Barca-Star: "Manchmal will ich mein Haus nicht verlassen"

Kai Hartwig
Barca-Star Andre Gomes empfindet ähnlich wie Per Mertesacker.

Mit seinen mutigen, offenen Aussagen in einem Spiegel-Interview hat Weltmeister Per Mertesacker eine kontroverse Diskussion im deutschen Fußball ausgelöst. Der frühere Nationalspieler hatte zugegeben, während seiner Karriere in der DFB-Elf unter massivem psychischem Druck gestanden zu haben, der ihn in nahezu jedem Spiel im Trikot mit dem Bundesadler stark belastet habe.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und andere Granden des deutschen Fußballs hatten irritiert bis kritisch reagiert, andere wie Ex-Mitspieler Mike Hanke den früheren Bremer unterstützt.

Nun offenbart auch ein Star des FC Barcelona, ähnlich wie Mertesacker zu empfinden. Andre Gomes, portugiesischer Nationalspieler und Mittelfeldakteur in Reihen des spanischen Top-Klubs, hat dem Fußball-Magazin Panenka gestanden, bei Barca auf und neben dem Platz mit immensen Problemen zu kämpfen, die über das rein Sportliche hinausgehen.

Gomes beklagt: "Zu viel zu denken tut mir weh"

Der Leistungsdruck beim FC Barcelona ist bekanntermaßen enorm. Häufig stehe er noch nach den Spielen so unter dem Eindruck der vergangenen Partie, dass ein normales Training für ihn nicht möglich sei. Er denke dann an die schlechten Dinge, die schief gegangen seien, und an das, was er besser machen müsse. "Zu viel zu denken tut mir weh", so Gomes. 

Zwar bekäme er sehr viel Unterstützung durch seine Teamkollegen, doch auch das könne sein Unwohlsein auf dem Feld nicht vertreiben. "Ich genieße es nicht auf dem Platz und fühle mich ängstlich", sagt der 24-Jährige.  

Europameister traut sich manchmal nicht raus

Seine negative Gefühlswelt ist dem Europameister eher peinlich.  

"Ich schließe mich ein. Ich erlaube es mir selbst nicht, die Frustration, die ich habe, loszuwerden. Ich rede mit niemandem und will niemanden belästigen, weil ich mich schäme."

Auch im Alltag kämpft Gomes mit Problemen, die sein Beruf bei ihm hervorruft. "Es ist mir mehr als einmal passiert, dass ich nicht aus dem Haus gehen wollte. Die Möglichkeit, dass die Leute einen anstarren könnten, wenn man auf die Straße geht", schildert der Portugiese seine Empfindungen.

Gomes war im Sommer 2016 mit großen Vorschusslorbeeren zum FC Barcelona gewechselt. Barca zahlte 35 Millionen Euro an den FC Valencia, bei dem das Top-Talent in zwei Spielzeiten überzeugt hatte. In Barcelona konnte der hochveranlagte Gomes bislang allerdings nicht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen.

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