Aytekin über neue Regelauslegung: "Heute gebe ich direkt Gelb"

SPORT1, Sportinformationsdienst

Dass Deniz Aytekin zu den angesehensten Schiedsrichtern des Landes zählt, zeigte die Wahl zu Deutschlands bestem Schiedsrichter des Jahres 2019, wo der 41-Jährige zum ersten Mal ganz oben stand.

Aytekins Wort hat Gewicht - nicht nur auf dem Feld. Im Interview mit dem kicker äußert er sich über die neue Regelauslegung in der Bundesliga, wie diese umgesetzt werden soll und ob es einem Austausch mit den Trainern bedarf.


Aytekin: "Heute gebe ich direkt Gelb, ganz klar"

Auch wenn der gebürtige Nürnberger Situationen gerne kommunikativ händelt, befürwortet der Elite-Schiedsrichter die neue Regelauslegung des DFB, die besagt, dass die Referees im Umgang mit den Spielern härter durchgreifen sollen.

Gerade Unsportlichkeiten wie Ballwegschlagen wolle man in der Zukunft härter ahnden. "Früher hätte ich da zu einem Spieler vielleicht erst mal gesagt: 'Lass das sein.' Heute gebe ich direkt Gelb, ganz klar", so Aytekin.

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Dennoch versuchen die Schiedsrichter weiterhin Fingerspitzengefühl zu zeigen, was laut Aytekin aber eine Frage der "Interpretation des Gesamtkontextes" sei. 

"Wir sind keine Roboter, die alle das haargenau gleiche Produkt abliefern", stellt der Sohn türkischer Eltern klar. Demnach sei es normal, dass die Referees z.B. unterschiedliche Handbewegungen eines Spielers anders deuten würden.

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Bundesliga-Trainer schlagen Treffen vor - Aytekin sieht keinen Bedarf

Von dem Vorschlag einiger Bundesliga-Trainer (u.a. Marco Rose), in einem Treffen mit den Schiedsrichtern die hitzige Debatte über das härtere Durchgreifen der Unparteiischen zu entschärfen, hält Aytekin derweil nichts.

"Früher gab es runde Tische, man hat sich in entspannter Atmosphäre getroffen und vieles besprochen", sagte der 41-Jährige: "Um am Ende festzustellen, dass am Spieltag die Emotionen einen dann doch eingeholt haben und das Besprochene vergessen wurde."


Ohnehin sieht Aytekin das Verhältnis mit den Trainern nicht "so vertrackt, wie es vielleicht öffentlich und medial gerade rüberkommt".

Das Gegenteil ist nach Ansicht des FIFA-Referees der Fall. "Wenn ich zehn Jahre zurückblicke, hat sich vieles sehr, sehr positiv verändert. Beide Seiten sind deutlich offener und respektvoller geworden"