Bangladesch will mit "Mustermoscheen" gegen radikalen Islamismus vorgehen

Betende Muslime in Bangladesch

Bangladesch hat nach Behördenangaben vom Freitag ein milliardenschweres Projekt für den Bau hunderter sogenannter Mustermoscheen begonnen, mit deren Hilfe die Regierung den radikalen Islamismus bekämpfen will. Regierungschefin Sheikh Hasina wohnte am Donnerstag per Videokonferenz dem Baustart von neun muslimischen Gotteshäusern bei. In den kommenden 30 Monaten sollen insgesamt 560 "Mustermoscheen mit Kulturzentren" entstehen, teilte ein hochrangiger Behördenvertreter mit.

Die Moscheen sollen genutzt werden, um gegen "verfälschte islamistische Philosophie" zu predigen, erklärte Shahmim Afzal, Chef des Islamministeriums, der AFP. Das Land kämpft seit Jahren gegen religiösen Extremismus, nachdem radikale Islamisten Minderheiten und Ausländer angegriffen hatten.

Die neuen Gotteshäuser sollen auch für Frauen zugänglich sein, anders als die meisten anderen 300.000 Moscheen im Land, sagte Afzal. Zudem sollen sie mit Bibliotheken und Kulturzentren ausgestattet werden. "Jede Moschee wird etwa 150 Millionen Taka (1,48 Millionen Euro) kosten", fügte er hinzu. Einen Teil des Projekts werde Saudi-Arabien finanzieren, sagte Afzal der AFP, ohne die Höhe der Unterstützung zu nennen.

Etwa 90 Prozent der 160 Millionen Bangladescher sind Muslime. Hasinas Regierungspartei hat in den vergangenen Jahrzehnten allerdings einen ausdrücklich säkularen Kurs gefahren. Experten vermuten, dass das Moscheenprojekt ein Versuch der Regierungschefin sein könnte, sich im Wahljahr bei konservativen Muslimen beliebt zu machen.