Autobauer will offenbar in China produzieren

Der US-Elektrobauer Tesla will laut einem Bericht erstmals ein Werk in China eröffnen. Doch einige Punkte sind noch nicht geklärt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.


Der US-Elektroautobauer Tesla könnte einem Medienbericht zufolge schon bald erstmals Fahrzeuge in China produzieren und damit einen besseren Zugang zum größten Pkw-Markt der Welt erhalten. Der Branchenpionier stehe kurz vor einer Vereinbarung mit der Stadtverwaltung von Shanghai für den Bau eines Werkes, meldete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit dem Vorhaben vertraute Personen. Eine Einigung sei noch in dieser Woche möglich. Nach den Regeln in China braucht Tesla dazu aber ein Gemeinschaftsunternehmen mit mindestens einem einheimischen Partner.

Warum baut Tesla eine zweite Fabrik?

Weil nur so der Sprung in den Massenmarkt gelingen kann. Die erste und bislang einzige Fabrik im kalifornischen Fremont platzt bald aus allen Nähten – bei rund 100.000 Fahrzeugen der Baureihen Model S und Model X. Parallel dazu fährt der Elektroautobauer gerade die Produktion des kompakten Model 3 hoch, der erste Tesla für den Massenmarkt soll noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Die angepeilten Stückzahlen von 500.000 Autos im Jahr 2018 und einer Millionen Teslas bis Ende des Jahrzehnts sind allein mit der ehemaligen Toyota-Fabrik in Kalifornien schlichtweg nicht möglich.

Baut Tesla nicht auch Autos in den Niederlanden?

Tesla unterhält ein Werk in Tilburg, das ist richtig. Es ist aber kein Produktionswerk, in dem die Bauteile für die Autos gefertigt werden. Tilburg ist vielmehr eine Montagehalle – aus Kalifornien angelieferte Bauteile und Komponenten von Zulieferern werden hier zu fertigen Autos zusammengesetzt. Das entlastet zwar die Fabrik in Fremont, es reicht aber nicht aus: Jede Karosserie kommt nach wie vor aus Kalifornien und muss dann erst aufwändig verschifft werden.




Warum soll die Fabrik in China entstehen?

Weil in China die Elektromobilität boomt und Tesla bislang davon profitiert hat. Das Unternehmen hatte seinen Umsatz in China im vergangenen Jahr auf mehr als eine Milliarde Dollar verdreifacht. Mit einem eigenen Werk könnte die weiter anziehende Nachfrage bedient werden. Zudem würde Tesla mit einer Produktionsstätte vor Ort von den chinesischen Behörden besser behandelt werden als ein reiner Importeur. Ein Beispiel: Mit einer lokalen Produktion könnte Tesla die Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent vermeiden.

Hat das Auswirkungen auf die deutschen Autobauer?

Indirekt. China will den Verkauf von E-Autos kräftiger fördern, um die Luftverschmutzung in Großstädten zu bekämpfen. Dazu plant die Regierung in Peking die Einführung einer Quotenregelung für die Autobauer. Wer ab dem 1. Januar 2018 nicht einen bestimmten Anteil an Elektroautos in China verkauft, muss mit drastischen Strafen rechnen. VW, BMW und Co werden zum Jahreswechsel aber kaum eine ausreichende Anzahl an Elektromodellen in China auf dem Markt haben, um die für die Quote notwendigen Verkäufe erzielen zu können – ihre Elektro-Projekte kommen erst im Laufe des Jahres 2018 oder gar 2019 auf den Markt. Wenn sich Tesla in China als Anbieter konkurrenzfähiger Elektroautos positionieren kann, wird es für die deutschen Hersteller umso schwerer, ab 2019 den Rückstand aufzuholen.




Braucht Tesla dann auch weitere Batterie-Fabriken?

Ja. Die immer noch im Bau befindliche Gigafactory in Nevada wird trotz ihrer enormen Ausmaße nicht reichen, um eine Millionen Elektroautos mit Akkus zu bestücken – und noch die "Powerwall" genannten Heimakkus zu bauen. Die Fabrik trägt auch offiziell den Namen "Gigafactory 1". Dem Bloomberg-Bericht zufolge will Tesla seine Planungen für bis zu drei weitere Gigafactories noch in diesem Jahr abschließen. Dass eine davon in China nahe des potenziellen Fahrzeugwerks entsteht, wäre nur logisch. Für eine weitere Batteriefabrik ist auch Europa im Gespräch.



Die wichtige Rolle der Joint-Venture-Partner


Hat Tesla noch weitere Verbindungen nach China?

Erst im März ist der chinesische Internetkonzern Tencent bei Tesla eingestiegen. Tencent hatte fünf Prozent der Tesla-Aktien gekauft, im damaligen Wert von rund 1,8 Milliarden Dollar. Zu Tencent gehört unter anderem der Messengerdienst WeChat. Über WeChat können nicht nur Nachrichten versendet werden, sondern auch Essen oder Taxen bestellt werden. Über die Partnerschaft könnte sich Tesla also auch auf dem chinesischen Mobilitätsmarkt etablieren, ohne eine eigene Plattform aufbauen zu müssen.




Wer könnte Teslas Joint-Venture-Partner werden?

Das ist noch unklar. Tesla wollte sich nicht dazu äußern. Denkbar ist natürlich eine Kooperation mit SAIC. Die "Shanghai Automotive Industry Corporation" ist der größte Hersteller des Landes und gehört der Stadtregierung von Shanghai – also des kolportierten Tesla-Standortes.




Deutsche Autobauer arbeiten unter anderem Mit FAW, SAIC, BAIC, BYD oder Brilliance zusammen. Die Partnerschaften sind aber oft nicht exklusiv – Daimler baut etwa mit BAIC die C- und E-Klasse in China (das Joint Venture heißt Beijing Benz) und mit BYD das Elektroauto Denza. Volkswagen arbeitet mit FAW und SAIC zusammen. FAW arbeitet aber auch mit GM zusammen.

Wie wichtig sind die Joint-Venture-Partner?

Ohne Joint Ventures mit zumeist staatlichen Herstellern darf man in China keine Autos produzieren. Somit sind sie unersetzlich. Welche Bedeutung sie aber nicht nur für die Produktion, sondern auch den Verkauf haben, musste Audi in diesem Jahr schmerzlich erfahren. Bislang haben die Ingolstädter mit FAW zusammen gearbeitet, als Teilhaber an FAW-Volkswagen. FAW hält dort 60 Prozent, Volkswagen 30 Prozent und Audi 10 Prozent. Audi hatte dann angekündigt, ein zweites Joint Venture mit SAIC gründen zu wollen. Eine strategische Entscheidung, um die "Risiken und Lasten zu teilen", wie Audi-Chef Rupert Stadler betonte. Dieses neue Unternehmen tritt – obwohl auch Audi-Modelle gebaut und verkauft werden – als eigenständige Firma auf. Deshalb protestierten die Händler von FAW-Audi, sie fürchteten hausinterne Konkurrenz durch neue Händler von SAIC-Audi. Also traten sie in eine Art Streik – bis zu der Einigung mit den Vertragshändlern im Mai war der Audi-Absatz in China um bis zu 35 Prozent eingebrochen.