Bericht: Bahnprojekt Stuttgart 21 wird um eine Milliarde Euro teurer

Der ökologische Verkehrsclub VCD hat von der Deutschen Bahn und der Bundesregierung Aufklärung zum Bauprojekt Stuttgart 21 gefordert. Beide Seiten müssten erklären, "woher sie die Sondermittel für die Mehrkosten nehmen", hieß es

Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 wird einem Medienbericht zufolge teurer als bislang angenommen und dauert länger als geplant. Wie die Zeitung "Bild am Sonntag" am Mittwoch unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtete, rechnet die Bahn nach neuen externen Prüfungen der Pläne mit einer weiteren Verzögerung um ein Jahr und einer Kostensteigerung um mehr als eine Milliarde Euro. Der Fahrgastverband Pro Bahn warnte, die Verteuerung werde bundesweit negative Folgen für Bahnkunden haben.

Dem Bericht der "BamS" zufolge geht die Bahn von einer Erhöhung des Kostenrahmens von 6,5 Milliarden auf 7,6 Milliarden Euro aus. Das solle auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrates Ende Januar beschlossen werden, berichtete die Zeitung. Mit einer Fertigstellung rechnet die Bahn demnach bis Ende 2024. Ursprünglich sollte das Projekt 2023 fertig sein.

Ein Bahnsprecher bestätigte die Existenz eines externen Gutachtens im Auftrag des Bahnvorstands und des Prüfungsausschusses. Die Ergebnisse sollten bei der Aufsichtsratssitzung am 13. Dezember besprochen werden. "Dem können wir nicht vorgreifen", sagte der Sprecher. Auch im Bundesverkehrsministerium hieß es, derlei Fragen seien Sache des Aufsichtsrats und könnten nicht kommentiert werden.

Der Fahrgastverband Pro Bahn befürchtet indes negative Folgen für die Kunden. "Durch die fatalen Mehrkosten fehlt das Geld an anderer Stelle, beispielsweise für den dringenden Ausbau so mancher regionaler Strecke", sagte Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Neumann der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Donnerstag. Als ein Beispiel nannte er den Streckenabschnitt zwischen Münster und Lünen in Westfalen.

"Für ein von der Politik vorangetriebenes Prestigeobjekt muss die Bahn nun damit klarkommen, ihre Fahrgäste nicht so gut bedienen zu können, wie es wünschenswert wäre", kritisierte Neumann. Gleichwohl sei eine Kostensteigerung "absehbar" gewesen. "Das Projekt war von Anfang an auf Kante genäht", sagte der Pro-Bahn-Sprecher der Zeitung. Es sei nun höchste Zeit, alle Zahlen auf den Tisch zu legen.

Linken-Fraktionsvize Gesine Lötzsch kritisierte, der ganze Vorgang sei "besonders ärgerlich", weil gleichzeitig der Bahn das Geld fehle, um ihren Versorgungsauftrag zu erfüllen. Immer mehr deutsche Städte würden von der Bahn "aus angeblich finanziellen Gründen abgehängt oder unterversorgt". Deutschland bestehe aber "nicht nur aus Berlin, München, Frankfurt und Hamburg", erklärte die Linken-Politikerin. Die Bahn müsse von der Bundesregierung "endlich wieder in soziale Verantwortung genommen werden".

"Diese Kostensteigerung war leider erwartbar", erklärte der Grünen-Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler. "Und es wird nicht die letzte sein", fügte er hinzu. Auch die 7,6 Milliarden seien "höchstwahrscheinlich erneut zu niedrig angesetzt, das dicke Ende wird noch kommen". Er erwarte nun eine "sehr schnelle und umfassende Information des Parlaments über die Kostensteigerungen".

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist eines der umstrittensten Bauprojekte Deutschlands. Vor Jahren hatte der Bau zu Massenprotesten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt geführt. Nachdem sich bei einer Volksabstimmung aber eine Mehrheit für das Projekt ausgesprochen hatte, wurde es ruhiger.