Autonome Autos drohen zum Datenschutz-Albtraum zu werden

Kameras von autonomen Autos können zum Überwachungsrisiko werden.
Kameras von autonomen Autos können zum Überwachungsrisiko werden.


Wenn es um Datenschutz geht, ist Deutschland ausnahmsweise mal Vorreiter. Zusammen mit der EU hat die Bundesrepublik die weltweit schärfsten Gesetze zum Schutz privater Daten erlassen. Die Folgen bekommen wir jeden Tag mehrfach vor Augen geführt, etwa auf Websites wie dieser hier: Ständig müssen Cookie-Banner weggeklickt werden. Das Recht auf den Schutz und die Kontrolle der eigenen Daten ist dennoch wichtig, denn wer will schon, dass seine Daten in die falschen Hände geraten? Und was Unternehmen mit den Daten anstellen, ist für viele Menschen auch wichtig zu wissen.

Daten werden mittlerweile überall gesammelt. Die Mobilitätsbranche macht da keine Ausnahme. Wer online sein ÖPNV-Ticket kauft, der teilt dem Betreiber zumindest mit, wo er einsteigt. Uber kennt den Aufenthaltsort seiner Nutzer, und E-Scooter-Verleiher erhalten von Nutzerinnen und Nutzern detaillierte Bewegungsprofile. Daten sind sozusagen die Voraussetzung für die Geschäftsmodelle von Mobility-Unternehmen. Ohne sie wären die großen Gewinnversprechen gar nicht erst möglich.

Der Staat will die Daten

Das gilt auch heute schon für die Fahrzeuge vieler Autohersteller. Praktisch jede Handbewegung des Fahrers, jeder Druck auf die Bremse oder jeder Klick im Infotainmentsystem kann nachverfolgt werden. Versicherungen nutzen diese Informationen etwa für spezielle Telematik-Tarife: Wer umsichtig fährt, nicht zu rasant in Kurven geht und sanft bremst, zahlt weniger Gebühren. Problematisch daran ist, dass die Versicherer selbst festlegen, wie sie die Daten intern nutzen. Eine Kontrolle haben Kunden nicht.

Auch von staatlicher Seite gibt es zunehmend Begehrlichkeiten. Die gelten neben den Bewegungsprofilen vor allem den Kameradaten in den Fahrzeugen. Das US-Magazin Vice deckte kürzlich auf, dass die Polizei in San Francisco sich an die Anbieter autonomer Fahrzeuge gewendet hat, um Zugriff auf deren Kameradaten zu erhalten. In Verdachtsfällen wollen die Behörden die Bilder auswerten, ohne, dass sie jedes Mal eine Anfrage über die Bürokratie stellen müssen.

Während Besitzer eines Autos noch entscheiden können, ob sie eine Kamera im Fahrzeug haben möchten, können Passanten dies nicht. Theoretisch ist es selbst dann möglich ein komplettes Bewegungsprofil eines Menschen zu erstellen, wenn die Person gar kein Handy in der Tasche hat. Es reichen die in der Stadt installierten Kameras und die Aufnahmen geparkter Fahrzeuge.

Ohne Kamera keine autonomen Autos

Es ist nachvollziehbar, dass die Behörden hier ein Interesse haben. Aus deren Sicht sind schon teilautonome Autos rollende Überwachungsfahrzeuge, auf die man gerne Zugriff hätte. Die Startups, die autonome Fahrzeuge anbieten, bringt das allerdings in eine schwierige Lage. Denn das Thema Datenschutz ist primär in der EU bei den Kunden ein wichtiges Thema. Kleine Unternehmen könnten sich plötzlich einer Flut von Behördenanfragen ausgesetzt sehen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Gleichzeitig gibt es die Gefahr, dass das Vertrauen der Kunden unterminiert wird.

Startups, die in diesem Segment unterwegs sind, könnten den Schritt machen, dass die Kameradaten nur im Fahrzeug selbst verarbeitet werden und nicht per Upload im Unternehmen landen. So handhabt es beispielsweise Apple mit Daten auf seinen iPhones. Auch können GPS-Daten der Fahrzeuge anonymisiert werden. So wären sie einer Person nicht mehr zuzuordnen. Das würde bestimmte Funktionen, wie zum Beispiel die Stauvorhersage, weiterhin ermöglichen.

Andererseits sind die Kamerabilder für den Betrieb autonomer Flotten unerlässlich. Ohne die Bilder lassen sich autonome Autos schlichtweg nicht betreiben. Und auch auf die Daten wollen die Unternehmen aus Geschäftsgründen nicht verzichten. Und: Helfen Kamerabilder bei der Aufklärung oder gar Verhinderung schwerer Verbrechen, profitieren alle Bürgerinnen und Bürger davon.

Mobilitätsprovider sollten sich schon jetzt die Frage stellen, wie sie mit den Daten der Autos in Zukunft umgehen wollen. Das gilt nicht nur für autonome Autos, sondern auch für Anbieter von Auto-Abos, die theoretisch auch Zugriff auf die Daten haben können. Der Umgang vor allem mit den Daten der Kameras könnte in Zukunft für Startups sehr kostenintensiv werden, denn die Auseinandersetzung mit behördlichen Anfragen ist meist mit viel Arbeit verbunden. Auch werden sich Unternehmen mit der Frage beschäftigen müssen, wie viel Datenschutz sie den Kunden gewähren wollen.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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