Vor einem Jahr hat sich Axa neu aufgestellt – mit Erfolg. Der französische Versicherer legt glänzende Zahlen für 2017 vor.

Vor einem Jahr hat sich Axa neu aufgestellt – mit Erfolg. Der französische Versicherer legt glänzende Zahlen für 2017 vor.


„Das ist ein neuer Rekord. Wir haben erstmals einen Gewinn von über sechs Milliarden Euro erzielt“, sagt ein hoch erfreuter Thomas Buberl, der Chef des französischen Versicherers Axa, am Donnerstag. Die im Vorjahr beschlossene strategische Wende zahle sich aus. Die beinhaltet die Konzentration auf zehn Länder, die 80 Prozent des Umsatzes beisteuern sowie auf sechs, die ein hohes Potenzial haben.

Außerdem fokussiert sich Axa auf das Segment der Krankenversicherung – dort legte der Umsatz um sechs Prozent zu – sowie auf die Schadensversicherung für Unternehmen, die um drei Prozent expandierte. Axa Investment Managers steigerte sich um neun Prozent.

Buberl sagte im Gespräch mit deutschen Journalisten, dass man lange über die eigene Vermögensverwaltung diskutiert habe und ob es besser sei, zu verkaufen und sich einen Partner zu suchen. „Jetzt ist die Diskussion ein für alle Mal beendet, das eigene Asset Management ist die beste Lösung für Axa.“

Außerdem bleibt es beim Projekt eines Teil-Börsengangs des eigenen US-Geschäfts mit Lebensversicherungen und dem Vermögensverwalter AB (früher Alliance Bernstein). Welchen Umfang das IPO haben soll, sagte Axa nicht. Die Vorschriften des US-Regulierers verböten das.

Der Gewinn je Aktie legte um sieben Prozent zu. Ziel des Plans „Ambition 2020“ sind drei bis sieben Prozent. Beim freien Cashflow erreichte Axa 6,3 Milliarden Euro, bis 2020 sollen es 28 bis 32 Milliarden sein. Mit einer Eigenkapitalrendite von 14,5 Prozent hat der Versicherer bereits 2017 das definierte Ziel von zwölf bis 14 Prozent übertroffen. „Aber nun müssen wir uns weiter anstrengen, Anfang Januar wurden die Zähler wieder auf Null gestellt. Faulheit ist keine Option“, scherzt Buberl, der sich grundsätzlich und mittlerweile nahezu perfekt auf Französisch ausdrückt. „In internen Sitzungen reden wir mittlerweile auch dann Französisch, wenn wir früher eher Englisch gesprochen haben“, sagt einer seiner Mitarbeiter.


Die Ankündigung einer neuen Krankenversicherung, die Amazon, der US-Investor Warren Buffett sowie die US-Investmentbank JP Morgan aufbauen wollen, um ihre Kosten zu senken, ist für Buberl eine „ausgezeichnete Neuigkeit.“ Die Gesundheitskosten stiegen zwei bis vier Mal so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt, „das ist nicht nachhaltig.“ Da die Axa selbst in den USA nicht im Krankenversicherungsgeschäft tätig sei, entstehe hier keine direkte Konkurrenz, sondern eher ein möglicher Partner. Mit Blick auf Beratung und Dienstleistungen für die Gesundheit habe man vor zwei Jahren das junge Unternehmen Maestro Health gekauft. „Vielleicht haben wir ja das, was Amazon und JP Morgan suchen“, sagte Buberl.

Insgesamt sei der Versicherer sehr gut im Geschäft mit der Plattform-Ökonomie, mit den Unternehmen, die wie Uber im Zuge der digitalen Wende entstanden sind. Es gebe bereits Partnerschaften mit 150 Plattform-Unternehmen, neben Uber auch blablacar, die Lieferkette deliveroo und dem Online-Händler Alibaba.com.

Die seit 2017 bestehende große Neuorientierung für Axa im Gesundheitsgeschäft ist es, vom „Payer zum Partner“ zu werden. Im Klartext: Nicht mehr nur bei einem Schadensereignis Kosten zu erstatten, sondern Dienstleistungen anzubieten „auch für die 80 Prozent unserer Kunden, die keine Schäden haben“. sagt Buberl. Jacques de Peretti, Chef von Axa France, fügt hinzu, es sei noch offen, in welche Richtung sich das Modell entwickele: Derzeit würden die genannten Dienstleistungen mit der normalen KV-Prämie abgedeckt. „Unsere Partner-Unternehmen wünschen nicht, dass wir das abtrennen.“ Doch sei es denkbar, andere Modelle zu konstruieren, bei denen Gesundheits-Services, die über die Kostenerstattung hinausgehen, kostenpflichtig würden.