Barmer: Patienten könnten ohne Aufwand von Kliniken mit mehr OP-Erfahrung profitieren

Zehntausende Patienten könnten bei Problemen an Hüft, Knie oder Herz ohne großen Aufwand an Krankenhäusern mit mehr Erfahrung operiert werden. Sie müssten dafür nur geringfügig längere Fahrzeiten zur Klinik in Kauf nehmen, wie aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Barmer-Krankenhausreport hervorgeht. Die Studie legt dabei zugrunde, dass sich die Fahrzeit in keinem Fall auf mehr als 40 Minuten erhöht.

Die Operationszahlen in den Kliniken und die damit verbundenen Auswirkungen auf Qualität und Patientensicherheit sind seit langem ein Diskussionsthema. Kliniken mit sehr wenigen Behandlungen im Jahr stehen solchen mit höheren Fallzahlen und damit mehr Erfahrung gegenüber. Die gesetzlichen Kassen befürworten daher eine Konzentration stationärer Leistungen.

"Kliniken mit hohen Fallzahlen erbringen in der Regel eine bessere Versorgungsqualität", erklärte Barmer-Chef Christoph Straub. Ärzteschaft und Pflegepersonal hätten eine höhere Expertise, zudem seien größere Kliniken meist auch medizinisch besser ausgestattet. Trotzdem gebe es noch viele kleinere Krankenhäuser, die in einzelnen Bereichen nur wenige Operationen vornähmen. "Für Patientinnen und Patienten kann das im schlimmsten Fall tödliche Folgen haben", erklärte Straub.

Mit der Verlagerung von Operationen könnte sich dem Barmer-Chef zufolge die Versorgung für jährlich zehntausende Patientinnen und Patienten schlagartig und ohne Nachteile verbessern. Exemplarisch analysierte der Krankenhausreport in zwei Bereiche, ob sich fünf Prozent der Knie- und Hüftoperationen und drei Prozent der Herzinfarkteingriffe verlagern lassen. Betrachtet wurden im Report Kliniken mit weniger als jährlich 187 Eingriffen an Knie und Hüfte und bei Herzinfarkt mit weniger als 186 Eingriffen.

Im Ergebnis könnten jährlich mindestens 18.000 der insgesamt mehr als 500.000 Hüft- und Knieoperationen an Standorten mit mehr Erfahrung vorgenommen werden, ohne dass sich die Fahrzeit für die Patienten deutlich verlängert. Auch ließen sich von den rund 400.000 Eingriffen am Herzen mehr als 8000 verlagern. Bislang erreichen fast alle Patienten ein Krankenhaus in diesen Fällen in weniger als 30 Minuten - bei einer Verlagerung in eine erfahrenere Klinik würde sich die Fahrzeit auf maximal 40 Minuten verlängern.

Die Potenziale dafür sind der Studie zufolge regional allerdings sehr unterschiedlich. Besonders in Ballungszentren Nordrhein-Westfalens, Bayerns und Hessens sowie in den Stadtstaaten könnten ohne Probleme viele Eingriffe verlagert werden, weil es zahlreiche andere Häuser in der Nähe gibt. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen seien aufgrund der geringeren Klinikdichte Verlagerungen dagegen nur begrenzt möglich.

hex/cfm