Börsianer freuen sich auf US-Zinsentscheid

Schwach gestartet schlug sich der Dax am Dienstag lange Zeit tapfer. Mit der 13.000-Punkte-Marke im Rücken wagten die Anleger einen Angriff auf die Bestmarke. Das Unternehmen schlug fehl – am Ende bleibt ein Minus.


Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Der Leitindex Dax stieg nach zwei Verlusttagen in Folge um 0,3 Prozent auf 12.559 Punkte. Als Antrieb erwies sich die anhaltende Rekordjagd an der oft tonangebenden Wall Street. Der MDax, in dem die Aktien mittelgroßer Unternehmen vertreten sind, kletterte um 0,5 Prozent auf 25.401 Punkte. Für den TecDax ging es um 0,8 Prozent auf 2.386 Zähler aufwärts. Ähnlich hoch stand der Technologiewerte-Index zuletzt Anfang 2001.

Aktuell warten die Anleger vor allem auf die geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank an diesem Mittwoch. Beobachter rechnen bis dahin nicht mit allzu großen Sprüngen im Dax. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Währungshüter auf Kurs zu einer weiteren Leitzinserhöhung in diesem Jahr bleiben.

Zur positiven Stimmung trug auch das Lob von Standard & Poor's (S&P) für Portugal bei. Die Ratingagentur hob die Bonitätsnote auf „BBB-“ an. Damit erhalten die Anleihen des einstigen Euro-Krisenlandes nach mehr als fünf Jahren das Gütesiegel „Investment Grade“ zurück.

Die gestiegene Nachfrage nach portugiesischen Bonds drückte die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 2,434 Prozent. Gleichzeitig stieg der Leitindex der Lissaboner Aktienbörse um 1,6 Prozent. „Am Rentenmarkt wurde die Heraufstufung Portugals nahezu euphorisch aufgenommen – auch weil die Mehrheit der Investoren wegen des zuvor nur stabilen Ausblicks noch nicht mit diesem Schritt gerechnet hatte“, sagte Analyst Daniel Lenz von der DZ Bank.

Unterdessen warfen die bevorstehenden Beratungen der US-Notenbank ihre Schatten voraus. Unter Börsianern gilt als sicher, das Fed-Chefin Janet Yellen am Mittwoch den Startschuss für den Abbau der billionenschweren Wertpapierbestände geben wird. Unklar sei allerdings, ob die geringe Inflation die Pläne der Federal Reserve für eine weitere Zinserhöhung noch in diesem Jahr durchkreuze, sagte Rabobank-Anlagestratege Philip Marey. Anleger sehen die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung bei etwa 55 Prozent.

Auch die Geldpolitik der Bank von England (BoE) bot Anlass zu Spekulationen, nachdem die britische Notenbank Bereitschaft zur Anhebung der Zinsen „in den kommenden Monaten“ signalisiert hatte. BoE-Chef Mark Carney wiederholte diese Formulierung am Montag, betonte aber, dass eine Anhebung „stufenweise und begrenzt„ ausfallen werde. Das Pfund Sterling, das am Morgen noch auf ein 15-Monats-Hoch von 1,3618 Dollar gestiegen war, verbilligte sich daraufhin auf 1,3520 Dollar. Weil dies britische Waren auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger macht, zog der Londoner Auswahlindex FTSE im Gegenzug um 0,5 Prozent an.


Infineon im Plus

Im Dax hatten die Aktien des Chipherstellers Infineon mit einem Plus von 1,56 Prozent die Nase vorn. Zwischenzeitlich waren sie wieder so teuer wie zuletzt vor mehr als 15 Jahren. Die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens sei weiterhin hoch, schrieb Analyst Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan nach einem Treffen mit Führungskräften des Konzerns.

Die Anteile des Zuckerherstellers Südzucker waren der Favorit im MDax mit einem Kursplus von 3,44 Prozent. Ihnen kam die Hoffnung auf steigende Exporte zu Gute. An der Spitze des SDax der gering kapitalisierten Werte verteuerten sich die Aktien von Klöckner & Co um fast 8 Prozent. Der Stahlhändler profitiert nach Einschätzung der Schweizer Großbank Credit Suisse von der Erholung der Stahlpreise. Diese sei im Aktienkurs des Unternehmens bislang noch nicht berücksichtigt, schrieb Analyst Michael Shillaker.

„Die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA halten zwar an“, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. „Da es aber keine neuen negativen Entwicklungen gibt, steigen Investoren wieder in den Aktienmarkt ein.“ Außerdem laufe die europäische Konjunktur rund, betonten die Anlagestrategen der US-Bank JPMorgan. Die Belastung durch die Aufwertung des Euro habe sie gut weggesteckt.


Die Gemeinschaftswährung kostete 1,1952 Dollar – etwa 14 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. JPMorgan traut Banken, Versicherern und konjunkturabhängigen Werten bis zum Jahresende eine überdurchschnittliche Kursentwicklung zu.

Bei den europäischen Aktienwerten gehörte Ryanair mit einem Kursminus von 1,8 Prozent zu den größten Verlierern. Der Billigflieger will bis Ende Oktober etwa 2.100 Flüge streichen, um die Pünktlichkeit zu verbessern. Medienberichten zufolge laufen zudem zahlreiche Piloten zur Konkurrenz über. Die Analysten des Brokerhauses Goodbody taxieren die Belastung durch die Flugstreichungen auf etwa 34,5 Millionen Euro. Ryanair-Chef Michael O'Leary rechnet mit weniger.

An der Wall Street gefragt waren die Aktien des Raketenbaues Orbital ATK, die um mehr als 20 Prozent auf ein Rekordhoch von 133,38 Dollar zulegten. Der Rüstungskonzern Northrop Grumman will das Unternehmen für 7,8 Milliarden Dollar übernehmen. Northrop-Titel legten 1,6 Prozent zu.

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