Autobauer sollen CO2-Emissionen laut EU-Kommission bis 2030 um 30 Prozent senken

Die Autohersteller in der Europäischen Union sollen die CO2-Emissionen ihrer Neuwagen bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent im Vergleich zu 2021 senken

Es geht um mehr Klimaschutz, aber auch um den Wettstreit mit der Konkurrenz aus Asien: Die EU-Kommission hat am Mittwoch ihr Mobilitätspaket vorgelegt, mit dem sie die Entwicklung umweltfreundlicherer Autos fördern will. Kern ist eine Senkung der CO2-Emissionen von Neuwagen um 30 Prozent zwischen 2021 und 2030. Die Autoindustrie nannte die Vorschläge "sehr aggressiv" - Umweltschützern gehen sie nicht weit genug.

Als Zwischenziel schlug die Kommission das Jahr 2025 vor. Bis dahin sollen die Emissionen um 15 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021 sinken. Stoßen die Neuwagenflotten der Hersteller zu viel CO2 aus, drohen ihnen Millionenstrafen. Eine Quote für Elektroautos soll es aber nicht geben.

Die Vorschläge seien "sehr aggressiv, wenn wir die geringe Marktdurchdringung von alternativen Antrieben in Europa heute berücksichtigen", erklärte der Generalsekretär der Europäischen Autoherstellerverbands ACEA, Erik Jonnaert. Das Zwischenziel 2025 dürfe nicht verbindlich sein, forderte er. Der Verband hatte eine Senkung der CO2-Emissionen um nur 20 Prozent bis 2030 gefordert.

"Ganz offensichtlich haben die Vertreter der Autoindustrie bei der EU-Kommission ganze Arbeit geleistet", erklärte dagegen Rebecca Harms, klimapolitische Sprecherin der Grünen im Europaparlament. Wenn die Autobranche einen "angemessenen Beitrag" zu den Pariser Klimazielen leisten solle, wären 60 Prozent Reduktion nötig. Ähnlich äußerten sich zahlreiche Umweltverbände.

Bislang gilt, dass die Autohersteller die Emissionen ihrer Neufahrzeuge bis 2021 auf durchschnittlich 95 Gramm CO2 pro Kilometer senken müssen. Das neue Ziel gibt die Kommission nun in Prozent an. Ein Grund: Kürzlich führte sie ein strengeres Messverfahren für Abgase ein. Noch weiß aber niemand genau, um wie viel die Messergebnisse im Vergleich zum alten Test steigen werden.

Beim Thema Elektroautos hängt die EU zwar China hinterher, wie Klimaschutz-Kommissar Miguel Arias Cañete sagte. Trotzdem schlägt die Kommission keine verbindliche E-Auto-Quote vor. "Wir lassen die Hersteller entscheiden, mit welchen Technologien sie ihre Emissionsvorgaben einhalten wollen."

Die Kommission will die Hersteller stattdessen belohnen, wenn sie einen bestimmten Anteil von emissionsarmen Autos in ihrer Flotte überschreiten. Wer mehr E-Autos verkauft, darf auch mehr Spritschlucker verkaufen. Um den Absatz von E-Autos zu fördern, kündigte Cañete zudem Investitionen in Höhe von 800 Millionen Euro in den Ausbau von Stromladestationen an.

Der Kommissar versprach Autofahrern wegen der sinkenden CO2-Emissionen und dem damit sinkenden Spritverbrauch, sie würden Geld sparen: "Bis zu 600 Euro für 2025 gekaufte Neuwagen und 1500 Euro im Jahr 2030".

Außerdem kündigte er an, dass die Hersteller zukünftig verpflichtend Messgeräte für den Spritverbrauch in ihre Neuwagen einbauen müssen, mit denen kontrolliert werden kann, ob der Spritverbrauch tatsächlich sinkt. Laut einer am Montag veröffentlichten Studie der Umweltschutzorganisation ICCT liegen die Verbrauchsangaben der Hersteller für Neuwagen im Schnitt 42 Prozent unter dem realen Verbrauch.

Die Kommission muss nun mit den Mitgliedstaaten und dem EU-Parlament über die Vorschläge verhandeln. Der Verkehrssektor ist laut Kommission für 22 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich.