Der deutsche Leitindex kommt am Dienstag kaum vom Fleck – und schließt 0,3 Prozent im Minus. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Diesel-Fahrverboten beschert den Autobauern Kursverluste.

Der deutsche Leitindex kommt am Dienstag kaum vom Fleck – und schließt 0,3 Prozent im Minus. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Diesel-Fahrverboten beschert den Autobauern Kursverluste.


Mögliche Fahrverbote für Dieselautos in deutschen Städten haben den Dax-Anlegern am Dienstag die Kauflaune verdorben. Der deutsche Leitindex pendelte im Tagesverlauf zumeist um die Nulllinie und notierte bei Handelsschluss 0,3 Prozent leichter. Für die zweite Frankfurter Reihe, den MDax, ging es um 0,2 Prozent bergab. Der paneuropäische EuroStoxx verlor ebenfalls 0,3 Prozent.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte in letzter Instanz geprüft, ob solche Verbote im Kampf gegen die Stickoxid-Belastung der Luft zulässig sind – sie sind es. „Das Urteil kommt zwar nicht mehr ganz so überraschend, löst aber Unsicherheit über die Zukunft der deutschen Autoindustrie aus“, sagte ein Händler. Volkswagen-Aktien verloren im Zuge des Urteils ein Prozent. Die Anteilsscheine von BMW notierten 0,2 Prozent leichter, Daimler-Papiere – nach zeitweisen Einbußen – 0,2 Prozent fester.

Ein Analyst sagte, er rechne nur mit partiellen Fahrverboten und halte auch eine kostspielige Umrüstung der Motoren für unwahrscheinlich. „Für eine umfassende Beurteilung sind allerdings noch zu viele Fragen offen.“ Für die Stimmung sei das Urteil aber nicht gerade hilfreich, sagte ein anderer Börsianer.


Gebannt schauten Anleger auch auf die Kongress-Anhörung des Chefs der US-Notenbank (Fed) Jerome Powell. Mit der Ankündigung einer Fortführung der Politik behutsamer Zinsanhebungen nahm der Zentralbankchef den Aktionären jedoch ihre schlimmste Angst: eine allzu rasche Wende hin zu einer expansiveren Geldpolitik. Die Federal Reserve werde weiterhin einen Mittelweg finden zwischen der Vermeidung einer überhitzten Wirtschaft und dem nachhaltigen Erreichen einer Inflationsrate von zwei Prozent, sagte Powell.

„Powell hat erkennen lassen, dass die Fed mit ihrem Zinskurs zufrieden ist“, erklärte ein Börsenexperte. Nichtsdestotrotz gaben sich US-Anleger zu Handelseröffnung an der New Yorker Wall Street ebenfalls zurückhaltend – so notierten Dow Jones, S & P 500 und Nasdaq zunächst seitwärts.

Bei den Einzelwerten des Dax stand besonders die Kursentwicklung von BASF im Fokus – der Chemiekonzern veröffentlichte am Dienstag seine Bilanz für 2017. Mit einem Abschlag von 2,3 Prozent gehörten BASF-Scheine zu den schwächsten Werten im deutschen Leitindex. Händlern zufolge fiel die Dividende etwas enttäuschend aus. BASF will für das vergangene Geschäftsjahr 3,10 Euro je Aktie ausschütten – zehn Cent mehr als im Vorjahr.

Zudem hätten sich die Investoren eine besseren Ausblick für das Basischemiegeschäft erhofft, so ein Börsianer. Hier rechnet der Konzern nach dem Ergebnissprung im vorigen Jahr mit einem deutlichen Rückgang. Vorstandschef Kurt Bock gibt sich dennoch gelassen: BASF sei gut ins Jahr gestartet. Außerdem hätte man wichtige Weichen für die personelle und strategische Weiterentwicklung des Unternehmens gestellt.


Fresenius und SAP legen zu


An der Dax-Spitze notierte am Dienstag Fresenius: Das mögliche Aus für die 4,4 Milliarden schwere Übernahme des amerikanischen Generika-Herstellers Akorn durch Fresenius hat die Aktien des deutschen Gesundheitskonzerns beflügelt. Die Titel schossen am Dienstag um 4,4 Prozent in die Höhe.

Fresenius hatte in der Nacht zum Dienstag mitgeteilt, unter Einbeziehung externer Sachverständiger zu prüfen, ob Akorn gegen Vorgaben der US-Gesundheitsbehörde verstoßen habe. Dabei gehe es um Angaben bei der Produktentwicklung. Der Deal stehe nun auf wackeligeren Beinen als zuvor, sagte Analyst Tom Jones von der Berenberg Bank.

Ob dies eine gute Nachricht für die Kursentwicklung von Fresenius sei oder eine schlechte, sei zum jetzigen Zeitpunkt schwer einzuschätzen. „Einige Investoren wären sicher froh, wenn Fresenius davonlaufen würde. Aber das würde auch nicht ohne Kosten passieren und könnte einen langwierigen Rechtsstreit nach sich ziehen.“ Ein Händler fügte hinzu, Investoren dürften nicht traurig sein über eine mögliche Absage des Deals, da sich das Geschäft von Akorn im vergangenen Jahr verschlechtert habe.

Betrachte man allein die Geschäftsergebnisse von Fresenius, sei die Entwicklung im vierten Quartal 2017 sowie die Prognose für 2018 positiv, sagte Jones. Das bereinigte Konzernergebnis stieg von Oktober bis Dezember um 22 Prozent auf 520 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 17 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro.


Ebenfalls auf der Gewinnerseite stand der Softwarekonzern SAP. Mit dem Zukauf der US-Firma Callidus will das Unternehmen seinen Marktanteil bei Software für das Kundenmanagement (CRM) steigern und Marktführer Salesforce überholen. „Wir schalten jetzt ein paar Gänge hoch“, sagte SAP-Chef Bill McDermott im Handelsblatt-Interview.

„In ein paar Jahren werden wir mehr verkaufen als Salesforce.“ Der CRM-Markt sei 50 Milliarden Dollar schwer und wachse zweistellig. „Wir haben bisher nicht den Anteil, den wir wollen“, sagte McDermott. Auch in puncto Börsenwert hat der Firmenchef große Ambitionen: „Ziel ist, den Wert zu verdreifachen“, sagte er auf die Frage, wo er den Börsenwert von SAP in acht Jahren sehe. Dieser Optimismus verhalf der SAP-Aktie am Dienstag zu einem Plus von 0,6 Prozent.

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