Axel-Springer-Neubau verkauft


In Berlin wurde gerade eine der wahrscheinlich teuersten Gewerbeimmobilien in diesem Jahr verkauft – dabei gibt es das Gebäude noch gar nicht. Die Rede ist vom Neubau des Axel-Springer-Verlagshauses an der Ecke Zimmerstraße/Axel-Springer-Straße. Die Immobilie hat sich eine Gesellschaft des norwegischen Staatsfonds, die Norges Bank Real Estate Management für 425 Millionen Euro von Axel Springer gesichert. Verkauft wurde außerdem die angrenzende, zehngeschossige Axel-Springer-Passage an Blackstone und Quincap. Das gesamte Transaktionsvolumen der Verkäufe summiert sich auf 755 Millionen Euro.

„Der erzielte Verkaufspreis liegt deutlich über unseren ursprünglichen Erwartungen“, sagte Springer-Finanzchef Julian Deutz. „Die zusätzliche Liquidität können wir für künftige digitale Wachstumsinitiativen einsetzen.“

Bei Blackstone freute sich Anthony Myers, der Leiter des europäischen Immobiliengeschäfts der amerikanischen Investmentgesellschaft: „Die Axel Springer Passage wird ein zentraler Bestandteil unseres deutschen Büroportfolios sein, das auf erstklassige Objekte in den besten Lagen von Deutschlands Großstädten ausgelegt ist.“

Das neue Verlagsgebäude wurde im Rahmen eines sogenannten Forward-Deals an die Norweger veräußert. Bei Transaktionen dieser Art kaufen sich Investoren bereits in der Projektentwicklungsphase von Immobilien ein. Der Kaufbetrag wird dann entweder je nach Baufortschritt bezahlt, oder wie im Falle des Axel-Springer-Neubaus nach Fertigstellung.


Wenn das Gebäude Ende 2019 fertiggestellt sein soll, wird Axel-Springer einziehen und möchte das Gebäude langfristig nutzen. Der futuristische Kubus wurde vom niederländischen Stararchitekten Rem Koolhaas entworfen und wartet unter anderem mit einem 30 Meter hohen Atrium auf. Insgesamt sollen in dem Gebäude 3.500 Mitarbeiter aus Redaktion und Verlag Platz finden.

Der amerikanische Immobiliendienstleister JLL (Jones Lang LaSalle) und die Anwaltssozietät Hengeler Müller haben Axel Springer beim Verkauf beraten. Zudem habe Patrick Reich von Caleaus Capital Investors beide Transaktionen als Berater des Vorstands von Axel Springer begleitet, bemerkt JLL.

„Die Einmaligkeit des Angebots, gepaart mit einer expandierenden Konjunktur, einem weiter äußerst attraktiven monetären Umfeld und eine hohe Liquidität bei den Anlegern hat dazu geführt, dass ein deutlich höherer Preis als erwartet erzielt werden konnte“, sagt Marcus Lütgering, Leiter der Büro-Investment Sparte von JLL Deutschland.

Für den norwegischen Staatsfonds ist es nicht der erste Kauf auf deutschem Boden. Im Oktober 2014 kauften die Norweger zwei Bürogebäude im Quartier „Lenbach Gärten“. Zu den größten Mietern gehört dort neben Condé Nast auch McKinsey. Ein Jahr zuvor erwarb der Staatsfonds gemeinsam mit Axa Real Estate den SZ Tower in München..


Nun folgt also das nächste große Verlagsgebäude. Gebuddelt wird dafür schon seit Ende vergangenen Jahres. Im Mai folgte schließlich die offizielle Grundsteinlegung am Bauplatz, der an der Grenze zwischen den Stadtteilen Mitte und Kreuzberg und am ehemaligen Mauerverlauf zwischen BRD und DDR liegt. Mit dabei war neben Berlins Bürgermeister Michael Müller, Architekt Rem Koolhaas und Verlagschef Mathias Döpfner auch Friede Springer, die Witwe Axel Springers, die mit einem Anteil von 5,1 Prozent den größten Anteil einer Einzelperson hält. Mit den Worten „Einigkeit und Recht und Freiheit“ vollzog sie damals den symbolischen Hammerschlag für den Bau. Nun wurde das Gebäude verkauft.

KONTEXT

Immobilien in Deutschland - Tops und Flops

Geteilter Markt

In Ballungsgebieten und attraktiven Universitätsstädten steigen die Preise rasant. Strukturschwache Regionen erleben Bevölkerungs- und Wertverluste.

Freiburg: +8%

Hohe Lebensqualität, die Universität und attraktive Technologie- und Dienstleistungs-Arbeitsplätze ziehen Menschen an. Wohnungen sind knapp und teuer.

Erlangen: +8%

+7,7 Prozent. An diesem wichtigen Medizintechnikstandort treiben hochqualifizierte Arbeitnehmer mit hohen Einkommen Wohnungsnachfrage und -preise.

Hier finden Sie die Trendviertel von Erlangen, Nürnberg und Fürth.

Hier finden Sie die Trendviertel von Erlangen, Nürnberg und Fürth.

Darmstadt: +7%

Die angesehene technische Universität und die Chemie- und Pharmabranche sowie die Nähe zur Metropole Frankfurt machen die Stadt attraktiv.

Eisenach: -2%

Die Wartburg, Wahrzeichen der Stadt, und die hübsch restaurierte Altstadt ziehen Touristen an, aber keine Menschen, die dort dauerhaft leben möchten.

