Büroaffären, fragwürdiges Verhalten, Verbindungen zu Epstein: Bill Gates Image als sympathischer Nerd bröckelt

·Lesedauer: 6 Min.

Jahrzehntelang galt Bill Gates in der Öffentlichkeit als nerdiger, aber sympathischer Weltverbesserer. Im Gegensatz zu anderen Milliardären wie Tesla-CEO Elon Musk und Twitter-Chef Jack Dorsey wirkte Gates freundlich, bodenständig und wenig exzentrisch. Und Gates pflegte dieses Image. Er verpflichtete sich, die Hälfte seines Vermögens der philanthropischen Kampagne The Giving Pledge zu vermachen, und investierte über die Bill and Melinda Gates Foundation in das US-amerikanische Gesundheitswesen und den Klimawandel.

Doch im Zuge seiner bevorstehenden Scheidung von seiner Frau Melinda, mit der er 27 Jahre lang verheiratet war, kommen immer mehr wenig schmeichelhafte Details über den Microsoft-Gründer an die Öffentlichkeit. Laut Berichten der „New York Times“ und dem „Wall Street Journal“ soll es zu Annäherungsversuchen gegenüber Mitarbeiterinnen gekommen sein, Gates soll sich „ungeschickt“ und „fragwürdig“ verhalten haben. Auch soll er sich „herablassend“ gegenüber seiner Ehefrau geäußert haben und unverhältnismäßig „dominant“ in Meetings der Gates Foundation aufgetreten sein.

Ein „unangenehmer“ Arbeitsplatz

Melinda nahm 1987 einen Job als Marketingmanagerin bei Microsoft an. Sie und Bill lernten sich bei einem Essen auf einer Konferenz kennen. Er soll sofort in sie verliebt gewesen sein. Er nutzte die Verbindung seiner Mutter an der Duke University, um sich über Melindas Hintergrund zu informieren. Nachdem sie ihn zunächst wiederholt abblitzen ließ, willigte sie schließlich ein, mit ihm auszugehen. Sie verließ Microsoft im Jahr 1996, zwei Jahre nach ihrer Hochzeit, um sich auf die Familie zu konzentrieren.

Jahrelang empfanden viele die Ehe des Paares als romantische Liebesgeschichte. Doch dann kamen erste Gerüchte über Gates' Untreue und seine „abweisende“ Haltung gegenüber seiner Ehefrau auf. Das „Wall Street Journal“ enthüllte am Sonntag, dass der Vorstand von Microsoft im Jahr 2019 eine Untersuchung eingeleitet haben soll. Angeblich soll Gates im Jahr 2000 eine Affäre mit einer Mitarbeiterin gehabt haben – sechs Jahre nach der Hochzeit mit Melinda. Die Frau war eine Ingenieurin, die in der Firma arbeitete, berichtete das „Wall Street Journal“. In einem Brief, der die Untersuchung auslöste, gestand sie die Affäre mit Gates. „Microsoft erhielt in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 die Information, dass Bill Gates im Jahr 2000 eine intime Beziehung mit einer Mitarbeiterin des Unternehmens einging“, sagte ein Microsoft-Sprecher. „Ein Ausschuss des Vorstands prüfte die Angelegenheit mit der Hilfe einer externen Anwaltskanzlei. Während der gesamten Untersuchung hat Microsoft die Mitarbeiterin, die die Vorwürfe geäußert hat, umfassend unterstützt“, so der Sprecher.

Bericht: Bill Gates hatte in Vergangenheit Affäre mit Microsoft-Mitarbeiterin

Eine Sprecherin von Gates gab gegenüber dem „Wall Street Journal“ an, der Rücktritt von Gates aus dem Vorstand im Jahr 2020 hatte nichts mit der internen Untersuchung zu tun. „Es gab eine Affäre vor fast 20 Jahren, die freundschaftlich endete“, teile sie mit. Zum Grund seines Rücktritts aus dem Vorstand fügte sie hinzu, dass er „ein Interesse daran geäußert hatte, mehr Zeit in seine wohltätige Arbeit zu investieren, der er sich schon einige Jahre zuvor zunehmend widmete.“

Doch die Enthüllung dieser Affäre soll nicht Gates einziger Annäherungsversuch an Mitarbeiterinnen gewesen sein, wie die „New York Times“ berichtet. Gates habe häufiger versucht, mit Frauen anzubandeln, die für ihn arbeiteten. Mehrere Mitarbeiterinnen berichteten von zwei Fällen, in denen Gates ganz gezielt mit Frauen geflirtet haben soll. Die Annäherungsversuche sollen zwar nicht sehr aufdringlich gewesen sein, sie sollen aber für seltsame Stimmung am Arbeitsplatz gesorgt haben.

