Axt-Champion Braun: "Man muss mutig sein"

Franziska Wendler, Daniel Lange
Dirk Braun ist seit 2003 bei Timbersports aktiv

Dirk Braun ist Deutschlands bekanntester Sportholzfäller. Bereits acht deutsche Meistertitel in der STIHL Timbersports Series konnte der Winterberger Forstwirt gewinnen.

Am Samstag will der 47-Jährige seinen Titel des Deutschen Meisters aus dem Vorjahr verteidigen. SPORT1 überträgt den Wettbewerb der Deutschen Meisterschaft am Fuße der Skisprungschanze in Klingenthal ab 11 Uhr im LIVESTREAM.

Im SPORT1-Interview spricht Braun über den Reiz des Holzfällens, seine größten Konkurrenten und über ein mögliches Karriereende. 

SPORT1: Herr Braun, wie kamen Sie eigentlich zum Timbersports?

Dirk Braun: 2003 wurde die Deutsche Meisterschaft erstmals in Winterberg, meinem Heimatort, ausgetragen und der örtliche Skiklub suchte einen "Local Hero" für die PR. Da ich als Forstwirt arbeite, ist man recht schnell auf mich gekommen und hat mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. Ich bin dann direkt Sechster geworden und seither dabei.

SPORT1: Was ist beim Timbersports die größte Herausforderung für Sie als Athleten?

Braun: Das Zeitmanagement. Da ich nebenher noch berufstätig bin, eine Frau und drei Kinder habe und auch in meinem Alter alles eher in eine andere Richtung läuft, ist das Ganze wesentlich schwieriger zu gestalten als noch in jüngeren Jahren. Ab einem gewissen Alter fällt es einem auch nicht mehr so leicht, auf den Berg zu gehen und zu trainieren. 

SPORT1: Was macht für Sie den Reiz dieser Sportart aus?

Braun: Zu Anfang war das für mich die Nostalgie des Sports. Dazu kommt, dass mein Vater und mein Großvater bereits in dieser Branche gearbeitet haben. Daher hatte ich da auch immer eine Verbindung dazu. Früher hat man ausschließlich mit Äxten und Zugsägen Bäume gefällt und ich war immer sehr interessiert an den Geschichten, die mir mein Großvater oder mein Vater am Lagerfeuer als kleines Kind erzählt haben. Außerdem habe ich früher Timbersports aus den USA sehr gerne im Fernsehen verfolgt und durch so Typen wie David Bolstad oder Matt Bush habe ich dann selbst Lust auf diesen Sport bekommen.

SPORT1: Welche Disziplin empfinden Sie als die anspruchsvollste?

Braun: Für mich ganz klar Springboard. Man muss mutig sein, viel arbeiten und eine gewisse Kondition und Körperlichkeit haben. Da kommt alles zusammen.


SPORT1: Ist das dann auch gleichzeitig Ihre Lieblingsdisziplin?

Braun: Eigentlich habe ich keine so richtige Lieblingsdisziplin. Ich versuche immer, in allen Disziplinen gleich zu sein. Natürlich gehen einem manche leichter von der Hand als andere. Aber ich versuche mir das gar nicht erst anzueignen, eine Disziplin zu haben, auf die ich mich am meisten freue, weil ich sonst automatisch bei den anderen schlechter bin. Ich will bei jeder Disziplin fokussiert sein und sie so gut machen, dass ich sie gewinnen kann.

SPORT1: Was macht die Kulisse im Kessel einer Skisprungschanze so besonders?

Braun: Wir haben damals 2003 bei uns in Winterberg den Wettbewerb ebenfalls unten im Kessel einer Skisprungschanze veranstaltet. Das war sehr heiß dort, sehr anstrengend für alle. Und da ist natürlich schon eine sehr gute Stimmung drinnen. Dazu das Panorama mit der Skisprungschanze hintendran - das ist schon ganz gut.


SPORT1: Wer wird Ihr größter Konkurrent auf dem Weg zum Titel des Deutschen Meisters?

Braun: Favorit ist sicher Robert Ebner, danach kommt meiner Meinung nach Danny Mahr. Ich werde natürlich versuchen, meinen Titel so gut es geht zu verteidigen, aber Chancen werde ich wohl nicht haben.   

SPORT1: Sollten sie Deutscher Meister werden, würden Sie sich für die Weltmeisterschaft im November in Lillehammer qualifizieren. Haben Sie das im Hinterkopf?

Braun: Tatsächlich ist es so, dass ich es im Falle einer Qualifikation gar nicht schaffen würde, zur Weltmeisterschaft zu fahren. Das würde beruflich höchstwahrscheinlich nicht hinhauen. Aber damit beschäftige ich mich erst, wenn es soweit ist.

SPORT1: Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie die Frage nach dem Aufhören nicht gerne gestellt bekommen. Dennoch: Verraten Sie uns Ihre Zukunftspläne?

Braun: Solange ich noch mithalten kann, mich qualifiziere und gute Leistungen abrufen kann, mache ich weiter. Wenn es mich irgendwann mal total nervt und ich da keinen Bock mehr drauf habe, werde ich auch über das Aufhören nachdenken. Ich werde das aber sicher noch eine Weile machen. Ich sage einmal so: Die nächste Deadline ist 50.