Greensill Bank insolvent, Bafin ordnet Einleger-Entschädigung an

Stephan Kahl, Nicholas Comfort und Steven Arons
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Die Greensill Bank AG ist insolvent. Zwei von deutschen Banken gespeiste Fonds müssen nun offenbar rund 3 Milliarden Euro an die Kunden des Kreditinstituts auszahlen, das in dem ebenfalls insolventen Finanzkonglomerat Greensill Capital eine wichtige Rolle spielte.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin ordnete die Entschädigung von Kunden am Dienstag an, nachdem zuvor auf ihren Antrag hin das Amtsgericht Bremen das Insolvenzverfahren eröffnet hatte. Die Bafin hatte die Bank bereits vor knaop zwei Wochen geschlossen und ihre Mittel eingefroren, nachdem der Mutterkonzern ins Straucheln geraten war.

Die Entschädigung ist Sache der Einlagensicherung der privaten Banken in Deutschland. Der Fall dürfte der größte dieser Art seit dem Zusammenbruch der Maple Bank GmbH vor fünf Jahren werden. Auf Zahlungen dürfen unter anderem private Anleger hoffen, während das beispielsweise für einige institutionelle Investoren wie Städte nicht gilt. Gebietskörperschaften sind explizit von Entschädigungen ausgenommen.

Die Greensill Bank hat laut informierten Kreisen rund 3 Milliarden Euro an versicherten Einlagen. Bei der Maple Bank vor fünf Jahren ging es um 2,6 Milliarden Euro. Hinzu kommen allerdings 500 Millionen Euro, die von der Einlagensicherung der Bankenbranche nicht abgedeckt sind. Inzwischen haben sich 26 Städte zusammengetan um ihre Interessen gemeinsam zu vertreten.

Als Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Michael Frege von der Kanzlei CMS bestimmt. Frege, der ältere Bruder des als Campino bekannten Frontmanns der Band Die Toten Hosen, hat Erfahrung mit Bankeninsolvenzen: Er verwaltete bereits die deutsche Tocher von Lehman Brothers und die Maple Bank.

Banken müssen Loch füllen

Die Einlagensicherung der privaten Banken besteht aus zwei Teilen, die beide aus Beiträgen der Mitgliedsbanken gespeist werden. Die größten Einzahler sind Deutsche Bank AG und Commerzbank AG. Den Banken werden durch die Wiederauffüllung der Fonds zusätzliche Kosten entstehen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Allerdings sei es noch zu früh, zur Höhe etwas auszusagen.

Die gesetzliche Entschädigungseinrichtung wird den Kreisen zufolge etwa 1 Milliarde Euro an Greensill-Kunden auszahlen müssen und muss bis 2024 wieder aufgefüllt werden. Sie kommt für Einlagen von Privat- und Firmenkunden bis zu einer Grenze von 100.000 Euro auf. Ausgenommen sind Einlagen von Finanzinstitutionen sowie Einlagen der öffentlichen Hand.Der freiwillige Einlagensicherungsfonds wird 2 Milliarden Euro auszahlen müssen, kann dies allerdings länger zeitlich strecken. Er deckt Einlagen ab, die über 100.000 Euro hinausgehen. Im Fall der Greensill Bank beträgt die Obergrenze 75 Millionen Euro. Geschützt werden Guthaben von Privatpersonen, Stiftungen sowie - mit gewissen Einschränkungen - die Einlagen von Wirtschaftsunternehmen und anderen Gläubigern. Generell nicht abgedeckt werden auch hier Einlagen von Finanzinstitutionen und Gebietskörperschaften.Praktisch abgewickelt werden die Auszahlungen beider durch den Einlagensicherungsfonds.

Die Bafin hatte in einer forensischen Sonderprüfung der Greensill Bank festgestellt, dass das Institut nicht in der Lage ist, den Nachweis über die Existenz von einigen bilanzierten Forderungen zu erbringen. Die Behörde ordnete daraufhin ein Moratorium an, um die Vermögenswerte zu sichern.

(Wiederholung vom Dienstag.)

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