Einer dieser Vorfälle ereignete sich im Jahr 2006. Gates soll eine Microsoft-Mitarbeiterin per E-Mail aufgefordert haben, nach einer Präsentation mit ihm zu Abend zu essen. „Wenn Ihnen das unangenehm ist, tun Sie so, als sei es nie passiert“, soll Gates in der E-Mail geschrieben haben, die den Journalisten der „New York Times“ vorgelesen wurden. Einige Jahre später versuchte Gates mit einer Frau anzubandeln, die mit ihm auf einer Reise für die Gates Foundation unterwegs war. Damals habe sie über den Annäherungsversuch gelacht, erzählte sie anonym, allerdings habe es ihr ein unangenehmes Gefühl gegeben.

Es ist schwer zu sagen, inwieweit das Verhalten von Bill Gates eine nachsichtige Haltung gegenüber Fehlverhalten bei Microsoft geschaffen hat. Ein Artikel des US-Nachrichtenportals „Quartz“ enthüllte 2019 Geschichten von mehreren Frauen, die sexuelle Belästigung im Unternehmen erlebt hatten. Unter anderem soll es zu sexistischen Witzen von Mitarbeitern auf Dienstreisen gekommen sein, wie aus einem E-Mail-Verlauf hervorgeht, der auch CEO Satya Nadella und dem Leiter der Rechtsabteilung, Brad Smith, geschickt wurde. Eine Mitarbeiterin soll zudem während eines Meetings gebeten worden sein, auf dem Schoß eines Kollegen zu sitzen. „Diese Konversation hat den Schorf von einer eiternden Wunde gezogen. Die kollektive Wut und Frustration ist spürbar. Ein breites Publikum hört jetzt zu. Und wissen Sie was? Ich bin damit einverstanden“, schrieb ein Mitarbeiter im E-Mail-Verlauf, der von „Quartz“ verifiziert wurde.

Ein fragwürdiger Finanzmanager und Verbindungen zu Jeffrey Epstein

Anfang des Monats kam heraus, dass Melinda Gates die Scheidung wohl bereits 2019 in Betracht zog. Sie war verärgert, dass ihr Mann die geschäftliche Beziehung mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nicht beenden wollte. Gates traf Epstein zum ersten Mal im Jahr 2011, drei Jahre, nachdem sich Epstein schuldig bekannte, eine Minderjährige zur Prostitution aufgefordert zu haben. Er gestand damals auch, mit der Minderjährigen mehrmals Zeit in seinem Haus in Manhattan verbracht zu haben. Das empörte Melinda.

Nach dem Tod von Epstein räumte Bill Gates öffentlich ein, dass das Treffen mit ihm ein „Fehler“ war. In einer Erklärung aus dem Jahr 2019, die von der „Financial Times“ gesehen wurde, sagte Gates, er habe „Epsteins Ideen in Bezug auf Wohltätigkeit begrüßt.“ Er stellte jedoch fest, dass er Epstein mit seiner eigenen Berühmtheit „eine unverdiente Plattform“ gegeben habe.

Die „New York Times“ berichtete zudem, dass Gates Finanzmanager Michael Larson beschuldigt wurde, eine Frau sexuell belästigt zu haben. Die Frau arbeitete in einem Fahrradladen, der dem Finanzmanager teilweise gehörte. 2018 hätten Larson und die Frau die Angelegenheit beigelegt. Sie stimmte einer Geheimhaltungsvereinbarung für eine unbekannte Summe zu.

Melinda Gates wollte eine unabhängige Untersuchung in Bezug auf die Vorwürfe gegenüber den Finanzmanager ihres Gatten. Michael Larson leitet die Firma Cascade Investment, die das milliardenschwere Investment-Portfolio des Paares verwaltet, und das seit 30 Jahren. Bill Gates hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen gegenüber seines Finanzmanagers geäußert. Seine Pressesprecherin Bridgitt Arnold bestreitet die Vorwürfe. „Es ist enttäuschend, dass so viele Unwahrheiten über die Ursache, die Umstände und den Zeitrahmen von Bill Gates' Scheidung veröffentlicht wurden“, sagte sie der „New York Times“. „Die Gerüchte und Spekulationen rund um die Scheidung werden immer absurder. Es ist bedauerlich, dass Leute, die wenig bis gar kein Wissen über die Situation haben, als ‚Quellen‘ bezeichnet werden.“

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

Video: Prinz Harry und Oprah: Erster Doku-Trailer ist da

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.