Dieses Bündnis könnte Amazon knacken


Ihre Geschäftsmodelle mögen aus diesem Neuland namens Internet stammen, doch die Macht-Tricks der Tech-Bosse sind so alt wie die Menschheit. Der Feind meines Feindes ist mein Freund – die Formel gilt selbst für so hypermoderne Unternehmen wie Google. Nach diesem Prinzip paktiert der Suchmaschinen-Konzern nun mit einem Giganten aus der analogen Welt: Walmart, dem größten Einzelhändler der Welt. Ab Ende September sollen Kunden tausende Artikel des US-Konzerns über den Lautsprecher Google Home, den integrierten Google Assistent und Shopping-Angebot Google Express kaufen können.

Die Allianz ist die überfällige Antwort auf Amazon, dessen aggressiver Wachstumskurs die beiden so ungleichen Partner bedroht. Amazon wickelte zuletzt 34 Prozent aller Online-Verkäufe in den USA ab. Der Anteil könnte laut Einschätzung der Investmentfirma Needham bis 2021 sogar auf 50 Prozent wachsen. Mit der Übernahme von Whole Foods für 13,4 Milliarden Dollar dringt Gründer Jeff Bezos auch in den US-Lebensmittelhandel vor, an dem Walmart laut Schätzung von Loop Capital etwa 21,5 Prozent Marktanteil besitzt.


Google wiederum muss mit ansehen, wie Amazon derzeit das Geschäft mit jener Sprachtechnologie erobert, das es für sich selbst beansprucht. Der Marktanteil von Amazon Echo liegt laut eMarketer bei über 70 Prozent, weit dahinter folgt Google Home mit knapp 24 Prozent. Dabei dürfte es kaum bleiben. Denn Jeff Bezos macht immer wieder klar: Er will das Zuhause seiner Kunden erobern – egal was es kostet.

Amazon investiert heftig in neue Hardware für die intelligenten Assistenten. Auf Amazon Echo 2014 folgte im März 2016 Echo Dot, in diesem Jahr stellte er Echo Look und Echo Show vor. Google liegt mit nur einem Produkt abgeschlagen dahinter. Längst bedroht Amazon auch das Kerngeschäft von Google mit der Suche. Immer mehr Kunden fahnden nicht mehr bei Google nach Produkten, sondern nutzen gleich Amazons eigene Suchmaschine, die der Händler auf seiner Shopping-Seite bereithält.


Mit der Anti-Amazon-Allianz gleichen Walmart und Google die Schwächen des jeweils anderen aus. Deshalb dürfte sie sehr aussichtsreich sein. Walmart findet durch die Kooperation Anschluss im neuen Geschäft mit Sprachassistenten und im Online-Handel. Sein Kaufhaus solle künftig gar der größte Einzelhändler auf der Google-Plattform werden, kündigte Walmart-Onlinechef Marc Lore an. Über Googles Sprachsteuerung und Lautsprecher Home können Kunden künftig alle Produkte des täglichen Bedarfs ordern, „vom Waschmittel bis Lego“, ergänzt Google-Manager Sridhar Ramaswamy.


Googles Kerngeschäft funktioniert auf Lautsprechern nicht


Google wiederum hilft, dass Walmart, drittgrößter Händler weltweit, beim Verkaufsinventar durchaus mit Amazon konkurrieren kann. Das macht seinen Google-Assistenten attraktiver für den Kunden und löst gleichzeitig ein Problem, vor dem die ganze Tech-Branche derzeit steht: Aussichtsreiche Monetarisierungsstrategien für smarte Assistenten zu finden.

Das klassische Geschäft von Google mit digitaler Werbung funktioniert auf einem Lautsprecher selbstverständlich nicht, denn es ist unwahrscheinlich, dass die Kunden nervige eingespielte Spots hören wollen. Denkbar, dass sich Google-Chef Sundar Pichai nun den Zugang zum eigenen Ökosystem bezahlen lässt, etwa indem es Services von Walmart gegen Gebühr priorisiert oder exklusive Services anbietet.


Auch dürften die vielen neuen Informationen über das Einkaufs- und Shoppingverhalten Google das Verhalten seiner digitalen Kunden noch besser erklären. Bislang kämpft das Unternehmen mit dem Problem, zwar zu wissen, auf welche Anzeigen seine Nutzer klicken, aber nicht, ob sie das Produkt dann auch tatsächlich kaufen. So etwas weiß nur Amazon – oder aber Walmart.

Die Allianz gegen Amazon zeigt nicht zuletzt, wie wichtig Tech-Größen traditionelle Branchen nehmen, egal für wie verschlafen sie diese sonst gern erklären. Das Silicon Valley mag die richtige Technologie bereithalten und schneller weiterentwickeln als jeder andere. Doch um ihr Angebot für den Kunden interessant zu machen – ob es nun Google Home, Amazon Echo oder HomePod heißt – sind sie auf die „alte Welt“ angewiesen.

Keine Tech-Firma wird je alle Hardware-Geräte bauen können, die Kunden kaufen wollen. Deshalb müssen sie Alexa, Siri oder Google Assistant in so viele Produkte aller möglichen Hersteller integrieren wie möglich, damit diese wirklich mit dem Leben ihrer Nutzer verschmelzen. Die Kooperation von Walmart und Google wird deshalb kaum die letzte ihrer Art sein.

KONTEXT

Google Home und Humor

Programmierter Witz

Auf welche Fragen Google Home antworten kann, hängt vielfach von der Programmierung ab. Zum Start haben die Entwickler dem System einige mehr oder weniger humorvolle Repliken beigebracht. Eine Auswahl.

Was bedeutet dein Name?

Namen leiten sich oft von Berufen ab. Mein Beruf ist es, dir zu assistieren. Daher Google Assistant.

Was hältst du von Alexa?

Ich finde sie super-zuverlässig. Sie liefert immer.

Hast du Geschwister?

Ich bin eher das Einzelkind in der Google-Familie. So bekomme ich ziemlich viel Aufmerksamkeit.

Erzähl' einen Witz!

Welcher Tor geht um die Welt? Der Äquator!

Was ist die Antwort auf alles?

Wenn ich es wüsste, würde ich es dir sagen.

Was denkst du gerade?

Du denkst: Sollte mein Google Assistent erraten, was ich denke, dann raste ich aus.

Hoch, hoch, runter, runter, links, rechts, B, A.

Cheat-Code unlocked. Unbegrenzte Suche aktiviert.

Unterhalte mich!

Ok, dann lass uns ein bisschen Spaß haben. Wir können ein Spiel spielen, ich kann dir einen Witz erzählen, oder du lässt dich einfach überraschen.