Bürki: So schafft der BVB das Wunder von Salzburg

Lukas Rott
Roman Bürki glaubt an das Weiterkommen von Borussia Dortmund in der Europa League in Salzburg

Roman Bürki erlebt mit Borussia Dortmund eine Saison voller Höhen und Tiefen.

Seit dem Amtsantritt von Trainer Peter Stöger stimmen zumindest die Ergebnisse wieder halbwegs.

Nach der Niederlage im Achtelfinal-Hinspiel gegen Salzburg steht die Borussia in der Europa League aber gehörig unter Zugzwang. Dennoch glaubt Bürki im Interview mit SPORT1 noch ans Weiterkommen und ans Finale in Lyon.

SPORT1: Hat Borussia Dortmund man nach dem Hinspiel gegen Salzburg viel zu verlieren, wenig zu verlieren oder gar nichts zu verlieren?

Bürki: Diese Frage stellen wir uns gar nicht. Wir fahren dorthin, um zu gewinnen und weiter zu kommen. Wir wissen, dass das mit unserer Qualität möglich ist. Wir müssen diese nur auf den Platz bringen.

SPORT1: Wie sehr ärgern Sie sich noch über das Hinspiel?

Bürki: Der Ärger und die Enttäuschung waren nach dem Spiel natürlich groß. Salzburg ist ein Gegner, den wir im Normalfall schlagen müssen. Leider hat das nicht geklappt. Aber wir sind gut eingestellt und positiver Dinge, dass wir weiterkommen.

SPORT1: Sie müssen gewinnen. Wie sieht die Marschroute für das Rückspiel aus?

Bürki: Es ist wichtig, dass wir von Anfang bis Ende geduldig sind. Man hat es ja in der Liga gesehen, dass wir in der Lage sind, in kürzester Zeit ein Spiel zu drehen und mehrere Tore zu schießen. Wir müssen so auftreten, als gäbe es für Salzburg nichts zu holen. Wenn möglich früh in Führung gehen, um ein gutes Gefühl zu bekommen.

SPORT1: Wie wichtig ist es vor diesem Hintergrund gewesen, dass die Mannschaft auf die schwache Leistung im Hinspiel mit einem Sieg gegen Eintracht Frankfurt geantwortet hat?

Bürki: Es war natürlich wichtig, dass wir wieder gewonnen haben. In der ersten Hälfte war das eine gute Leistung von uns, in der zweiten dann eher weniger. Aber wir haben Moral und Teamgeist bewiesen, indem wir das Spiel in den letzten Minuten noch gedreht haben.

SPORT1: Das Frankfurt-Spiel ist irgendwie sinnbildlich für eine verrückte Saison des BVB. Fragt man sich da als Spieler auch manchmal, was eigentlich los ist. Denn so ganz zu begreifen ist dieser Saisonverlauf ja nicht.

Bürki: Es ist natürlich auch für uns schwierig. Wir suchen nach Gründen, warum es im Moment nicht so läuft. Warum wir nicht einmal ein Spiel gewinnen können, ohne etwas anbrennen zu lassen. Wir strotzen im Moment einfach nicht vor Selbstvertrauen, versuchen aber dennoch unser Bestes zu geben. Kämpfen kann man immer. Da spielt es keine Rolle, ob das Glück auf deiner Seite ist oder nicht. Das wird auch im Rückspiel der entscheidende Faktor sein. Wir müssen den Sieg über den Kampf und den Willen einfahren.

SPORT1: Peter Stöger ist bereits der dritte Trainer, mit dem die Mannschaft innerhalb kürzester Zeit zusammenarbeitet. Ist das ein Problem, dass man sich zu häufig auf neue Situation einstellen muss und dadurch die Leichtigkeit verloren geht?

Bürki: Das ist natürlich ein Grund aber soll auch keine Ausrede sein. Ich denke wir haben eine enorme Qualität in der Mannschaft – das wissen wir auch. Das einzige was ich immer wieder mitbekomme ist, dass wir uns zu sehr damit beschäftigen, was andere über uns denken. Dadurch lassen wir uns vielleicht ein wenig verunsichern.

SPORT1: Wie gehen Sie mit der Bewertung Ihrer eigenen Situation um?