Salzgitter: -0,4%

Die erst 1942 gegründete Stadt hing lange Zeit am Stahl. Seit die Zahl der Beschäftigten sinkt verliert sie Einwohner. Wo Nachfrage fehlt, fallen die Preise.

KONTEXT

Die größten Staatsfonds der Welt

Wo Geld langfristig angelegt werden soll

Sie horten Devisen oder gehören zu den größten Einzelanteilseignern von Konzernen: Staatsfonds. Der Marktführer etwa hält allein 1,3 Prozent an den börsennotierten Unternehmen der Welt. Einmal im Jahr gibt das Sovereign Wealth Fund Institute ein Ranking über die größten Staatsfonds heraus. Dies sind die Ergebnisse.

Stand: 31. Dezember 2015

"Statens pensjonsfond utland" (Norwegen)

Der "Statens pensjonsfond utland", wie der norwegische Staatsfonds offiziell heißt, ist mit einem Volumen von 824,9 Milliarden Dollar der weltweit größte seiner Art. Der Fonds wurde 1990 gegründet, um den Wohlstand der Nation aus dem Ölgewerbe für zukünftige Generationen zu erhalten. Deshalb wird er inoffiziell auch "Ölfonds" genannt. 60 Prozent des Vermögens sind in Aktien, 35 Prozent in Zinspapieren und fünf Prozent in Eigentum wie Immobilien investiert.

Abu Dhabi Investment Authority

Ölreichtum ist auch der Hintergrund für den zweitgrößten Staatsfonds der Welt, die Abu Dhabi Investment Authority. Dessen Ziel ist es, über breit gestreute Investments in Aktien, Immobilien oder etwa Hedgefonds für die Zeit nach dem fossilen Zeitalter vorzusorgen.

Wert: 773 Milliarden Dollar

China Investment Corporation

Dieser chinesische Staatsfonds wurde 2007 gegründet, um einen Teil der riesigen Devisenreserven des Landes zu managen und beispielsweise in ausländische Firmen zu investieren. Von einst 200 Milliarden US-Dollar in seinem Gründungsjahr wuchs der CIC bis Ende 2015 auf 746,7 Milliarden US-Dollar an.

SAMA Foreign Holdings (Saudi-Arabien)

In dem Foreign Holdings-Fonds verwaltet die saudische Zentralbank "Saudi Arabien Monetary Agency" die Einkommen aus der Ölindustrie des Staates. Fondsvolumen Ende 2015: 668,6 Milliarden Dollar.

Kuwait Investment Authority

Auch der arabische Staat Kuwait möchte seine Einnahmen aus dem Öl möglichst gewinnbringend anlegen - und diversifiziert seine Investments an den internationalen Märkten. Das Volumen des Fonds beträgt 592 Milliarden Dollar. Einen Teil davon hat Kuwait bei einem deutschen Autobauer angelegt: Kuwait hält 6,8 Prozent der Anteile an Daimler.

SAFE Investment Company (China)

Am liebsten sicher möchte China sein Geld anlegen, wie das Akronym vermuten lässt. Dahinter verbirgt sich die "State Administration of Foreign Exchange". Diese unterhält eine Tochtergesellschaft in Hongkong, die SAFE Investment Company, welche sich wie auch schon die China Investment Corporation um die Anlage der Devisenreserven des Landes kümmern soll. Das Volumen des zweitgrößten chinesischen Staatsfonds wird auf 547 Milliarden Dollar geschätzt.

Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio

Der Exchange Fund, ein Vorläufer des Fonds, wurde bereits im Jahr 1935 gegründet. Knapp 60 Jahre später, 1993, wurde schließlich die Hong Kong Monetary Authority gegründet, welche den Fonds managt. Ende 2015 wachte verfügte der über 417,9 Milliarden Dollar. Diese werden vor allem in die Hongkonger Börse Hang Seng investiert.

GIC Privat Limited (Singapur)

Der größte Staatsfonds Singapurs wurde bereits im Jahre 1981 gegründet. Zuletzt wachte er über eine Anlagevermögen von 344 Milliarden Dollar. Die Summe teilt sich auf gleich drei einzelne Fonds, die alle von der Mutter verwaltet werden. International deutlich bekannter ist indes der Singapurer Staatsfonds Temasek. Der landet mit einem Volumen von "nur" 193,6 Milliarden Dollar lediglich auf Rang 11 der weltweit größten seiner Art.

Qatar Investment Authority

Das kleine Emirat Qatar am persischen Golf erfreut sich großer Öl- und Gasressourcen. Um den Gewinn daraus möglichst langfristig anzulegen, wurde 2005 die Qatar Investment Authority gegründet. Sie wacht über 256 Milliarden Dollar. Die für Deutsche wohl bekannteste Beteiligung besitzt die Investmentgesellschaft an Volkswagen: Insgesamt 17 Prozent hält der Staatsfonds über die Qatar Holding LLC am Wolfsburger Konzern.

National Social Security Fund (China)

Die Top Ten der größten Staatsfonds der Welt rundet ein chinesischer Fonds ab. Der National Social Security Fund wurde 2000 gegründet, um die Anlagen der sozialen Leistungen zu verwalten. Sein Volumen beträgt 236 Milliarden Dollar. Damit stammen von den zehn größten Staatsfonds der Welt gleich vier aus dem Reich der Mitte - das Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio inbegriffen.