„Sie werden ein böses Ende nehmen"

Warren Buffett glaubt, dass Bitcoin-Anleger ein böses Erwachen erleben werden. Er selbst macht einen großen Bogen um die Kryptowährung. Wann es zum Crash kommt, vermag aber auch der Star-Investor nicht zu sagen.


Seit vielen Jahrzehnten befolgt Warren Buffett stur eine simple Regel, wenn es ums Geldanlegen geht: „Ich investiere nur in Dinge, die ich verstehe“, hat er seinen Aktionären immer wieder erklärt. Der Chef des Konglomerats Berkshire Hathaway kennt sich bestens aus mit unterbewerteten Unternehmen und mit dem komplexen Versicherungsgeschäft. Um Bitcoins und andere Kryptowährungen dagegen macht der 87-jährige Star-Investor einen Bogen.

„Ich kann mit annähernder Sicherheit sagen, dass sie ein böses Ende nehmen werden“, sagte Buffett am Mittwoch im Gespräch mit dem US-Börsensender CNBC. „Wann das passiert oder wie, das weiß ich allerdings nicht.“

Futures auf fallende Bitcoin-Kurse will der Investor jedoch nicht kaufen. Einzig, wenn es sogenannte Put-Optionen auf Kryptowährungen gäbe, dann würde er wahrscheinlich für jede einzelne Währung einen solchen Optionsschein kaufen, scherzte er. Mit Put-Optionen bekommen Investoren das Recht, einen bestimmten Vermögenswert zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verkaufen.

Buffett und seine stellvertretender Verwaltungsratschef Charlie Munger hatten bereits in der Vergangenheit vor dem Hype um Kryptowährungen gewarnt. Grundsätzlich hält sich Buffett von Technologie-Unternehmen eher fern. Auch, wenn ihm dadurch möglicherweise Milliardengewinne entgehen. Am meisten bereut er, den Online-Händler Amazon unterschätzt zu haben, wie er Ende 2017 einräumte. Amazon-Gründer Jeff Bezos wurde erst Anfang der Woche zur reichsten Person aller Zeiten gekürt. Schon 2016 war er im Forbes-Ranking der reichsten Menschen an Buffett vorbeigezogen.

Buffett ist mit einem Vermögen von rund 87 Milliarden Dollar laut US-Magazin „Forbes“ der drittreichste Mann der Welt und hat sich in der Vergangenheit immer wieder von kurzlebigen Investment-Trends ferngehalten. Er konzentriert sich derweil lieber auf US-Aktien. Nach der Steuerreform, die US-Präsident Donald Trump im Dezember verabschiedet hatte, geht Buffett davon aus, dass Aktien trotz der ohnehin schon hohen Bewertungen weiter steigen werden. Dass Unternehmen künftig nur noch 21 Prozent Körperschaftssteuer zahlen müssen statt 35 Prozent, sei „eine riesige Senkung“, schwärmte Buffett. Er glaube nicht, dass dieser geringe Steuersatz bereits eingepreist ist.


Auch was seine Nachfolgeregelung angeht, machte Buffett Fortschritte. Er hat die beiden Berkshire-Manager Greg Abel und Ajit Jain zu stellvertretenden Verwaltungsratschefs gemacht. Abel leitet die Energiesparte Berkshire Hathaway Energy, Jain, der Cousin des früheren Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain, verantwortet das Versicherungsgeschäft. Beides sind wichtige Sparten für Buffetts Konglomerat Berkshire Hathaway. Investoren werten dies als wichtiges Signal. Seit Jahren macht Buffett ein Geheimnis um seine Nachfolge. Bekannt war lediglich, dass es vier Kandidaten in der engeren Auswahl gibt und sein ältester Sohn Howard als Verwaltungsratschef für die Erhaltung der Firmenkultur zuständig sein soll.

Dass Abel oder Jain Buffett eines Tages an der Spitze von Berkshire ablösen könnten, ist nicht überraschend. Buffett und Munger, der bereits seit vielen Jahren Vize-Verwaltungsratschef ist, haben in der Vergangenheit regelmäßig in den höchsten Tönen von Jain und Abel gesprochen.

