Deutsche Bahn gelobt Besserung bei Qualität und Pünktlichkeit

ICE auf der Schnellstrecke München - Berlin

Neuer Fahrgastrekord, mehr Umsatz, mehr Gewinn: Gemessen an den neuen Konzernzahlen für das Jahr 2017 läuft es bei der Deutschen Bahn gut. "Die erfreulichen Zahlen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir bei Qualität und Pünktlichkeit nachlegen müssen", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bahn, Richard Lutz, am Donnerstag in Berlin. Denn diese Werte kommen nicht an die selbstgesteckten Ziele heran.

Auf ganz Europa gesehen stieg die Fahrgastzahl um 5,3 Prozent auf 4,7 Milliarden. Die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr nahm um 3,2 Millionen auf 142 Millionen zu. Den am Donnerstag vorgestellten Bilanzzahlen zufolge stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um 5,2 Prozent auf 42,7 Milliarden Euro. Der Gewinn legte um 6,8 Prozent auf 765 Millionen Euro zu. Beide Kennzahlen sollen dieses Jahr ähnlich weiterwachsen.

Abzüge gibt es bei der Pünktlichkeit: Im Fernverkehr erreichte die Bahn eine Pünktlichkeit von 78,5 Prozent im Schnitt - angepeilt waren aber 82 Prozent. Den Regionalverkehr hinzugenommen kamen nach Definition der Bahn im vergangenen Jahr 93,9 Prozent der Züge pünktlich. Das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Als pünktlich gilt ein Zug, der weniger als sechs Minuten Verspätung hat.

"Knausern beim Grünschnitt führt zu Totalausfall bei Sturm", kritisierte Bernhard Knierim, Sprecher des Bündnisses "Bahn für Alle". Er warf dem Staatskonzern schwere Mängel im Kerngeschäft auf der Schiene und Verantwortungslosigkeit an der Spitze vor. So kritisierte er, dass die politischen Vertreter im Aufsichtsrat Anfang 2017 der Vertragsauflösung des Ex-Bahnchefs Rüdiger Grube zustimmten. Er hatte dafür 2,3 Millionen Euro Abfindung bekommen.

Die Zahl der politischen Vertreter im Aufsichtsrat soll nach Plänen der Großen Koalition sogar ausgeweitet werden. Dazu erklärte der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Anton Hofreiter: "Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie die Bahn nicht nur als Jobbörse für ihre Parteifreunde nutzt, sondern sich in die Konzernpolitik einmischt." Laut Koalitionsvertrag soll die Bahn bis 2030 ihre Kundenzahl verdoppeln und mehr Güterverkehr auf die Schiene bringen. Es stehe ausdrücklich nicht die Maximierung der Gewinne im Vordergrund.

Stark zum jüngsten Wachstum beigetragen hat die Logistiktochter Schenker, deren Umsatz um 8,6 Prozent zunahm. Der Güterverkehr auf der Schiene schwächelte hingegen weiter. DB Cargo transportierte gut zwei Prozent weniger Güter als im Vorjahr.

Philipp Kosk vom ökologischen Verkehrsclub VCD erklärte dazu: "Der gesamte Schienengüterverkehr steckt in einer Krise". Hohe Stromkosten und Trassenpreise machten ihn teuer, während Diesel vom Staat subventioniert wird. "So wird es nichts mit der Verkehrsverlagerung." Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) müsse als Sofortmaßnahme die Trassenpreise halbieren.