Tränen bei Hollywoodstar Kruger und viele politische Statements

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"Hartmanns"-Team macht Selfie

Tränen von Hollywood-Diva Diane Kruger, der scheidende Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht Deutschland als "Sehnsuchtsort" und Anerkennung vom Altbundespräsidenten Joachim Gauck für eine Kinderkrankenschwester: Bei der 69. Bambi-Verleihung am Donnerstagabend wechselten sich in Berlin Glamour und ernste Töne. Unter den zu ehrenden Künstlern konnten sich Schauspieler Heino Ferch und Schauspielerin Alicia von Rittberg durchsetzen, beim Film war es die Flüchtlingskommödie "Willkommen bei den Hartmanns".

Besonders emotional geriet der Auftritt des deutschen Hollywoodstars Diane Kruger mit Regisseur Fatih Akin. Die beiden erhielten den Preis für ihr für den Oscar nominiertes Drama "Aus dem Nichts".

Kruger, die darin erstmals in einem deutschen Film spielt, brach während ihrer Dankesrede in Tränen aus. Sie widme den Preis "zwei Menschen, mit denen ich gern noch ein paar Sekunden gehabt hätte: mein Stiefvater und meine Oma." Akin nutzte seinen Dank für die Auszeichnung für den an die NSU-Terrorserie angelehnten Film für ein Statement: "Rassismus ist Scheiße".

Ein großer Teil der Bambipreisträger stand im Vorfeld fest, in mehreren künstlerischen Rubriken gab es mehrere Bewerber. Bei den männlichen Schauspielern konnte sich Heino Ferch mit seinen Rollen in "Allmen" und "Spuren des Bösen" gegen Jannis Niewöhner und Kostja Ullmann durchsetzen. Bei den Frauen rührte von Rittberg ihr Erfolg als beste Schauspielerin für "Charité" zu Tränen; sie setzte sich gegen Emilia Schüle und Julia Koschitz durch.

Die Flüchtlingskomödie "Willkommen bei den Hartmanns" wurde als bester Film ausgezeichnet. Regisseur Simon Verhoeven sagte in seiner Dankesrede, eigentlich habe er bei dem Film keine Botschaft im Sinn gehabt. Doch die Botschaft sei, dass die Deutschen wie die Familie im Film versuchen sollten, beim Thema Flüchtlinge zuzuhören und irgendwie die Mitte zu finden.

Als weiteren Preis mit mehreren Bewerbern gewann Kai Pflaume die Publikumswahl für den besten Moderator - er konnte sich gegen Johannes B. Kerner, Elton und Frank Buschmann durchsetzen.

Die Bambis werden seit 1948 verliehen, sie zählen zu den bekanntesten Medienpreisen in Deutschland und werden vom Burda-Verlag verliehen. An der in vielen Phasen langatmigen Gala nahmen Stars aus dem In- und Ausland teil. Hollywoodstar Hugh Jackman, Sänger Tom Jones und Sam Smith sowie Ex-Super-Model Claudia Schiffer reihten sich unter die Preisträger ein.

Einen Bambi für sein Engagement beim Klimaschutz erhielt der frühere Gouverneur von Kalifornien und Schauspieler Arnold Schwarzenegger. Unter den vielen Dingen, die er im Leben gemacht habe, sei er am stolzesten auf seinen Einsatz für die Umwelt, sagte der 70-Jährige.

Bereits vor der Verleihung war bekannt gegeben worden, dass der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei einen Bambi in der Kategorie Mut bekommt. Als Laudator ging Bundesaußenminister Gabriel auf die Flüchtlingskrise ein, mit der sich Ai Weiwei auch künstlerisch auseinandersetzt. Es sei doch eine "wunderbare Entwicklung", dass Deutschland heute "Sehnsuchtsort" für viele Menschen sei und nicht mehr ein furchtbarer Ort, vor dem sich viele Menschen fürchten, sagte Gabriel.

Altbundespräsident Joachim Gauck, der den selten vergebenen Millennium-Bambi erhielt, zeigte sich besonders bewegt von der zuvor in der Kategorie "Stille Helden" geehrten Krankenschwester Waltraud Hubert. Diese begleitet Kinder mit der seltenen Erbkrankheit Kinderdemenz. Dass sich Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich engagierten, mache Deutschland schön, sagte Gauck.