Ban Ki-moon neuer Boss der IOC-Ethikkommission

Ex-UN-Generalsekretär und neuer Vorsitzender der IOC-Ethikkommission Ban Ki-moon spielt die Bedrohungen herunter

Ein Welt-Diplomat soll aus dem Schlamassel helfen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Ban Ki-moon zum neuen Chef der Ethikkommission gewählt. Der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) will dafür sorgen, dass sich in Zukunft alle Mitglieder verstärkt an die Richtlinien guter Führung halten.

"Ich will eng mit dem IOC und den Organisationen des Sports zusammenarbeiten, damit das IOC den Glauben und das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft erhält", sagte der 73-Jährige bei seiner Inthronisierung auf der Session in Lima/Peru.

Nur fünf Gegenstimmen

Mit 74 Ja-Stimmen und fünf Ablehnungen wurde der frühere Außenminister Südkoreas gewählt.

Bereits in seiner Zeit als UN-Generalsekretär (2007 bis 2016) habe er eng mit den Mitgliedsländern kooperiert, um die Glaubwürdigkeit der Organisation zu steigern. "Ich habe viele große Reformen durchgesetzt. Jetzt möchte ich meine Erfahrungen an das IOC weitergeben", sagte Ban Ki-moon.

IOC-Präsident Thomas Bach sprach im Vorfeld der Wahl davon, dass es keinen besseren Kandidaten für das Amt gegeben habe. Das IOC habe mit Ban in seiner Zeit als UN-Chef exzellent zusammengearbeitet, betonte Bach.

Die jüngsten Korruptionsaffären machen deutlich, wie nötig eine Kontrollfunktion in ethischen Fragen im Ringe-Orden ist. OK-Chef Carlos Alberto Nuzman von Rio 2016 soll an einem Stimmenkauf vor der Vergabe der Spiele 2009 an Rio beteiligt gewesen sein. Der irische Funktionär Patrick Hickey trat vor der Session aus der IOC-Exekutive zurück. Er soll in den Olympia-Ticketskandal von Rio verwickelt gewesen sein.

IOC-Mitglieder fordern mehr Unabhängigkeit

In der IOC-Debatte nach der Wahl Ban Ki-moon wurde deutlich, wie aktuell das Thema innerhalb der Ringe-Organisation ist. Das britische IOC-Mitglied Adam Pengilly forderte mehr Unabhängigkeit für die Ethikkommission, zu der weiterhin IOC-Mitglieder gehören.

Nur mit größerer Unabhängigkeit sei mehr Effektivität zu erreichen. Richard Peterkin (St. Lucia) sprach davon, dass sich IOC-Mitglieder oft in schwierigen Situationen befinden. "Wir bekommen es jeden Tag um die Ohren gehauen", so Peterkin.

Das belgische IOC-Mitglied Pierre-Olivier Beckers-Vieujant ging in seinem internen Prüfungsbericht (Audit-Bericht) direkt auf die Interessenskonflikte der IOC-Mitglieder ein und forderte: "Wir müssen die Glaubwürdigkeit des IOC wieder herstellen."

Bach forderte die Vollversammlung auf, die erneut an alle Mitglieder verschickten Übersichten über ethische Prinzipien genau zu lesen und zu verstehen. "Dann geht es ihnen besser und dann geht es dem IOC besser", sagte der 63-Jährige.

Auf Ban Ki-monn wartet viel Arbeit. Doch der neue IOC-Funnktionär will sich offenbar nicht nur auf den Ethik-Bereich beschränken. Als Koreaner war er bei seinem Antritt bemüht, den Sportlern die Angst vor den militärischen Provokationen Nordkoreas vor den Olympischen Winterspielen im Februar in Pyeongchang/Südkorea zu nehmen. "Ich kann versichern, dass alle Sportler bei den Spielen in Pyeongchang starten können, ohne dass sie sich Sorgen machen müssen."