Büro auf vier Rädern mit Aussicht: Ein junges Paar lebt und arbeitet in einem Van – so sieht deren Arbeitsalltag aus

Amelie Falke arbeitet als PR-Beraterin. - Copyright: Amelie Falke
Amelie Falke arbeitet als PR-Beraterin. - Copyright: Amelie Falke

Mit einem ausgebautem Van an der Küste stehen, vor dem ersten Teams-Call schnell ins Meer springen und nach getaner Arbeit durch südeuropäische Städte fahren, klingt nach einer schönen Vorstellung für das Arbeitsleben. Amelie Falke und Mathias Nösel wollen sich diesen Traum erfüllen – und konnten schon erste Erfahrungen sammeln.

Einen ausgebauten Transporter besitzt das Paar bereits. Denn schon vor einem Jahr nahmen sich die beiden eine einjährige Auszeit, gaben ihre Hamburger Mietwohnung auf und reisten mit einem selbst ausgebauten Citroën Jumper durch Italien, Spanien und Skandinavien. An Board haben sie alles, was man zum Leben braucht: Dusche, Toilette, Herd und Bett.

So ganz hat es mit der Auszeit aber nicht geklappt. "Ich habe schon versucht am Anfang nicht zu arbeiten, aber irgendwann wollte ich auch wieder etwas machen", sagt Mathias Nösel, selbstständiger Art Director, im Gespräch mit Business Insider. Der 35-Jährige nahm über das Jahr verteilt immer wieder Aufträge an, bewarb sich aber nicht initiativ.

Laufende Kosten von 1500 bis 2000 Euro pro Monat für jeden

Anders war es bei Falke: "Ich habe erstmal die Ruhe ausgenutzt." Davor arbeitete sie vier Jahre in einer PR-Agentur. "Dann kamen aber Anfang des Jahres Leute aus meinem Netzwerk auf mich zu und haben gefragt, was ich so mache. Es war ein schleichender Prozess." Am Ende der einjährigen Reise konnte das Paar immer wieder ausprobieren, wie es ist, während des Reisens zu arbeiten.

Amelie und Mathias haben für den Umbau ein Jahr benötigt. - Copyright: Amelie Falke
Amelie und Mathias haben für den Umbau ein Jahr benötigt. - Copyright: Amelie Falke

Ein großer Teil der Auszeit wurde aus Ersparnissen bezahlt – rund 1500 bis 2000 Euro zahlte jeder von ihnen für die Lebenshaltungskosten, Sprit und etwaige Stellplätze pro Monat. Jetzt wollen sie die kompletten Kosten mit ihren Gehältern auffangen. Die 28-Jährige ist optimistisch, dass das klappt.

Tatsächlich würden sie sogar weniger Stunden arbeiten als zu ihren Hamburger Zeiten, weil sie nur versuchen würden, die Kosten zu decken. "Es ist schon schön, morgens zwei Stunden zu arbeiten, dann nachmittags ein paar Stunden und sich im Zweifel abends nochmal hinzusetzen. Aber dieses klassische von Nine-to-five Arbeitsleben habe ich eher selten", sagt Falke.

Kunden fänden es im Grunde "total cool"

Doch wie läuft das gemeinsame Arbeiten in einem Van? In dem Transporter gibt es einen Esstisch, an dem, wenn man den Fahrersitz umdreht, zu zweit sitzen kann. Das sei zu zweit jedoch zu eng gewesen, weswegen sie auch nach einer Art Schreibtisch für den Beifahrersitz suchten. "Da gab es allerdings keine wirkliche Lösung. Wir haben uns dann eine Platte zurechtgeschnitten, auf die man seinen Laptop stellen kann", sagt Nösel und seine Partnerin ergänzt: "Der dritte Arbeitsplatz ist das Bett."

Der Beifahrersitz wird mit der selbstgebauten Ablage zu einem Arbeitsplatz mit Aussicht. - Copyright: Amelie Falke
Der Beifahrersitz wird mit der selbstgebauten Ablage zu einem Arbeitsplatz mit Aussicht. - Copyright: Amelie Falke

Laut Falke sehen die Kollegen das mobile Arbeiten überwiegend positiv: "Es ist ein guter Eisbrecher, bei jedem Gespräch erstmal kurz zu erzählen, wo man ist. Dann zeigt man den Ausblick und schon ist man drin im Gespräch." Ihre Kunden fänden das im Grunde "total cool und haben da nichts dagegen. Solange man die Aufgaben erfüllt, wird da nicht gemeckert."

Dass zwei Menschen auf engstem Raum gleichzeitig arbeiten, führt aber nicht nur zu Platzproblemen. "Nervig wird es, wenn wir gleichzeitig Meetings oder Telefonate haben", sagt Falke. Da Nösel aber als Art Director eher für sich alleine arbeite, kämen solche Situationen in der Regel selten vor.

"Schönste Arbeit zu arbeiten"

Bei gutem Wetter löse sich das Problem auch von alleine, sagt er. Dann könne man auch einfach den Camping-Tisch auspacken und von draußen arbeiten. "Das ist generell die schönste Art zu arbeiten", sagt er.

 - Copyright: Amelie Falke
- Copyright: Amelie Falke

Doch wie sieht es aus mit dem Internetempfang, wenn an einer Küste in Norwegen ein Teams-Call ansteht? Im Grunde hätten sie nie Schwierigkeiten mit dem Empfang gehabt, sagen sie. Meistens hätten sie sich einfach einen Hotspot mit dem Handy gegeben. In Südeuropa haben sie sich oft auch eine regionale Sim-Karte gekauft, da dort das Datenvolumen recht günstig sei. Mit einem Router und einer externen Antenne konnten sie dann das Signal verstärken. "Wenn der Empfang schlecht ist, muss man versuchen, die Antenne extra weit oben anzubringen, was unter Umständen recht umständlich ist. Aber am Ende hatten wir eigentlich überall ziemlich guten Empfang", sagt Nösel.

Falke betont, dass sie sich bewusst seien, ziemlich privilegiert zu sein, ihren Job von unterwegs aus machen zu können. Sie genießen die Freiheit und haben schon ein nächstes Ziel: Südeuropa. Den Herbst wollen sie in Spanien und Portugal verbringen.