Bad Bank will nach Depfa-Deal mehr komplexe Assets abbauen

Stephan Kahl
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Nach dem Verkauf der Depfa Bank Plc will die Münchener Bad Bank FMS Wertmanagement ihr Portfolio vereinfachen und komplexere Assets abbauen. Die Pandemie hat Verkäufe allerdings schwieriger gemacht, wie Vorstandssprecher Christoph Müller in einem Bloomberg-Interview sagte. Einige Assets stünden angesichts der Coronakrise unter genauer Beobachtung.

“Wegen der Pandemie und den Marktverwerfungen ist es uns zuletzt schwerer gefallen, das FMS-WM-Portfolio abzubauen”, sagte er. “Aber es gibt keine riesigen Verzögerungen und nichts, was wir nicht wieder aufholen können.”

Während die FMS einen Großteil der Gewerbeimmobilien-Kredite bereits vor der Coronakrise abgebaut hatte und damit hier keine negativen Folgen aus der Pandemie zu erwarten sind, kümmerte sie sich Ende 2019 noch immer um ein Infrastruktur-Portfolio mit einem Nominalwert von knapp 10 Milliarden Euro.

“In der Infrastruktur-Finanzierung monitoren wir sehr eng, wie sich ein möglicher Wirtschaftseinbruch auf der Einnahmenseite auswirkt, wie zum Beispiel bei Mautstraßen oder Flughäfen”, sagte Müller. “Wir wägen immer ab, ob es mehr Sinn macht, jetzt zu verkaufen oder zu halten.”

176 Milliarden Euro Portfolio

Die FMS ist 2010 als bundeseigene Abwicklungsanstalt für die verstaatlichte Hypo Real Estate Holding AG entstanden, die in der Finanzkrise in Schieflage geraten war. Es wurden Positionen im Nominalwert von 175,7 Milliarden Euro mit dem Ziel übertragen, das Portfolio “wertschonend” abzubauen. Später übernahm die FMS auch die Tochter Depfa vollständig zur Abwicklung. Ende 2019 standen noch knapp 70 Milliarden Euro in den Büchern.

Laut Müller hat es sich auch bei der Depfa bezahlt gemacht, zu warten, und diese nicht schon - wie ursprünglich geplant - 2014 zu privatisieren. Zwar wurde beim Verkauf in dieser Woche kein Preis genannt, doch auch unabhängig davon gebe es Erlöse von rund 1 Milliarde Euro aus der Depfa-Abwicklung:

377 Millionen Euro aus Hybridkapital-Transaktionen150 Millionen Euro aus von der Depfa an die FMS gezahlte Dividenden200 Millionen Euro aus von der Depfa an die FMS übertragene Assets, wobei dieser Betrag um bis zu weitere 250 Millionen Euro ansteigen werde.

Den Zuschlag für die Depfa hat die österreichische Bawag Group AG erhalten. Die frühere Gewerkschaftsbank hatte seit ihrem Börsengang 2017 stets nach Übernahmezielen Ausschau gehalten, angesichts fehlender Opportunitäten jedoch bereits angefangen, Kapital an ihre Aktionäre auszuzahlen. “Es gab breites Interesse an der Depfa”, erklärte Müller. “Wir haben nicht nur mit einem Bieter verhandelt.”

Bewirtschaftung über Dritten

Müllers Ziel ist es, die Vereinfachung des verbliebenen FMS-Portfolios bis zum Jahr 2025 zu erreichen. Unterm Strich solle dann eine schlankere Bewirtschaftung der Assets möglich sein. “Das können wir dann weiter intern machen oder aber auch die Bewirtschaftung an einen Dritten abzugeben”, sagte Müller.

Nicht spekulieren wollte er zu der Frage, ob auf die FMS als Bad Bank neue Aufgaben zukommen könnten angesichts der Coronakrise und möglicher Kreditausfallbelastungen deutscher Banken. “Wir machen uns keine Gedanken dazu, ob wir neue Portfolien aufnehmen”, erklärte er.

Ob eine externe Bad Bank das richtige Setup für den Abbau von Problemportfolien ist, lasse sich pauschal nicht sagen. “Manchmal kann auch ein interner Abbau der richtige Weg sein”, so Müller. Für einen solchen Weg hatten sich zuletzt unter anderem die Deutsche Bank AG und die NordLB entschieden.

(Ergänzt um Hintergrund zu Bawag im viertletzten Absatz.)

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