Barclays-Chef muss 642.430 Pfund Strafe zahlen


Jes Staley, Chef der britischen Großbank Barclays, muss 642.430 Pfund Strafe zahlen, weil er vor zwei Jahren gegen einen internen Whistleblower vorgegangen ist. Das teilten die Bankenaufsicht PRA bei der Bank of England und die Finanzaufsicht FCA am Freitag mit.

Die Strafe beläuft sich eigentlich sogar auf 917.800 Pfund. Beide Aufsichtsbehörden forderten je zehn Prozent von Staleys damaligem Jahreseinkommen. Weil er jedoch frühzeitig einen Vergleich geschlossen hat, gewährten ihm die Behörden einen Nachlass von 30 Prozent, und er muss nur 642.430 Pfund zahlen.

Die Bank selbst entgeht einer Strafe, wird nun aber unter verschärfte Aufsicht gestellt. Sie muss fortan einmal jährlich den Aufsehern mitteilen, wie sie mit Mitarbeitern umgeht, die auf Missstände hinweisen. Bis Ende 2020 muss die Bank jeden einzelnen Whistleblower-Fall melden.

„Schutz von Whistleblowern ist ein wesentliches Element, um das Finanzsystem stabil und sicher zu halten“, sagte Sam Woods, Chef der Bankenaufsicht PRA. Staleys Verhalten entspreche nicht dem Standard, den man von einem Bankchef erwarte.



Der Fall Staley ist der erste Test für das neue verschärfte System der Managerhaftung in Großbritannien. Der Amerikaner ist noch einmal glimpflich davon gekommen, denn die Affäre hätte ihn auch den Job kosten können. Vor der Maximalstrafe schreckten FCA und PRA jedoch zurück, ein Warnschuss reichte ihnen. Vor drei Wochen hatten die beiden Behörden bereits mitgeteilt, dass Staley im Amt bleiben könne und nur eine Geldstrafe zu erwarten habe.

Dabei steht außer Frage, dass Staley gegen britische Gesetze verstoßen hat. Er hatte 2016 den Sicherheitschef der Bank beauftragt, einen Kritiker in den eigenen Reihen ausfindig zu machen, der den CEO beim Verwaltungsrat angeschwärzt hatte. Als das herauskam, hatten die Aufseher eine Untersuchung eingeleitet.

Staley hatte sich bereits vergangenes Jahr für den „Fehler“ entschuldigt, der Verwaltungsrat hatte ihn gerügt. Am Freitag teilte die Bank mit, dass sie Staleys Bonus für 2016 um 500.000 Pfund gekürzt habe. Seine Gesamtstrafe für den Skandal, 1,14 Millionen Pfund, entspricht damit 27 Prozent seines damaligen Jahreseinkommens.

Der Barclays-Chef habe das Vertrauen in die Strukturen der Bank untergraben, sagte Mark Steward von der FCA. „Whistleblower spielen eine wesentliche Rolle im Finanzsektor, indem sie schlechte Praktiken und Fehlverhalten enthüllen“. Es sei wichtig, dass Mitarbeiter ohne Angst vor Bestrafung ihre Sorgen mitteilen könnten.