Barmer-Report kritisiert immer weiter steigende Kosten für Krebsmedikamente

Kassen beklagen steigende Kosten von Krebsmedikamenten

Die Preise für Krebsmedikamente steigen seit Jahren massiv - und damit auch die Ausgaben der Krankenkassen. Verglichen mit vielen anderen Ländern würden in Deutschland Höchstpreise gezahlt, heißt es in dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Arzneimittelreport der Barmer-Krankenkasse. Kassenchef Christoph Straub forderte eine Debatte darüber, "ob die Preise für Krebsmedikamente in Deutschland noch zu rechtfertigen sind". Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) verwies auf die höhere Lebenserwartung von Krebspatienten auch durch neue Medikamente.

Dem Kassenreport zufolge liegen beim Kostenvergleich von 31 Krebsarzneimitteln in Europa, Australien und Neuseeland die Preise in Deutschland in 90 Prozent der Fälle über dem Durchschnitt. Acht der 31 Krebsmedikamente kosten in Deutschland sogar am meisten. Allein bei der Barmer stiegen demnach die Ausgaben für onkologische Arzneimittel bei der Versorgung ihrer Versicherten seit dem Jahr 2011 um 41 Prozent.

Dieser Trend lässt sich der Barmer zufolge nicht durch eine größere Zahl betroffener Patienten erklären, denn darauf entfielen seit 2011 lediglich acht Prozent der Kostensteigerung. Knapp 490.000 Menschen werden pro Jahr in Deutschland mit einer Krebsdiagnose konfrontiert. Vielmehr fallen hier nach Ansicht der Barmer die höheren Herstellerpreise ins Gewicht.

"Auch bei onkologischen Arzneimitteln, so segensreich viele von ihnen wirken, sind faire Preise wichtig", erklärte Straub. Er forderte, nicht nur auf die frühe Nutzenbewertung zu setzen, sondern die Medikamente nach fünf Jahren erneut auf ihren Nutzen zu überprüfen. Dazu gehörten dann auch neue Preisverhandlungen mit dem Kassen-Spitzenverband.

Studienautor Daniel Grandt vom Klinikum Saarbrücken erklärte, die Pharmafirmen hätten offenbar ein großes Interesse daran, Krebsmittel als sogenannte Orphan Drugs zuzulassen. "Um eine solche Zulassung zu erhalten, müssen weniger Belege über Nutzen und Sicherheit des Arzneimittels vorgelegt werden", sagte Grandt. Orphan Drugs sind Medikamente zur Behandlung seltener Erkrankungen.

VFA-Geschäftsführerin Birgit Fischer nannte es "zynisch, die positive therapeutische Entwicklung und längeres Überleben von Patienten primär als Kostenrisiko darzustellen". An der steigenden Lebenserwartung von Krebspatienten hätten die Fortschritte der Arzneimitteltherapie "einen wesentlichen Anteil".

Zudem verursachten Krebsmedikamente nur rund 13 Prozent der Arzneimittelausgaben der Krankenkassen, obwohl Krebserkrankungen zu den häufigsten chronischen Krankheiten zählten und immer noch die zweithäufigste Todesursache seien, erklärte Fischer. Im Übrigen liege Deutschland beim durchschnittlichen Preisniveau für neue Medikamente im europäischen Mittelfeld. Dies gelte auch für neue Krebsmedikamente.

Straub betonte, er wolle "keine Debatte darüber führen, ob einem sterbenskranken Krebspatienten eine Therapie aus Kostengründen verweigert werden sollte". Das wäre unethisch. Er wolle aber eine Diskussion anstoßen, ob die Preise in Deutschland gerechtfertigt seien.