Bafin prüft Asbecks Aktiendeals

Mitte August verkaufte Frank Asbeck Anteile an der insolventen Solarworld AG. Zwei Tage später wird ein negatives Gerichtsurteil publik. Verletzte der Solarworld-Chef Insiderpflichten? Die Finanzaufsicht prüft das jetzt.


Am 14. und 15. August veräußerte Solarworld-Chef Frank Asbeck große Teile seines Aktienpakets an der insolventen Aktiengesellschaft. Der Wert der Transaktionen: rund 1,3 Millionen Euro. Das Brisante dabei: Der Gründer von Europas einst größtem Photovoltaikkonzern verkaufte die Aktien, just kurz bevor ein negatives Gerichtsurteil gegen Solarworld in den USA publik wurde.

Am 16. August verurteile ein US-Gericht eine Solarworld-Tochter in zweiter Instanz dazu, fast 800 Millionen Dollar Schadensersatz wegen gebrochener Vereinbarungen an den amerikanischen Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor zu zahlen. Nach Informationen des Handelsblatts prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) nun, ob Asbeck sich bei seinen Aktiendeals möglicherweise durch sein Insiderwissen als Solarworld-Vorstand einen Vorteil gegenüber anderen Aktionären verschafft haben könnte.

„Wir schauen uns den Vorgang routinemäßig an“, bestätigte eine Bafin-Sprecherin dem Handelsblatt. Ein Insider weiß von nicht-öffentlich bekannten Umständen rund um börsennotierte Unternehmen, die sich erheblich auf den Aktienpreis auswirken können. Nutzt er seine Insiderkenntnisse, indem er Wertpapiere kauft oder verkauft, macht er sich strafbar. „Es ist die Aufgabe der Bafin, ordnungsgemäß gemeldete Directors' Dealings zu prüfen“, erklärte ein Sprecher von Asbeck.


Solarworld musste Mitte Mai nach sechs verlustreichen Jahren in Folge Insolvenz anmelden. Im August kaufte Asbeck mit Geld aus Katar die beiden deutschen Fabriken der Firma aus der Insolvenzmasse und produziert nun unabhängig von der Solarworld AG mit einer neuen Gesellschaft wieder Solarmodule. Ein entlastender Punkt bei der Bafin-Prüfung könnte für Asbeck sein, dass der Insolvenzverwalter von Solarworld bereits Anfang August erklärt hat, dass die Aktionäre auch nach der Veräußerung von Assets völlig leer ausgehen dürften. Das heißt: Die Aktien von Solarworld sind eigentlich nur noch ein Spekulationsobjekt.

Der Rechtsstreit von Solarworld mit Hemlock zieht sich schon über Jahre. Im Kern geht es dabei um Lieferverträge für große Mengen von Silizium, das als Basisrohstoff für die Herstellung von Solarmodulen genutzt wird. Asbeck hält das ganze Gerichtsverfahren seit jeher für eine Farce. Aus seiner Sicht sind die Verträge mit Hemlock nichtig, da sie gegen europäisches Kartellrecht verstoßen würden. Nach der Rechtsauffassung von Asbeck und Solarworld dürfte Hemlock daher in Europa kein Vollstreckungstitel gewährt werden.