Barmer-Report: Für jüngere Pflegebedürftige fehlen tausende Betreuungsplätze

Für jüngere Pflegebedürftige fehlen tausende Betreuungsplätze

In Deutschland fehlen tausende Betreuungsplätze für jüngere Pflegebedürftige. Dies geht aus dem Pflegereport der Krankenkasse Barmer hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Einer Umfrage zufolge gibt es für unter 60-Jährige beginnend mit dem frühen Kindesalter etwa 4000 teilstationäre und rund 3400 Kurzzeitpflegeplätze zu wenig. Zudem haben sie meist ganz andere Krankheitsbilder und damit andere Bedürfnisse als ältere Pflegebedürftige.

Im Jahr 2015 gab es dem Report zufolge insgesamt 386.000 Menschen unter 60 Jahren, die auf Pflege angewiesen waren. Das entspricht 13,5 Prozent der 2,86 Millionen Pflegebedürftigen mit den bis Ende 2016 gültigen Pflegestufen eins bis drei. Während bei älteren Pflegebedürftigen Frauen in der Mehrzahl sind, ist dies bei den jüngeren genau gegenteilig. Rund 175.000 von ihnen sind weiblich, etwa 211.000 männlich.

Insgesamt haben die jüngeren Betroffenen auch andere Krankheitsbilder und leiden eher selten an Demenz oder den Folgen von Schlaganfällen. Der Analyse zufolge haben 35 Prozent Lähmungen, 32 Prozent Intelligenzminderungen, 24 Prozent eine Epilepsie und zehn Prozent das sogenannte Downsyndrom.

"Für junge Pflegebedürftige geht das Angebot an geeigneten Pflegeplätzen an deren Bedürfnissen vorbei, Wunsch und Wirklichkeit klaffen häufig auseinander", kritisierte Barmer-Vorstandschef Christoph Straub. Die Situation der jungen Pflegebedürftigen müsse dringend verbessert werden.

Vor allem bei der Kurzzeitpflege gibt es demnach massive Versorgungslücken, wie eine Umfrage unter mehr als 1700 Versicherten zeigt. So nutzen derzeit neun Prozent der jungen Pflegebedürftigen mindestens einmal im Jahr die Kurzzeitpflege. Der Wunsch danach ist aber gut doppelt so hoch.

Defizite gibt es auch bei der Tagespflege, die lediglich 13 Prozent in Anspruch nehmen. 20 Prozent würden diese gerne nutzen, was aber unter anderem an fehlenden Angeboten für die entsprechende Altersgruppe oder für die eigene Erkrankung scheitert.

Auch der Wunsch nach selbstbestimmtem Wohnen bleibt für jüngere Pflegebedürftige demnach häufig unerfüllt. Der Umfrage zufolge würde gern mehr als jeder Dritte (35 Prozent) der Zehn- bis 29-Jährigen in eine Wohngruppe ziehen. Etwa jeder Zweite gibt an, dass sich sein Wechsel in eine solche Einrichtung oder in ein Pflege- oder Behindertenheim zerschlug, weil es keinen Platz gab. Straub forderte daher "mehr ihrem Alter angepasste Wohnplätze für Kinder, Jugendliche und sehr junge Erwachsene".

Für den Report wurden neben der separaten Umfrage Daten der Barmer-Versicherten ausgewertet. Danach liegt der Eigenanteil für Pflegeheimbewohner in Deutschland bei durchschnittlich 1691 Euro im Monat, wobei es starke Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. So reicht der Eigenanteil von 1107 Euro in Sachsen-Anhalt bis hin zu 2252 Euro in Nordrhein-Westfalen.

Wie der Bericht weiter zeigt, gab es 2015 rund 13.600 Pflegeheime mit insgesamt 928.900 Plätzen. Davon entfielen 877.100 Plätze auf die vollstationäre Pflege, 51.400 auf die Tagespflege und 400 auf die Nachtpflege.