Bei Azubis steigen psychisch bedingte Fehlzeiten überdurchschnittlich

Leiharbeiter sind länger krankgeschrieben als Festangestellte. Das geht aus einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, über die die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten

Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Probleme sind bei Auszubildenden überdurchschnittlich stark gestiegen. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Fehlzeiten der 16- bis 25-jährigen Berufsanfänger wegen Depressionen oder Anpassungs- und Belastungsstörungen um 108 Prozent mehr als verdoppelt, wie aus dem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht. Zum Vergleich: Über alle Altersgruppen hinweg betrug der Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten bei Arbeitnehmern 88 Prozent.

Die Depression steht demnach auf Platz drei der Hauptursachen von Krankschreibungen bei Azubis, hinter Atemwegs- und Magen-Darm-Infekten. Überdurchschnittlich betroffen sind sie auch von Verletzungen und Vergiftungen. Vor allem männliche Azubis fallen häufig wegen Unfällen aus.

Insgesamt sind Auszubildende mit 11,5 Fehltagen im Jahr allerdings 3,3 Tage weniger krank geschrieben als der Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland - dafür deutlich häufiger. Das heißt, sie fallen öfter, aber im Krankheitsfall kürzer aus.

Deutliche Unterschiede gibt es in den Bundesländern - in Ostdeutschland sind die Fehlzeiten der Azubis am höchsten. Sachsen-Anhalt führt die Liste mit durchschnittlich 16,8 Fehltagen an. Auch in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen fehlen die Berufsanfänger im Schnitt 16 Tage. Am wenigsten fallen die Auszubildenden wegen Krankheit in Baden-Württemberg aus, wo sie auf nur 9,6 Fehltage kommen. Auch in Nordrhein-Westfalen liegen die Fehltage mit 10,7 relativ niedrig.

Eine Ursache für den hohen Stresslevel der Berufseinsteiger sehen die Experten im Medienkonsum. Die Generation "Always on" müsse lernen abzuschalten. Viele verbringen ihren Feierabend mit digitalen Medien. "Das allein muss nicht per se schädlich sein", erklärte der Neurologe Volker Busch. "Aber der Versuch, sie gleichzeitig oder wechselweise zu nutzen und so ständig abgelenkt und unterbrochen zu sein, kostet das Gehirn Kraft und geht auf Kosten der Regeneration."

Nach einem stetigen Anstieg stagnierten in den vergangenen drei Jahren die psychisch bedingten Fehlzeiten der Arbeitnehmer insgesamt auf hohem Niveau. Die Ursachen für die hohe Zahl psychischer Beschwerden sind nach Angaben von TK-Chef Jens Baas vielfältig. So würden Diagnosen heute besser gestellt, und es gebe eine bessere medizinische Versorgung.

"Aber unser Lebensstil, wie wir arbeiten, wie wir mit Stress umgehen und wie und ob wir für Ausgleich sorgen, spielt eine große Rolle", erklärte Baas. Der Report mache auch klar, "dass wir uns mehr um die Gesundheit der jüngsten Arbeitnehmer kümmern müssen".

Für den Gesundheitsreport wurden Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der 4,8 Millionen TK-versicherten sogenannten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und auch Empfänger von Arbeitslosengeld I.