Warum Banken und Fintechs ideale Partner sind

1 / 2

Warum Banken und Fintechs ideale Partner sind

"Willst du etwas gut gemacht haben, so tue es selber!" Lange sind Banken mit diesem Prinzip gut gefahren. Im digitalen Wandel gilt das nicht mehr.

Finanzinstitute sind bereits seit Jahren auf der „digitalen Reise“. Ob die Schaffung von Innovation Labs oder Accelerator-Programmen, die Einbindung von Inkubatoren oder Corporate Venture Capital – Institute fahren mittlerweile eine Vielzahl von Ansätzen, um die Digitalisierung ihrer Branche selbst aktiv zu gestalten. Damit knüpfen sie eigentlich an ihre Wurzeln an. Schließlich sind Banken in ihrer heutigen Form im 19. Jahrhundert als innovative Finanzdienstleister entstanden, die ihren Kunden unterschiedlichste Dienstleistungen angeboten haben. Mit Einführung der Informationstechnologie im letzten Jahrhundert haben sie sich schon einmal neu erfunden, samt Etablierung eigener Onlinebanking-Ableger. Mit dieser digitalen Ära sind diese goldenen Banking-Zeiten jedoch nicht zu vergleichen.

Banking-Systeme kommen an Grenzen

Die Innovationszyklen haben sich inzwischen erheblich beschleunigt: mit massiven Leistungssteigerungen in der Technologie zu gleichzeitig historisch niedrigen Kosten. Softwarelösungen, deren Entwicklung bis zum Prototypen noch vor zwei Jahrzehnten Monate gedauert hätte, entstehen damit heute bei einem Hackathon am Wochenende. Neue Geräte wie Wearables und die Omnipräsenz des Internets machen völlig neue Prozesse möglich. Und damit sind wir auch schon bei des Pudels Kern angelangt: Banken haben ihre „alten“ Prozesse ursprünglich am Kunden ausgerichtet, aber mit der damals erhältlichen Technologie.




Im Laufe der Jahrzehnte wurden zwar Verbesserungen in bestehende Prozesse eingebaut, aber wenig neue Produkte kreiert, die mit dem technologischen Fortschritt möglich wurden. Mit der Agilität von neuen Playern wie Fintechs, die durch aktuelle Technologie hundertprozentig auf den Kunden fokussierten Service anbieten, können Banken so kaum mithalten.


Fintechs finden neue Lösungen

Warum können wir Geld nicht so einfach und schnell wie E-Mails versenden? Warum werden meine Ausgaben nicht in Echtzeit im Konto angezeigt? Warum muss ich Belege zur Überweisung abtippen, anstatt sie zu photographieren? Warum kann mein Geld nicht automatisch und wesentlich kostengünstiger über eine Software angelegt werden? Warum dauern Auslandsüberweisungen über Banken Tage statt über Kryptowährungen Minuten? FinTechs haben Lösungen zu diesen Fragen bereits geliefert, während die Banken in großen Teilen noch daran arbeiten.

Banken können mit kooperativen Modellen profitieren

Zum Glück der Banken benötigen Startups Geld, um ihre Anlaufkosten zu decken. FinTech-Startups brauchen noch mehr Geld als üblich, da sie nur einen Bruchteil der Margen von Handelsunternehmen erzielen und je nach Geschäftsmodell regulatorische Kosten hinzukommen. Das hat inzwischen zu einer überwiegend kollaborativen Ausrichtung der FinTechs geführt – sowohl mit Blick auf die Integration von Services in das Bankengeschäftsmodell und Erhöhung der Reichweite, als auch auf die Unterstützung bei der Bewältigung der Regulatorik. Mit einer Finanzierung gewinnen Banken mehrfach: Sie sichern sich die Partizipation an der Entwicklung des Start-ups und können ihren Kunden zugleich dessen innovative Services anbieten. Drei Optionen stehen Banken dabei zu Verfügung – mit höchst unterschiedlichen Ausprägungen und Wirkungen.




Externe Innovation kann bei der internen Erneuerung nur helfen

Erste Methode: Balance Sheet-Investment

Ein Investment aus der eigenen Bilanz heraus dürfte am schnellsten realisierbar sein. Organisatorische Vorarbeit ist kaum notwendig, sobald ein Bankenbereich ein Fintech-Investment durchführen möchte, kann agiert werden. Die Geschwindigkeit hat aber ihren Preis. Venture Capital ist nicht umsonst eine eigenständige Branche, die gewissen Regeln unterliegt und in der erfolgreiches Agieren spezifisches Know-how erfordert. Mit dem Direktinvestment darf sich der zuständige Banker letztlich in Unternehmensbewertung, Due Diligence und Beteiligungsvertragsgestaltung versuchen. Doch selbst, wenn bei diesen Schritten alles gutgehen sollte, muss die Beteiligung gemanagt werden. Wer aber koordiniert diese Arbeit bei fünf, zehn oder gar 15 Investments? Und wer sucht Beteiligungsmöglichkeiten nach welchen Vorgaben mit welchem Budget? Über ein solches „Zufallsprinzip“ dürfte die Strategie einer Bank in Sachen Investments in externe Innovation kaum effektiv sein.

Zweite Methode: Gründen eines Investmentvehikels

Mit einem eigenen Investmentvehikel, also einem Corporate Venture Capital-Arm, lässt sich schon wesentlich bestimmter agieren. Idealerweise kommen hier externe VC-Experten mit internen Fachleuten der Bank zusammen. Der Investitionsfokus kann abgestimmt werden, die Startups sowohl von der fachlichen wie von der Marktseite analysiert und die Beteiligungen über die Laufzeit professionell gemanagt werden. Jedoch können Startups und Co-Investoren auch über dieses Konstrukt noch zuviel Angst vor dem Einfluss eines strategischen Investors haben. Weiterhin besteht das Risiko von Reibungspunkten mit den internen Innovationsmanagern der Bank.



Dritte Methode: Beteiligung an einem externen Fintech-Fonds

Immer häufiger entscheiden sich Banken daher für ein Investment in einen oder mehrere unabhängige VC-Fonds mit einem Fintech-Fokus. Auch hier kann die Investitions- und Innovationsstrategie der Bank berücksichtigt werden. Das Fonds-Management ist schon da, die Kosten sowohl für die Administration wie auch die Investments werden nicht alleine getragen und können das Budget der Bank daher zusätzlich hebeln. Die internen Innovationsmanager behalten ihre hervorgehobene Rolle und sind der natürliche Ansprechpartner des Fonds im Tagesgeschäft und für Kollaborationsprojekte mit den Startups.

Fazit

Sicher, die digitale Neuaufstellung und interne Innovationsprozesse sind für Banken auch weiterhin von höchster Bedeutung. Diesen Weg sollten Institute jedoch nicht alleine gehen. Fintech-Startups sind längst bereit dafür, mit Banken gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Externe Innovation kann daher bei der internen Erneuerung nur helfen.



KONTEXT

Zum Autor

Carsten Maybach

Carsten Maybach, CFA, ist Mitglied der CFA Society Germany und Investment Manager bei ALSTIN II GmbH. Dort fokussiert er sich auf FinTech-Investments.