Der Dax geht auf Talfahrt

Schon an den vergangenen drei Tagen hatte der Dax im Minus geschlossen. Am Donnerstag beschleunigte sich der Abwärtstrend, der deutsche Leitindex verlor 1,8 Prozent. Dafür waren zwei Faktoren verantwortlich.


Die Sorge, dass die Notenbanken weltweit die Geldpolitik schneller und stärker als bislang angenommen straffen könnten, hat den Dax am Donnerstagnachmittag tief ins Minus gedrückt. Nach einem freundlichen Start beschleunigte sich der Abwärtstrend des deutschen Leitindex. Der Dax lag teilweise sogar unter der Marke von 12.400 Punkte und schloss 1,8 Prozent im Minus bei 12.416 Punkte – der tiefste Stand seit April. Damit schloss der Index am vierten Tag in Serie im Minus.

Vor allem zwei Faktoren belasteten die Märkte: Zum einen zog der Euro zum Dollar weiter an. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte erstmals seit dem 12. Mai vergangenen Jahres wieder über der Marke von 1,14 US-Dollar und wurde am frühen Abend etwas tiefer zu 1,1421 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1413 (Mittwoch: 1,1375) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8762 (0,8791) Euro. „Für Deutschland als Exportnation ist eine starke Währung ein Nachteil“, erklärt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Ein starker Euro belastet den Export, weil er Ausfuhren teurer macht.


Durch den starken Euro zogen auch die Renditen europäischer Staatsanleihen zumeist an, während bei griechischen Schuldtiteln gegen den Trend Rückgänge zu verzeichnen waren. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,21 Prozent am Vortag auf 0,23 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,11 Prozent auf 140,90 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,73 Prozent auf 162,18 Punkte.

Zum anderen wurde der Abwärtsschwung des Dax durch die Veröffentlichung der Entwicklung der deutschen Verbraucherpreise im Juni verstärkt. Gegenüber dem Vorjahr hatte sich die Teuerung, gemessen am HVPI-Index, auf 1,5 Prozent belaufen, Volkswirte hatten lediglich 1,3 Prozent erwartet. „Preistreiber waren Nahrungsmittel“, sagte der Chefvolkswirt der LBBW, Uwe Burkert. Sie kosteten 2,8 Prozent mehr als im Juni 2016. Besonders für Milchprodukte mussten die Verbraucher tiefer in die Tasche greifen, nachdem viele Molkereien mit großen Einzelhändlern höhere Preise durchsetzen konnten.


Dementsprechend ging es auch für die Nebenindizes nach unten. Der MDax, in dem mittelgroße Unternehmen versammelt sind, fiel am Donnerstag um 1,6 Prozent auf 24.431 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 2,2 Prozent auf 2173 Punkte nach unten. Europaweit sahen die Verluste ähnlich aus. Der Euro-Stoxx50 verlor 1,8 Prozent und sank auf 3471 Punkte.


Welche Dax-Titel im Plus schlossen


Im Dax schloss lediglich zwei Titel im Plus: Die Papiere der Deutschen Bank gewannen 0,5 Prozent, die der Commerzbank 1,3 Prozent. Getragen von den guten Nachrichten aus den USA vom späten Vorabend, hatte das Plus der beiden Banken zeitweise sogar zwei beziehungsweise drei Prozent betragen. Erstmals hatten alle großen Banken in den USA den jährlichen Stresstest der amerikanischen Notenbank bestanden. Sie erhielten von der Fed grünes Licht, in großem Stil Geld in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen an ihre Investoren auszuschütten. Besonders stark verloren im Dax die Titel von Infineon, RWE, Beiersdorf, Thyssen Krupp und Bayer, deren Aktien alle drei Prozent und mehr einbüßten.


Schlusslicht war dabei die Aktien des Chipherstellers Infineon mit minus 3,65 Prozent. Die gesamte Branche traf es ab dem Nachmittag wieder schwer. Sie folgte dem Abwärtstrend von Tech-Aktien in den USA. Die Papiere von RWE, die seit Jahresbeginn sehr gut gelaufen waren, gaben sogar den inzwischen neunten Handelstag in Folge nach.

Im MDax gab derweil ein optimistischer Ausblick den Aurubis-Aktien Auftrieb. Die Papiere der Kupferhütte legten bis zu 3,3 Prozent zu und schlossen letztendlich bei 69,03 Euro mit 1,6 Prozent im Plus. In einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“ hatte Firmenchef Jürgen Schachler eine Steigerung des operativen Gewinns auf 600 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2019/2020 in Aussicht gestellt. Die Markterwartung habe bislang bei 540 Millionen Euro gelegen, sagte ein Börsianer.


In Verbindung mit den Kursgewinnen im Bankensektor hatten die steigenden Ölpreis am Donnerstagmorgen zunächst für gute Stimmung an den deutschen Börsen gesorgt. Dank eines Rückgangs der US-Produktion verteuerte sich die Sorte Brent aus der Nordsee um zeitweise um 1,2 Prozent auf bis zu 47,84 Dollar je Barrel (159 Liter). Da das Angebot die Nachfrage weiterhin überschreite, werde sich der Ölpreis auf absehbare Zeit aber nicht von der 45-Dollar-Marke lösen können, betonten die Analysten der Bank Goldman Sachs. In den vergangenen Wochen hatte der rapide Ölpreis-Verfall die Börsen wiederholt in Unruhe versetzt.

Abseits der großen Indizes hielt der Börsengang die Anleger unterdessen in Bann: Der Essens-Lieferdienst Delivery Hero hat mit seinem Börsengang knapp eine Milliarde Euro eingenommen. Das 2011 gegründete Startup reizte die Preisspanne voll aus und teilte die Aktien zu 25,50 Euro zu, wie Delivery Hero in der Nacht zum Donnerstag in Berlin mitteilte. „Die Nachfrage nach unseren Aktien hat den Angebotsumfang deutlich überstiegen“, sagte Firmenchef Niklas Östberg. Insgesamt wird das noch tief in den roten Zahlen steckende Unternehmen damit mit 4,39 Milliarden Euro bewertet. Mit bis zu 996 Millionen Euro ist Delivery Hero die größte Neuemission des Jahres an der Frankfurter Börse. Die Aktien sollen dort am Freitag erstmals gehandelt werden.