Rekordzahl von Fahrgästen fährt mit der Bahn

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Die Bahn erweitert ihr Portfolio

Ein fahrerloser Elektrobus von der Haustür zum Bahnhof: Das ist die Zukunftsvision, die die Deutsche Bahn mit ihrer neuen Marke "ioki" verknüpft. In diesem Monat soll die erste fahrerlose Buslinie im bayerischen Bad Birnbach starten

Immer mehr Menschen nehmen immer öfter die Bahn: Allein im Fernverkehr zählte die Deutsche Bahn im ersten Halbjahr mehr als 68 Millionen Reisende, ein neuer Rekord. Das wirkte sich "ausgesprochen positiv" auf Umsatz und Gewinn aus, wie Bahn-Chef Richard Lutz sagte. Der Gewinn stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 um fast 30 Prozent auf knapp 780 Millionen Euro, der Umsatz um mehr als fünf Prozent auf rund 21 Milliarden Euro.

"Die Zahlen des ersten Halbjahres zeigen: Unser Kurs stimmt", sagte Lutz am Mittwoch in Berlin. Das seit Ende 2015 laufende Programm "Zukunft Bahn" sorge für bessere Qualität, "die unsere Kunden honorieren".

Das Programm hatte Lutz' Vorgänger Rüdiger Grube aufgelegt. Ziele sind sauberere und pünktlichere Züge, Internet in der zweiten Klasse oder schnellere Reparaturen von defekten Aufzügen, Bahnhofsuhren und Rolltreppen. Viele Fahrgäste locken auch die Spartickets der Bahn.

Im ersten Halbjahr erreichte die Bahn im Fernverkehr eine durchschnittliche Pünktlichkeit von 81 Prozent der Züge - das ist auch das angestrebte Jahresziel, wie Lutz sagte. Im Regionalverkehr lag die Pünktlichkeit bei 93,2 Prozent.

Für Verspätungen von Zügen sorgten im ersten Halbjahr vor allem die Serie von Brandanschlägen knapp drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg und das Sturmtief "Paul" Ende Juni. Das seien Ereignisse, "die wir nicht beeinflussen können", betonte Lutz. Dennoch: Pünktliche Züge und zuverlässige Anschlüsse seien die wichtigsten Faktoren für die Zufriedenheit der Kunden. "Daher arbeiten wir mit Hochdruck daran, hier besser zu werden."

Als Beispiel nannte der Bahn-Chef das neue Lagezentrum Bau, das seit dem 1. Juli arbeitet: Dort laufen alle Baumaßnahmen der Bahn zusammen, um sie besser zu steuern. Auch Wettbewerber der Bahn würden profitieren.

Sogenannte PlanStart-Teams sollen seit Anfang 2016 an zehn großen Knotenbahnhöfen dafür sorgen, dass Züge ihren Startbahnhof pünktlich verlassen. Die Anzahl der pünktlichen Abfahrten sei dort seitdem von 60 auf 83 Prozent gestiegen - deshalb soll es diese Teams bald an weiteren Bahnhöfen geben.

Optimistisch stimmt den Bahn-Chef auch die Entwicklung des Sorgenkindes, der Gütersparte. Erstmals seit fünf Jahren verzeichne der Konzern hier ein "leichtes Wachstum" im Kernmarkt Deutschland. Der zuständige Vorstand Berthold Huber kündigte an, die Bahn wolle über die bisherigen Planungen hinaus noch in diesem Jahr 60 neue Güterlokomotiven und 2018 rund 1000 neue Waggons anschaffen sowie neue Mitarbeiter einstellen. In den kommenden fünf Jahren sollen es insgesamt 100 neue Loks und 4000 neue Waggons sein.

Das Investitionsvolumen allein für die Loks bezifferte Huber mit 250 Millionen Euro, die gesamte Investition über fünf Jahre auf rund eine Milliarde Euro. Die Gütersparte macht 70 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland.

Die Zahlen von Januar bis Juni sind nach Ansicht der Bahn so gut, dass sie ihre Prognose für das Gesamtjahr 2017 anhob. Beim Umsatz erwartet sie eine Steigerung um fünf Prozent auf 42,5 Milliarden Euro, beim Gewinn vor Steuern und Zinsen ein Plus von sogar 13 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. 2016 hatte die Bahn knapp 1,95 Milliarden Euro vor Steuern und Zinsen erzielt. Nach Steuern waren es 716 Millionen Euro.