Barca? ManCity? Bayern? Dieses Real Madrid bleibt unantastbar

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Zinedine Zidane setzte eine ganze Saison in Paris aufs Spiel und wurde für sein Risiko belohnt: Real Madrid hat PSG eine Lektion erteilt und der Konkurrenz gezeigt, dass der Champions-League-Titel auch in dieser Saison nur über die Königlichen geht. 

Im richtigen Moment einmal mehr da: Cristiano Ronaldo (r.)

Die Tage von Zinedine Zidane in Madrid waren gezählt. Spätestens im Sommer werde sich Real Madrid vom Franzosen trennen, mutmaßten spanische Medien übereinstimmend; die besonders gehässigen schrieben Zizou schon deutlich früher aus dem Amt.

Unterstützt wurde das naheliegende Ende der Ära Zidane in Madrid durch eine Reihe schwacher Spiele und schlechter Ergebnisse in der Liga und Zidanes offen zur Schau gestellter Amtsmüdigkeit. Der Trainerjob sei per se sehr anstrengend, nirgends aber so zehrend wie beim königlichen Klub in Spaniens Hauptstadt, hatte Zidane in den letzten Wochen des Öfteren von sich gegeben.

Wie schnelllebig der Fußball ist, zeigte sich wieder mal am Dienstagabend. Zidane ging mit seiner Aufstellung für das Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Paris Saint-Germain ein Vabanquespiel ein – und gewann furios. Kroos, Modric, Isco, Bale – das gesamte etatmäßige Mittelfeld fand sich auf der Ersatzbank wieder, wobei erwähnt werden muss, dass Kroos und Modric nach Verletzungen noch nicht wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte sind.

Madrid erteilt Paris eine Lektion

Dennoch hätte man erwarten können, dass Zidane im bis dato wichtigsten Spiel der Saison zumindest auf den einen oder anderen Stammspieler im Zentrum zurückgreift. Tat er aber nicht. Stattdessen bildeten der international unerfahrene Kovacic und Casemiro das defensive Mittelfeld, auf den Flügeln waren Asensio und Vazquez aktiv.

Welche Eingebung Zidane auch immer gehabt oder wer auch immer ihm diese Aufstellung eingeflüstert hat – es funktionierte mit Bravour. Jackpot Zizou. Real Madrid hatte Paris von der ersten Sekunde an im Schwitzkasten und ließ nicht den Hauch von Zweifeln zu, dass die Saison der Königlichen womöglich bereits Anfang März zu Ende ist. Schließlich ist die Champions League der einzige Wettbewerb, in dem Real noch einen Titel gewinnen. In der Liga hinkt man der Musik weit hinterher und in der Copa de Rey blamierten sich die Königlichen beim Aus gegen CD Leganes bis auf die Knochen.

Das wahre Gesicht der Mannschaft, und das ist ihre ganz große Stärke, zeigt sich immer erst dann, wenn es gegen die Besten Europas geht. “Real Madrid wurde für die Champions League geboren”, sagte Kovacic nach dem 2:1-Sieg in Paris.

Presse huldigt Real

Seit Jahren ist Real Madrid in der Königsklasse auf den Punkt da und liefert dann seine besten Spiele ab, wenn es notwendig ist. Vor dem Finale 2017 wurde Juventus Turin von allen Experten in den Himmel gelobt – und von Real Madrid in der zweiten Halbzeit so hergespielt, dass von der Alten Dame nicht mehr übrig blieb außer ein paar Rockfetzen.

Die Milliardentruppe von PSG wurde spätestens nach dem 3:0-Sieg gegen den FC Bayern in der Gruppenphase in den engsten Favoritenkreis der Champions League gehoben. Letztlich waren Neymar, Mbappe und Co. in 180 Minuten gegen Real chancenlos.

Trotz ihrer irrwitzigen Investitionen von Klubbesitzer Scheich Nasser Al-Khelaifi haben sich die Pariser Träume auf den Gewinn der Champions League wieder einmal verfrüht in Luft aufgelöst. Spaniens Zeitungen nahmen den Ball gerne auf, um das Projekt PSG zu vernichten, aber auch, um Real Madrid zu huldigen.

“König Madrid ruiniert PSG. Ein großer Klub zu sein, bedeutet nicht, Transfers wie bei Monopoly zu tätigen”, schrieb “El Pais”. Die “AS” stellte das Gesamtkonstrukt von Real in den Mittelpunkt: “Madrid war das Feuer. Das Gesamtwerk von Real ist das Ergebnis von Zeit, Wissen und Tradition. Das ist in der Champions League wie ein zwölfter Spieler. Diese Nachricht hat Real im Parc des Princes hinterlassen.”

Sergio Ramos: “Wir sind wieder da”

Manchester City, FC Barcelona, vielleicht der FC Bayern München oder sogar der mitunter furios aufspielende FC Liverpool – die Liste der Favoriten auf den Gewinn der Champions League in dieser Saison ist auch nach dem Aus von PSG noch recht lang. Real Madrid fehlte bislang.

Nach drei Titeln innerhalb von vier Jahren wurde dem zwölfmaligen Titelträger ein weiterer Coup nicht zugetraut. Doch von satten Profis in weißen Trikots kann keine Rede sein. “Ich würden sagen: Wir sind wieder da”, urteilte Kapitän Sergio Ramos in Paris. Das ist erst mal eine reine Feststellung und keine Drohung an die Konkurrenz. Wenn sich Real Madrid aber auch noch selbst neu erfinden kann wie mit der Aufstellung im Parc des Princes, sollten sich alle anderen im Wettbewerb verbliebenen Mannschaften warm anziehen.

Zidanes Risiko ging deshalb auf, weil sich auch die nominell zweite Garde an die Anweisungen hielt und darüber hinaus über ebenso exzellente fußballerische Qualitäten verfügt wie Kroos und Co.

Zidanes perfekter Matchplan

Zizous Matchplan war so ausgelegt, dass Real das Spielfeld eng macht, indem die Ketten nah beieinander stehen und Paris durch aggressives Anlaufen auf den Ball führenden Spieler im Aufbau gestört wird. Gelangten die Madrilenen so in Ballbesitz, schwärmten Vazquez und Asensio aus, um ihre Schnelligkeit und herausragende Technik über die Flügel auszuspielen und Benzema und Ronaldo mit Anspielen zu füttern. Beim 0:1 durch Ronaldo wurde dieser Plan perfekt umgesetzt.

“Wir hatten einen guten Plan, unser Trainer hat uns exzellent vorbereitet”, lobte Ramos seinen Chef. Der spielte seinen taktischen Coup nach dem Spiel herunter. “Ich hatte keinerlei Bauchschmerzen bei der Aufstellung, weil ich jeden Tag sehe, wie gute diese Jungs sind”, sagte Zidane.

Mit PSG wurde das erste Schwergewicht auf dem Weg zum 13. Titel problemlos weggeräumt. Somit verlängert sich die Saison von Real Madrid um mindestens einen Monat, wenn die Viertelfinalspiele der Champions League anstehen. Angesichts der Leistungsexplosion gegen Paris wäre es nicht verwunderlich, wenn die Spielzeit 2017/18 für die Königlichen erst am 26. Mai endet. Dann wird in Kiew der diesjährige Champions-League-Sieger gekürt.