B-Elf siegt beim VfL Wolfsburg: Bayern München schont sich für Besiktas in Form

Jupp Heynckes scheint zu wissen, wie man Geld gewinnbringend anlegt. Rund 278 Millionen Euro schaffte der Trainer von Rekordmeister Bayern München in weiser Voraussicht auf die Bank. Genauer: Auf die Ersatzbank. Seine gesamte Stammviererkette, Torjäger Robert Lewandowski und Kapitän Thomas Müller ließ der 72-Jährige beim 2:1 (0:1) beim VfL Wolfsburg zunächst draußen. Ob sich die Maßnahme rentiert, wird am Dienstag das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Besiktas Istanbul (20.45 Uhr im LIVETICKER) zeigen.

"Es ist zu diesem Zeitpunkt natürlich immer ein gewisses Risiko, auf so vielen Positionen zu wechseln", sagte Heynckes. Insgesamt achtmal hatte der Bayern-Coach im Vergleich zur Vorwoche gewechselt. Doch neben dem offensichtlichen Grund für die Personalrochade - Schonung für das weit wichtigere Duell mit Besiktas - hatte Heynckes auch noch einen ganz anderen Aspekt im Hinterkopf.

Müller: "Sehr viele sehr, sehr gute Spieler" müssen draußen bleiben

"Das sind alles Nationalspieler", sagte Heynckes mit Verweis auf Profis wie Sebastian Rudy, Sandro Wagner oder den genesenen Thiago: "Denen wollte ich Einsatzzeiten geben. Damit sie das Gefühl haben, dass sie dazugehören." Der kräftezehrende Drei-Tage-Rhythmus ist ja ohnehin Usus bei den Bayern. "Normalerweise können die Spieler das ab. Da ist auch am Dienstag wieder egal, wer spielt", sagte Heynckes. 

Fürwahr ist die Konkurrenzsituation in München enorm. James und Kingsley Coman blieben am Samstag wie der gelbgesperrte Arturo Vidal ganz in der bayerischen Landeshauptstadt. "Wenn alle fit sind, dann haben wir natürlich sehr viele sehr, sehr gute Spieler, die nicht in der ersten Elf stehen können", sagte Müller. 

Bei physisch starken Wolfsburgern brauchten die Bayern nach dem Gegentor von Daniel Didavi (8.) bis zur zweiten Halbzeit, um in Betriebstemperatur zu kommen. Erst dann lief der gewohnte Kombinationsfußball, der sie trotz des verschossenen Foulelfmeters von Arjen Robben (55.) am Ende noch die Begegnung drehen ließ.

Juan Bernat Sandro Wagner Franck Ribery Bayern Munich

"Dieser Wille, Spiele gewinnen zu wollen, obwohl es vorne vermeintlich nicht mehr wirklich spannend wird, das macht einfach Spaß. Die Mannschaft ist einfach geil", sagte Müller nach dem Ausgleich von Wagner (64.) und Lewandowskis Last-Minute-Siegtor (90.+1, Foulelfmeter), die noch zum 13. Pflichtspielsieg in Folge führten.

Respekt vor Besiktas' klangvollen Namen

Doch klar bleibt auch: Die Wechselspiele sind nur bei einem Heimsieg gegen Istanbul ein lohnenswertes Investment gewesen. Vor dem Tabellenvierten der türkischen Süper Lig und dessen namhaften Offensiv-Ü30ern Ricardo Quaresma, Alvaro Negredo und Vagner Love ist beim FC Bayern durchaus Hochachtung zu spüren.

"Die haben ein paar Spieler drin, die sicherlich sehr talentiert sind", sagte Müller: "Deren Karriereweg vielleicht nicht 100 Prozent optimal gelaufen ist, aber die dann doch sehr viel Qualität mitbringen." Die beiden Siege in der Gruppenphase der Königsklasse gegen RB Leipzig haben bei Müller ebenfalls Eindruck hinterlassen. "Man hat schon gesehen, dass man sie auf keinen Fall unterschätzen darf."