Bahn-Streik sorgt den zweiten Tag in Folge für Verkehrschaos in Paris

Bahnreisende in Frankreich müssen weiter mit massiven Einschränkungen rechnen: Am zweiten Streiktag verkehrte nur jeder siebte Hochgeschwindigkeitszug (TGV) und jeder fünfte Regionalzug. Die Regierung sprach von "schwierigen Tagen" für Pendler

Der Druck auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wächst: Am zweiten Tag des Bahn-Streiks in Frankreich haben sich auch die Proteste von Studenten gegen umstrittene Hochschulreformen ausgeweitet. Bei der staatlichen Bahngesellschaft SNCF verkehrte am Mittwoch nur jeder siebte Hochgeschwindigkeitszug (TGV) und jeder fünfte Regionalzug, wie das Unternehmen mitteilte. Derweil erteilte ein Regierungssprecher möglichen Zugeständnissen an die Streikenden eine Absgae und betonte, die Reformen würden "bis zum bitteren Ende" fortgesetzt.

Im Großraum Paris bildeten sich laut dem Verkehrsdienst Sytadin Staus von insgesamt 350 Kilometern Länge. Das ist doppelt so viel wie gewöhnlich. Pendler waren aufgerufen, Mitfahrgelegenheiten zu nutzen.

Nach Angaben der SNCF ließ die Mobilisierung am zweiten Streiktag leicht nach. 29,7 Prozent der Mitarbeiter hätten sich an dem Ausstand beteiligt, tags zuvor seien es noch 33,9 Prozent gewesen. Allerdings hatten die Gewerkschaften bereits am Dienstag von mindestens 60 Prozent Beteiligung gesprochen. Der Streik bei der Staatsbahn soll nach dem Willen der Gewerkschaften bis zum 28. Juni weitergehen.

In Marseille demonstrierten mehrere hundert Menschen für den öffentlichen Dienst. Unter den Teilnehmern waren ehemalige Hafenarbeiter, Postangestellte und Studenten.

Frankreichs Ministerpräsident Edouard Philippe sprach von "schwierigen Tagen" für die Pendler. Philippe musste wegen der Streikwelle eine geplante Reise nach Mali absagen.

Der Chef der Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich), Jean-Luc Mélenchon, sprach vom "Auftakt eines sozialen Kräftemessens wie es das Land nur selten erlebt hat". Die Bahngewerkschaften wollen bis Ende Juni im Schnitt an drei von fünf Werktagen zum Streik aufrufen.

Macron hat eine Bahnreform angekündigt, mit der er den Personenverkehr ab 2020 wie von der EU beschlossen für den Wettbewerb öffnen will. Die Gewerkschaften protestieren vor allem gegen die geplante Abschaffung des beamtenähnlichen Status der Bahnbeschäftigten.

Am Donnerstag ist ein Treffen der Regierung mit den Arbeitnehmervertretern geplant, dann wird der Arbeitskampf vorübergehend ausgesetzt. Von Samstagabend bis Dienstagfrüh sollen nach Angaben der Gewerkschaften aber erneut viele Züge zum Stillstand kommen.

Unterdessen weitete sich die Protestbewegung von Studenten gegen die von der Regierung geplanten strengeren Zugangsbeschränkungen für Frankreichs überfüllte Hochschulen aus. Universitäten in Paris, Bordeaux und Nantes werden schon länger von Aktivisten besetzt, seit Wochen fallen deshalb Vorlesungen aus.

Zwei Universitäten in Montpellier und Toulouse wurden wegen der Proteste ganz geschlossen. Nun schlossen sich eine weitere Fakultät einer Pariser Hochschule und eine Universität in Lyon den Protesten an.

Darüber hinaus riefen die Gewerkschaften bei der Fluggesellschaft Air France nach gescheiterten Lohnverhandlungen mit der Konzernspitze zu vier zusätzlichen Streiktagen auf. Bereits am Dienstag hatten Air-France-Mitarbeiter gestreikt. Der nächste Ausstand ist für den 7. April angekündigt.