Nach Bürgerprotesten: Stadt pflanzt 120 zusätzliche Bäume auf Bonner Straße

Nach Protesten stimmte der Verkehrsausschuss für noch mehr Ersatzpflanzungen.

Die Proteste gegen die geplanten Baumfällungen auf der Bonner Straße haben den Bewohnern der angrenzenden Straßen 120 zusätzliche neue Bäume beschert.

Einen entsprechenden Beschluss fasste der Verkehrsausschuss. Damit können laut Gerd Neweling, Leiter des Amtes für Brücken und Stadtbahnbau, Lücken in Alleen geschlossen werden, an weiteren Stellen lässt sich so Ersatz für abgestorbene Bäume beschaffen.

Im Herbst könnte schon gepflanzt werden

Auch die Bezirksvertreter in Rodenkirchen begrüßten das Ergebnis in ihrer Sitzung. Neweling hatte ihnen auf einer Karte gezeigt, wo neue Bäume stehen werden. Das Gremium billigte einstimmig die vorgeschlagenen Standorte, darunter der Mathiaskirchplatz, die Raderberger Straße, der Grünzug an der Sinziger Straße und die Ahrweiler Straße.

Weitere Vorschläge von Bürgern werden geprüft. Im Herbst könnten die ersten Bäume gepflanzt werden. Zur gleichen Zeit etwa sollen 233 Bäume für die Stadtbahn gefällt werden, die ursprünglich 2018 auf der Bonner Straße fahren sollte, inzwischen ist von einer Bauzeit bis 2020 die Rede. Laut Neweling waren 384 Ersatzpflanzungen vorgesehen. Nun sind daraus gut 500 geworden.

Gutachter lehnte Verpflanzung ab

Wie kam das? Nach anhaltenden Protesten von Anwohnern und Baumschützern gegen die Pläne, die die Fällungen nötig machen, suchte die Verwaltung nach Kompromissen. Sie griff im Frühjahr zunächst eine der Forderungen der Initiativen auf und ließ prüfen, ob einige der Bäume verpflanzt statt gefällt werden können. Bei 18 Linden, so das Ergebnis eines Gutachters, wäre das prinzipiell möglich. Kostenpunkt: 194.000 Euro.

Deutliche Kritik daran kam vom Rechnungsprüfungsamt der Stadt. Das Gutachten für 18.600 Euro bezeichnet das Amt als „erheblichen Aufwand“.

Die Verpflanzung selbst lehnt der Prüfer ab: Er könne „weder eine rechtliche noch eine fachliche Notwendigkeit, beziehungsweise ökologische Sinnhaftigkeit erkennen“ und verweist in seiner Stellungnahme vom April auf den fraglichen Erfolg. Dass die Bäume, die stark zurückgeschnitten werden müssen und Teile ihrer Wurzeln verlieren, wieder anwachsen, ist keineswegs sicher. Sie sind zudem anschließend anfälliger für Pilzbefall.

Zusätzliche Bäume kommen nur mäßig an

Die Politiker im Verkehrsausschuss waren im Mai ebenfalls nicht überzeugt. Sie verwiesen den Vorschlag an ihre Kollegen. Aus dem Umweltausschuss kam kurz darauf der Antrag, für das Geld lieber zusätzliche Bäume zu pflanzen, darunter auch größere und damit teurere.

Bei den Bürgerinitiativen reagiert man verhalten. „Das ist das einzige Zugeständnis, das die Stadt macht“, sagt Ottmar Lattorf vom Verein Nabis. „Uns geht es darum, die gesamte Planung zu verändern.“ Fest steht aber: Mit den 120 zusätzlichen Bäumen lässt sich ein anderes Defizit ausgleichen. Viele Lücken, die im Bezirk geschlossen werden können, gibt es seit Jahren – offenbar ein grundsätzliches Problem. Ersatz für abgestorbene oder beschädigte Bäume wird oft nicht gepflanzt.

Baumkataster regelt Grünflächen

„Dafür gibt es beim Grünflächenamt kein Budget“, sagte Grünen-Bezirksvertreter Frank Theilen-von Wrochem in der Sitzung im Rodenkirchener Rathaus. Michael Heidbreder, Mitarbeiter des Amtes und zur Vorstellung der Ersatzpflanzungen zu Gast, bestätigte, dass es „begrenzt“ sei.

Theilen-von Wrochem wies auch darauf hin, dass ein „verlässliches Kataster“ fehle. Das sehen andere offenbar ähnlich. Nach einem Beschluss des Umweltausschusses soll eine neue Software für ein Baumkataster beschafft werden.

Kritik an Verschiebung der Baumfällungen

Verkehrsdezernentin Andrea Blome sicherte nun bei einer CDU-Veranstaltung zu, dass die Bäume an der Bonner Straße im Herbst gefällt werden. Blome hatte die Fällungen im Januar ausgesetzt, um ein Gerichtsverfahren in Münster abzuwarten, das Anwohner gegen den Baubeschluss angestrengt hatten.

Das Gericht hatte vorab bereits entschieden, dass die Vorarbeiten trotz ausstehender Entscheidung über die Klage beginnen dürfen. Das Kölner Rechnungsprüfungsamt hatte Blomes Entscheidung kritisiert. Dass die Fällungen um mindestens weitere zehn Monate verschoben wurden, gefährde Zuschüsse des Bundes. (phh)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta