auch viele Banker anwesend. Auch rundherum gibt es ein riesiges Interesse. Außerdem weiten wir das Angebot für die Studierenden weiter aus – ab nächstem Semester haben wir auch eine Vorlesung zum Thema Smart Contracts. Zudem wird es eine „Blockchain-Challenge“ geben – ein ausgedehnter Hackathon über ein Semester. Dann gibt es auch extrem viele Abschlussarbeiten.

Interesse an Abschlussarbeiten so hoch wie während der Finanzkrise

AB: Ich habe gerade zehnmal so viele Anfragen wie vor einigen Jahren. Es gab nur eine Zeit, in der der Ansturm ähnlich groß war – zu Zeiten der Finanzkrise. Hauptsächlich kommen die Anfragen aus den Bereichen Economics, Finance und Business, teilweise aber auch aus dem juristischen Bereich.

FS: Unser Ziel ist es, die verschiedenen Disziplinen miteinander zu verknüpfen.

„Komplette Überregulierung ist schlecht“

Stichwort Regulierung. Hier steht ja oft ein zentraler Staat einer dezentralen Kryptowährung gegenüber. Wie sehen Sie die Chancen für ICOs?

FS:  Sehr gut. Im Endeffekt ist hier der große Unterschied zu Krypto-Assets wie Bitcoin, die überhaupt keinen Angriffspunkt haben, das Unternehmen. Denn bei ICOs steht immer ein Unternehmen dahinter. Das ist damit exponiert und auch für eine Regulierung greifbar. Ich befürworte das auch bis zu einem gewissen Grad – es ist einfach notwendig. Natürlich ist das eine Gratwanderung, komplette Überregulierung ist schlecht. Aber auch nichts zu unternehmen und den Markt anarchistisch zu lassen, wäre schlecht – das würde das komplette System und die Blockchain-Szene belasten.

AB: Hier geht die Schweiz mit gutem Beispiel voran. Die Finma gab im Februar ein Paper raus, indem sie beschrieb, wie man Token einteilen kann – als Zahlungs-Token, Utility Token oder Security Token. Was sie hier veröffentlichten, waren letztlich Guidelines. Sie sagen im Prinzip: Das Ganze ist noch am Anfang, wir stecken noch im Lernprozess. Sie wollen hier also keine Gesetze vorschreiben, sondern kommunizieren, wie sie darüber nachdenken. Gegebenenfalls kann man die Richtlinien dann anpassen. Das ist eine vernünftige Zwischenlösung. Es braucht eine Orientierung für den Markt, aber keine Überregulierung. Das ist eine pragmatische und vernünftige Lösung – deshalb kommen letztlich auch viele in die Schweiz. Hier gibt es eine Rechtssicherheit.

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