Das seltsame Spiel mit Messis drei Verträgen

Lionel Messi hat seine Verlängerung mit dem FC Barcelona weiter nicht besiegelt

Hat Lionel Messi nun beim FC Barcelona verlängert oder nicht?

Hat er, sagt Josep Bartomeu, der Präsident des Klubs. Und normalerweise sollte das ja auch ausreichen, alle Zweifel zu zerstreuen. Bei dieser Geschichte reicht es nicht aus.

Bartomeu: "Es ist alles unterschrieben"

Zur Erinnerung: Schon im Juli hatte Barca offiziell vermeldet, dass Messi seinen im Sommer auslaufenden Vertrag bis 2021 verlängert hätte. Es kam jedoch heraus, dass dieser Schritt formell noch gar nicht vollzogen war - was die massive Unruhe im Klub noch vergrößerte.

Bartomeu versucht nun erneut, sie einzudämmen, mit der Versicherung dass der Deal sehr wohl fixiert sei. "Es ist alles ausgehandelt und unterschrieben", sagt er der Zeitung Sport. Man sei "ruhig", es gebe "keine Probleme". Echt nicht.

Echt nicht?

Drei Verträge unterschrieben - aber nicht von Messi

Bartomeu selbst muss einräumen, dass der Deal immer noch nicht komplett vollzogen ist.

Zwar seien genau genommen nicht nur einer, sondern gleich drei Verträge unterzeichnet - einer mit der Stiftung Messis, den deren Präsident unterschrieben hat, einer über Messis Bildrechte sowie Messis Arbeitsvertrag, beide unterzeichnet von seinem Vater Jorge Horacio, wirksam ab 30. Juni.

Auf Nachfrage ergänzt Bartomeu jedoch, dass noch ein Detail fehle: "Dass Leo ankommt, wir ein offizielles Foto machen und die Unterschrift protokollieren."

Und warum ist das eigentlich noch nicht passiert? "Wir hatten Zeitprobleme. Am 6. oder 7. September kommt er zurück, am 9. spielen wir wieder. Wir werden den rechten Moment finden."


Warum schweigt Messi?

Es bleibt Verwunderung zurück, warum dieser Moment bislang noch nicht gefunden werden konnte. Und warum Messi selber nicht auch mal öffentlich erklärt, dass es kein Problem gibt.

Schon während der Saisonvorbereitung hätte Messi unterschreiben sollen, so war es im Juli auf der Klub-Homepage angekündigt worden.

Dass er es bis heute nicht getan hat, hat Spekulationen ausgelöst, dass der fünfmalige Weltfußballer doch noch einen Wechsel im kommenden Sommer planen könnte. Aus Unzufriedenheit über das Chaos im Klub, das zuletzt nur immer größer wurde. Stichworte: Neymar-Abgang, geplatzter Coutinho-Wechsel, verkorkster Transfer-Sommer.


Misstrauensvotum gegen den Barca-Boss

Auch Bartomeu steht unter Druck: Immer mehr Barca-Fans fordern seinen Rücktritt, ein früherer Präsidentschaftskandidat will ihn mit einem Misstrauensvotum zu Fall bringen - unter anderem mit Verweis auf die Causa Messi.

"Der Klub befindet sich in sozialer, institutioneller und ökonomischer Hinsicht in einer Krise", sagte Klubmitglied Agusti Benedito bei seinem Antrag - und verwies unter anderem auch auf den Fall Messi.

Benedito befürchtet, dass der Superstar die Lücke im Deal noch nutzen könnte, ab Januar Verhandlungen mit einem anderen Klub aufzunehmen, wenn er bis dahin keinen sportlichen Aufwärtstrend bemerkt.

Dissonanzen bei Neymar

Was ihn und andere in ihrer Skepsis bestärkte: Während Bartomeu dem zu PSG abgewanderten Neymar Giftpfeile hinterherschickte, postete Messi - wie diverse andere Barca-Kollegen - demonstrativ Fotos mit dem Brasilianer. Es wurde als Affront gegen Bartomeu verstanden.


Bartomeu agiere "seit Wochen außer Kontrolle", wirft Oppositionsführer Benedito ihm vor.

Die neuen Aussagen zu Messi sind ein offensichtlicher Versuch des Bosses zu demonstrieren, dass er die Dinge sehr wohl unter Kontrolle hat.

Es bleibt abzuwarten, ob dieser Schuss nicht noch nach hinten losgeht.