Baden-Württemberg hat die meisten Schnellladesäulen

Schnellladesäulen gelten als wichtiger Faktor für den Durchbruch von Elektroautos auf dem Massenmarkt. Eine Bestandsaufnahme zeigt, dass Süddeutschland besser da steht ist als der Rest des Landes – mit großem Abstand.

In Deutschland gibt es derzeit 1274 öffentlich zugängliche Schnellladesäulen für Elektroautos, die meisten davon stehen in Baden-Württemberg. Das ergab die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Das süddeutsche Bundesland hat derzeit insgesamt 263 öffentlich zugängliche Schnelllade-Stationen. Bayern folgt auf Platz zwei mit 256 Schnellladesäulen.

Andere Bundesländer folgen erst mit großem Abstand. Niedersachsen kommt als Drittplatzierter auf 141 Stationen. Die Schlusslichter sind das Saarland (sechs) und Bremen (zwei). „Deutschland steht beim Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos weiter auf dem Seitenstreifen, während andere europäische Länder auf der Überholspur davonziehen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen Stephan Kühn der WirtschaftsWoche. „Deutschland will Leitmarkt für Elektromobilität werden. Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander.“

Über Schnellladesäulen lassen sich E-Autos in etwa einer halben bis eine Stunde aufladen. Normale Ladesäulen brauchen für den Ladevorgang deutlich länger. Vergleicht man die öffentlich zugänglichen Normalladesäulen miteinander, schneidet Bayern am besten ab. Das Bundesland hat neben den Schnellladesäulen weitere 1837 Normalladesäulen. Nordrhein-Westfalen kommt auf 1584 Stationen, Baden-Württemberg auf 867.




Inzwischen investieren auch die Länder vermehrt in die Förderung von Ladesäulen. Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt hat vor wenigen Tagen ein Ladeinfrastrukturkonzept beschlossen, dass den Aufbau von 1100 zusätzlichen Ladesäulen vorsieht. Ziel sei es, dass von überall innerhalb einer Viertelstunde Fahrzeit ein öffentlich zugänglicher Ladepunkt erreicht werden kann, so Landesverkehrsminister Thomas Webel. Dazu soll alle 30 Kilometer ein entsprechender Ladepunkt vorhanden sein. Anders macht es Bayern: Am Donnerstag startete Wirtschaftsministerin Ilse Aigner einen erneuten Förderaufruf zum Ausbau der Ladeinfrastruktur. Das Land übernimmt neben der Errichtung der Ladesäule den Netzanschluss und die Montage – also rund 40 Prozent der Gesamtkosten, die beim Aufbau einer öffentlichen Ladesäule anfallen. Die Förderung ist allerdings auf die Städte Augsburg, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg begrenzt – laut Aigner die Städte in Bayern mit besonderer Stickstoffdioxidbelastung.

Doch nicht jeder E-Autofahrer hat zwingend etwas von der steigenden Zahl an Ladesäulen, denn ohne den richtigen fahrzeugseitigen Anschluss ist das Laden des Akkus nicht möglich. Vier Standards konkurrieren zurzeit auf dem Markt. In Deutschland dürfte man mit der CCS-Buchse am E-Auto die größten Chancen haben, einen passenden Schnellladestecker zu finden. Die heimischen Hersteller haben sich geschlossen diesem Standard verschrieben. Und auch die Ladesäulenverordnung sieht vor, dass in Deutschland alle neuen öffentlichen Schnellladesäulen mit mehr als 22 kW Leistung über einen CCS-Stecker verfügen. Andere Anschlüsse sind hierzulande freiwillig, wie etwa der weltweit wichtigste Konkurrenz-Standard: Chademo. Entwickelt wurde er unter anderem von Nissan und Mitsubishi, die auch in Deutschland auf diese Technik setzen. Weltweit gesehen ist rund jede dritte Schnellladestation mit Chademo-Steckern ausgerüstet, in Deutschland sind es allerdings nur ein Bruchteil.