Stiftung Warentest: Autohersteller sind Datenschnüffler

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: gettyimages)

Geschwindigkeit, Bremsverhalten, Fahrstrecken: Schon lange sind Fahrzeuge mit Sensoren ausgestattet, die Daten zum Fahrverhalten sammeln. Neu ist, dass Autos per App mit Smartphone und Internet verbunden sind. Stiftung Warentest hat das Datensendeverhalten bei Audi, BMW, Opel, VW und Co überprüft. Ergebnis: Alle Apps senden mehr Daten als nötig an die Hersteller.

Vernetzte Autos sollen für mehr Spaß und Komfort sorgen. Mit den passenden Apps lässt sich vieles anstellen, etwa die nächstgelegene Werkstatt finden, von Ferne die Standheizung einschalten, das Fahrzeug orten, Adressen vom Handy direkt ins Navigationssystem laden oder die Lieblingsmusik ins Autoradio streamen.

Doch alle Apps schicken auch Daten an die Autohersteller. Stiftung Warentest hat das überprüft. Die Verbraucherschützer untersuchten je 13 verschiedene Android- und iOS-Apps von Automobilherstellern, schaute sich die Diagnosesysteme der Fahrzeuge genau an und befragten die Hersteller ausführlich zu ihrem Umgang mit ihren Daten.

Bei der Überprüfung der Diagnosesysteme habe es keine Auffälligkeiten gegeben, sie würden lediglich Fehlercodes und Messwerte wie den Kilometerstand speichern, heißt es im Testbericht. Ansonsten sehe es jedoch mit dem Datenschutz eher mau aus.

Mithilfe eines dazwischengeschalteten Proxyservers lasen die Experten die Daten aus, die von den Apps an die Hersteller gesendet werden. Zudem wollten sie wissen, wie gut die Nutzer über das Datensendeverhalten informiert werden. „Unsere Fragen beantwortete einzig Daimler. Alle Apps sendeten mehr Daten als nötig. Der Nutzer erfährt davon wenig. Klare, verständliche Datenschutzerklärungen liegen für keine der Apps vor“, so Stiftung Warentest zum Ergebnis.

Nur Daimler antwortete bereitwillig

Nach den Angaben von Daimler können aktuelle Mercedes-Modelle nur technische Daten an das Unternehmen übertragen, wie etwa Reifendruck, Füllstände und Geschwindigkeiten. Zudem biete der Konzern einen Dienst, mit dem Kunden smarte Pkw orten können. Positiv bewerteten die Verbraucherschützer, dass Daimler keine Bewegungsprofile erstellt. „Insgesamt scheint das Datenmanagement von Daimler überzeugend“, so die Experten.

Audi, BMW und Tesla zeigten sich wenig auskunftsfreudig, sie schickten lediglich Internet-Links oder allgemeine Infos zu ihren Datenschutzbestimmungen. Renault habe sich sogar geweigert, an der Befragung teilzunehmen. Begründung: Die Thematik sei zu komplex, um sie in dem von Stiftung Warentest geschickten Fragebogen in „für den Verbraucher verständlicher, transparenter Weise darzustellen“.

Bei Fiat, Hyundai, Opel, Peugot, Seat, Skoda, Toyota und Volkswagen blieben die Antworten gänzlich aus – trotzdem man die Nachfragen mehrfach gestellt habe, heißt es im Untersuchungsbericht. Besonders kritisch bewerteten die Verbraucherschützer die Datenschutzrichtlinien des Elektroauto-Vorreiters Tesla. Der erfahre potenziell alles, behalte sich etwa vor, Videoaufnahmen von Fahrzeugkameras zu sammeln und diese auch an Dritte weiterzugeben. Gegebenenfalls sogar an Behörden und Arbeitgeber, wenn das Auto dem Fahrer nicht selbst gehört.

Abschließend kommt Stiftung Warentest zu einem ernüchternden Fazit: „Die ganze Branche sammelt über ihre Kunden mehr Daten als erforderlich und lässt sie darüber im Unklaren, was mit den Informationen passiert. Autofahrer die vor Schnüffelei sicher sein wollen, bleibt nur übrig, auf etwas Komfort und Hightech zu verzichten.“

Den vollständigen Bericht von Stiftung Warentest zum Thema „Vernetzte Autos“ finden Sie hier (kostenpflichtig).

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