„Ajit hat Werte in zweistelliger Milliardenhöhe für die Berkshire-Aktionäre geschaffen“, schrieb Buffett 2017 in seinem Brief an die Aktionäre. „Sollte es jemals einen anderen Ajit geben, für den Sie mich auswechseln könnten, zögern Sie nicht.“ Auch für Abel hat Buffett nur gutes Übrig. „Er hält immer das, was er verspricht“, lobte Buffett Ende 2016. Abel, 55, hat die Aufgabe, das Energiegeschäft in den kommenden Jahren deutlich auszubauen und bekommt dafür auch Milliarden für Übernahmen zur Verfügung.

Beobachter halten Abel für den wahrscheinlicheren Buffett-Nachfolger, auch weil er jünger ist als der 66-jährige Jain. Der Versicherungsmanager hat außerdem den Ruf, am liebsten im Hintergrund zu arbeiten. Das würde es besonders schwer machen, Buffett zu ersetzen. Der Star-Investor wird von seinen Aktionären bei der Hauptversammlung wie ein Rockstar gefeiert.


Dass Berkshire nun drei stellvertretende Verwaltungsratschefs hat, stört weder Buffett noch Munger. „Das ist etwas seltsam, aber Berkshire ist eben auch ein seltsames Unternehmen“, sagte Munger auf CNBC. „Für die Aktionäre ist diese Ankündigung eine gute Nachricht.“

Buffett, der Berkshire seit über 50 Jahren führt, hat viele Anteilseigner reich gemacht. Er übernahm einen krisengeschüttelten Textilhersteller aus seiner Heimatstadt Omaha, im Bundesstaat Nebraska und machte ihn zu einem der größten börsennotierten US-Konzerne. Neben dem Energie- und Versicherungsgeschäft gehört auch eine Industriesparte zu Berkshire. Ebenso hält der Konzern große Aktienpakete, unter anderem an Apple, Coca-Cola und der Bank of America. Die Berkshire-Aktie der Klasse A notierte am Mittwochnachmittag bei 304.000 Dollar. Als Buffett das Unternehmen 1964 übernahm, kostete eine Aktie rund 12 Dollar.

Dass Abel und Jain nun eine herausragende Rolle im Verwaltungsrat bekommen werden, nannte Buffett „einen Schritt zur langfristigen Nachfolgeplanung.“ Es ist auch eine wichtige Anerkennung ihrer Arbeit. Abel war zwar im Sommer mit der Übernahme des texanischen Stromherstellers Oncor gescheitert, weil um das Unternehmen ein Bieterkampf entstanden war. Jain muss nach den schweren Hurrikanes in Texas, Florida und Puerto Rico und den Bränden in Kalifornien mit Rückschlägen beim Versicherungs- und Rückversicherungsgeschäft rechnen. Doch das ist nicht das Verschulden der Berkshire-Manager. Buffett ist bekannt für seinen langen Investment-Horizont.


Dass seine möglichen Nachfolger ein besonders Training brauchen, um eines Tages die Geschäfte von Berkshire zu übernehmen, das glaubt Buffett nicht. Niemand müsse ihm im Tagesgeschäft über die Schulter schauen, stellte er bereits 2015 im Gespräch mit dem Handelsblatt klar. „Die wissen alle, wie es geht.“ Auf der Hauptversammlung 2017 verriet er, worauf es ihm bei seinem Nachfolger wirklich ankomme. „Ich würde mir wünschen, dass es jemand ist, der bereits sehr reich ist.“ Für den Kandidaten sollte es nicht wichtig sein, ob er zehn oder 100 Mal mehr verdient, als er und seine Familie jemals brauchen könnten, sagte Buffett. Sein Nachfolger sollte im besten Fall „mit gutem Beispiel voran gehen und damit einverstanden sein, deutlich unter seinem Marktwert bezahlt zu werden.“ Buffett selbst handelt auch nach dieser Maxime. Er zahlt sich selbst ein Gehalt von 100.000 Dollar im Jahr und spendet den Großteil seines Vermögens an die Stiftung von Bill und Melinda Gates.

KONTEXT

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat - vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum - der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen - allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins "schürfen". Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird es, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird. Handelsplattformen beziffern die aktuelle Zahl an Bitcoins Mitte November 2017 bei 16,7 Millionen Münzen.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox rutschte der Kurs Anfang 2014 in die Hunderter, es wurde still um die Kryptowährung. Doch 2017 explodierte der Kurs: Von 1000 Dollar im Januar ging es bis Mitte November rauf auf mehr als 8000 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte "Mining" - die Schöpfung von Bitcoins - ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder