Auto-Allianz will Absatz fast verdreifachen


Die Auto-Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi will in fünf Jahren ihren Absatz an Fahrzeugen fast verdreifachen. „Das ist kein Ziel, sondern unsere Schätzung für den Fall, dass wir unsere Kooperation und die Konvergenz der drei Unternehmen wie geplant verbessern“, sagte Renault-CEO und Allianz-Chef Carlos Ghosn am Freitagmorgen in Paris. Von 5,26 Millionen Einheiten würde die Produktion bis Ende 2022 auf 14 Millionen steigen. 30 Prozent davon sollen elektrisch sein, entweder als vollelektrische oder als Hybrid-Fahrzeuge. Den Weltmarkt 2022 schätzt Ghosn auf 108 bis 110 Millionen Fahrzeuge ohne Lkws.

Die französisch-japanische Allianz will der weltweit größte Hersteller von E-Mobilen bleiben, sagte der Manager. „Vor zehn Jahren waren wir die ersten, damals hat die ganze Industrie gesagt, wir lägen falsch, heute stellen unsere Wettbewerber ständig neue E-Modelle vor“, amüsierte sich der Weltbürger, der mit libanesischen Wurzeln in Brasilien geboren ist und auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt. Auf die Frage, ob sein Ziel von 30 Prozent E- oder Hybridautos im Vergleich zum gleich großen Wettbewerber VW nicht etwas bescheiden sei, konnte er sich leichten Spott nicht verkneifen: „Ambitionen gibt es viele, wir sind da etwas vernünftiger.“


Ghosn hat keinen Zweifel daran, dass der Durchbruch des E-Autos bevorsteht. „In vielen Ländern werden ab 2030 oder 2040 keine thermischen Motoren mehr zugelassen werden, und die Kosten für Verschmutzungsrechte werden so stark ansteigen, dass die Verbraucher kaum eine andere Wahl haben werden“, argumentiert der Elektro-Visionär. Doch müsse die Industrie sich anstrengen, um dem Verbraucher ein besseres Produkt zu bieten: „Die Reichweite muss steigen, die Kosten müssen runter und die Ladezeit für die Batterien muss kürzer werden.“

Seine Allianz werde dazu beitragen, versprach der 63-Jährige. Bis Ende 2022 werde die Reichweite eines E-Autos auf 600 km steigen. „Das ist die Zahl nach dem geltenden Standard, im Normalbetrieb entspricht das 450 bis 500 km“, spezifizierte er. Die Batteriekosten würden um ein Drittel sinken und nach einer Viertelstunde Ladung werde der Stromer schon wieder 230 km weiter kommen. Heute sind es erst 90 km. Auch bei den Kosten zeigt Ghosn sich aggressiv: „Wir werden die Elektro-Kwid bauen, nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern und gerade auch in den reifen Märkten.“


Der Renault Kwid ist ein ursprünglich in Indien entwickeltes Billigst-Auto, das bereits ab 4000 Euro angeboten wird. Ende August hatte die Allianz ein Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng bekannt gegeben, das ein Elektroauto im Einstiegssegment auf einer Renault-Nissan-Plattform herstellen werde. Nun hat Ghosn die Pläne konkretisiert und ergänzt, dass der neue Strom-Preisbrecher weltweit auf den Markt kommen wird.

An der Struktur der Allianz will Ghosn nichts ändern. Doch soll die französisch-japanische Auto-Union noch enger zusammenwachsen. Ende 2022 würden neun Millionen Autos auf vier gemeinsamen Plattformen gebaut. Die Einsparungen durch Synergien sollen auf zehn Milliarden Euro steigen. Damit würde die Allianz in den nächsten fünf Jahren so viel erreichen wie in den vergangenen 18 Jahren.


Die bestehenden Kapitalverbindungen würden nicht gestärkt, das Managementmodell mit CEOs der drei Partnerunternehmen und einem Chef der Allianz bleibe, sagte Ghosn. Und bleibt Ghosn selbst der Chef des erfolgreichen Ganzen – oder hat er bereits einen Nachfolger im Auge? „Ich werde die Verwirklichung des neuen strategischen Plans so lange leiten, wie das Sinn ergibt“, sagte er mit einem spitzbübischen Lächeln: Wie lange er die Allianz noch führen will und wer ihm nachfolgt ist, sind die einzigen Themen, bei dem der Schnellsprecher etwas wortkarg wird.