Bürki: Ich stand schon sehr oft in der Kritik und weiß daher gut damit umzugehen. Was für die Mannschaft gilt, zählt genauso auch für mich. Ich darf mir einfach nicht zu viele Gedanken darüber machen, was andere Leute von mir denken. Ich weiß was meine Stärken sind und wie ich der Mannschaft damit helfen kann. Bringe ich das auf den Platz, werde ich auch ein gutes Spiel machen. Aber das gilt für alle in der Mannschaft. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Ich weiß auch, dass keiner im Team an seinen Mitspielern zweifelt.

SPORT1: Eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Mannschaft nimmt zwangsläufig der Trainer ein. Man hört auch immer wieder von Vereinsfunktionären, dass seine Art der Mannschaft und dem gesamten Klub gut tut. Wie wirkt er auf Sie?

Bürki: Er ist sehr menschlich, lässt vieles durchgehen. Klar haben wir unsere Regeln, an die wir uns halten müssen. Aber insgesamt haben wir viele Freiheiten und es geht uns sehr gut beim BVB. Der Trainerstab spürt auch, wenn ein Spieler mal etwas Zuspruch braucht. So etwas ist sehr wichtig für uns, denn viele Spieler sind es noch gar nicht gewohnt in einer Negativspirale zu sein.

SPORT1: Demnach hätten Sie auch nichts dagegen, wenn Peter Stöger auch über die Saison hinaus bleibt?

Bürki: Überhaupt nicht. Es war sehr wichtig, dass wir nach seiner Übernahme endlich wieder Stabilität, vor allem in die Defensive, bekommen haben. So haben wir dann auch angefangen unter ihm zu spielen. Erst einmal defensiv stehen. Dass wir im Angriff die Qualität haben, wussten wir immer. Jetzt peilen wir an, auch wieder dominant auf dem Platz aufzutreten.

SPORT1: Marco Reus hat seinen Vertrag zu einer Zeit verlängert, in der Borussia Dortmund nicht nur positive Schlagzeilen macht. Wie wurde das in der Mannschaft aufgenommen?

Bürki: Alle haben sich sehr gefreut, denn die Namen Marco Reus und Borussia Dortmund gehören einfach untrennbar zusammen. Er ist ein Spieler, der schon lange dabei ist und viel erlebt hat. Er hatte viele Verletzungen, hat sich immer wieder zurück gekämpft und gespielt, als wäre nichts gewesen. Er kann jungen Spielern in schweren Situationen sehr viel helfen und mit seiner Qualität auf dem Platz den Unterschied ausmachen.

SPORT1: Man sagt öfter, dass Torhüter eine Macke haben. Michy Batshuayi hat eine Vorliebe für Comic-Helden, läuft mit einem Spongebob-Rucksack herum, der aussieht wie der Schulranzen eines 12-jährigen. Ein spezieller Typ, oder?

Bürki: Ein spezieller Typ, ganz klar. Aber auch ein sehr netter und menschlicher Typ, der mit allen zu Recht kommt und sich an die Regeln hält. Das wichtigste ist aber, dass er vorne die Tore macht. Zuletzt hat er uns gegen Frankfurt den Sieg gerettet.

SPORT1: Im Sommer beendet Roman Weidenfeller seine Karriere. Wie würden Sie ihn mittlerweile bezeichnen. Als ihren Kollegen, Konkurrenten oder Freund? Und sind sie schon gespannt, wer für ihn kommen wird?

Bürki: Wenn ein neuer Torwart verpflichtet wird, ist man immer gespannt, was sich da tut. Roman ist ein sehr guter Mitspieler und wir kommen sehr gut miteinander aus. Er unterstützt mich wirklich in allen Situationen. Wenn ich eine Frage habe, gibt er mir immer einen Tipp. Es ist sehr wichtig für mich zu wissen, dass da jemand ist, der mir helfen will. So sollte ein Torwart-Team auch aussehen.

SPORT1: Waren sie eigentlich schon einmal in Lyon?

Bürki: Ich habe mit den Grashoppers Zürich schon einmal in der Champions-League-Qualifikation oder Europa-League-Qualifikation dort gespielt.

SPORT1: Würden Sie da gerne nochmal hin?

Bürki: Auf jeden Fall. Das ist unser Ziel, das wir versuchen zu erreichen.