Großbritannien zwingt Unternehmen, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen offenzulegen. Barclays schneidet dabei besonders schlecht ab.

Großbritannien zwingt Unternehmen, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen offenzulegen. Barclays schneidet dabei besonders schlecht ab.


Der Bonustopf für Investmentbanker bei der britischen Großbank Barclays enthält dieses Jahr knapp 900 Millionen Pfund. Das Geld wird jedoch höchst ungleich verteilt. Die mittlere Sonderzahlung der Mitarbeiterinnen liegt 73 Prozent unter dem mittleren Bonus ihrer männlichen Kollegen.

Auch beim Grundgehalt gibt es eine erhebliche Gehaltslücke: Frauen verdienen in der Investmentbank im Mittel 43,5 Prozent weniger als Männer. Bei den Angestellten im Privatkundengeschäft der Bank ist die Lücke mit 14,2 Prozent deutlich geringer.

Die Vorsitzende des Finanzausschusses, die konservative Abgeordnete Nicky Morgan, nannte die Zahlen „schockierend“. Schließlich schreibe man das Jahr 2018. Die Bank erklärte den Unterschied damit, dass Männer überdurchschnittlich in höheren, besser bezahlten Positionen arbeiteten. Frauen hingegen arbeiteten häufiger in niedrigeren Positionen und in Teilzeit. Für die gleiche Arbeit gebe es jedoch das gleiche Gehalt für Männer und Frauen.

Die Zahlen der Investmentbank sind das bisher eklatanteste Beispiel für die Gehaltslücke in britischen Unternehmen. Die Regierung hat alle Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern verpflichtet, bis zum 4. April die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen zu veröffentlichen. Bisher haben mehr als 1170 Unternehmen ihre Angaben gemeldet. Auf dieser Basis beträgt die Gehaltslücke landesweit rund acht Prozent. Es fehlen jedoch noch 8000 Unternehmen.
Im Finanz- und Versicherungssektor ist die Gehaltslücke höher als in anderen Branchen: Auf Basis der bisherigen Angaben liegt sie bei rund 15 Prozent. Barclays ist ein Ausreißer nach oben, weil die Bank eine große Investmentbank-Sparte hat. Dieser Bereich ist stark männerdominiert, und die Ausschüttungen sind überdurchschnittlich hoch.

Andere Großbanken wie Lloyds, HSBC, Royal Bank of Scotland und Standard Chartered, haben ihre Gehaltslücke noch nicht gemeldet.


Große Gehaltsunterschiede gibt es auch bei den Fluggesellschaften. Im Januar hatte Easyjet seine Zahlen veröffentlicht. Hier beträgt die mittlere Gehaltslücke 46 Prozent. Das liegt vor allem daran, dass 94 Prozent der Piloten männlich sind, während das Kabinenpersonal überwiegend weiblich ist. Allerdings bekam auch der neue CEO Johan Lundgren zunächst ein Einstiegsgehalt, das fünf Prozent über dem letzten Gehalt seiner Vorgängerin Carolyn McCall lag. Nach der Veröffentlichung der Gehaltslücke ließ er sein Gehalt entsprechend kürzen – ein Verzicht auf 34.000 Pfund im Jahr.

Beim öffentlich-rechtlichen Sender BBC tobt ebenfalls eine heftige Debatte über die Gehaltslücke. Die China-Korrespondentin Carrie Gracie hatte kürzlich ihren Posten gekündigt, nachdem bekannt wurde, dass sie mit 145.000 Pfund im Jahr deutlich weniger verdiente als ihre männlichen Kollegen in den USA und im Nahen Osten, die jeweils 250.000 Pfund im Jahr erhalten. Eine Gehaltserhöhung auf 180.000 Pfund schlug sie aus und kehrte stattdessen in die Londoner Zentrale zurück.