Auszeichnung: Frank Castorfs Volksbühne zum "Theater des Jahres" gewählt

Die Polizei und Vertreter der Berliner Kulturverwaltung waren vor Ort. Eine Vorstellung war am Abend an der Bühne nicht geplant.

Hätte man auf diese Entscheidung wetten können, es hätte einem nichts eingebracht: Selten war das Ergebnis der alljährlichen Kritikerwahl zum "Theater des Jahres" so vorhersehbar – alles andere als ein Sieg von Frank Castorfs Volksbühne wäre eine Sensation gewesen. Das Votum fiel deutlich aus. Für die Volksbühne stimmten in der Umfrage der Zeitschrift "Theater heute" 18 der 46 Kritiker. Die Voten sind oft breit gestreut, weil es keine Nominierungsliste gibt und prinzipiell alle deutschsprachigen Bühnen Kandidaten sind. In der Vergangenheit reichten auch schon mal weniger als zehn Stimmen für den begehrten Titel.

Eine Auszeichnung für etwas, das es nicht mehr gibt. Denn Castorfs Volksbühne wurde nach einem Vierteljahrhundert von der Berliner Kulturpolitik beerdigt. Mit Chris Dercon wurde ein umstrittener Nachfolger installiert und damit beiläufig die Ära des politischen Sprechtheaters am Rosa-Luxemburg-Platz beendet. Die Vorgänge um die Bühne war für die Mehrzahl der Kritiker auch das "Ärgernis des Jahres".

Zur "Schauspielerin des Jahres" wurde Valery Tscheplanowa (18 Stimmen) gewählt. Sie spielte in Castorfs letzter großer, siebenstündiger Volksbühnen-Inszenierung "Faust" Margarete und Helena. "Schauspieler des Jahres" ist Joachim Meyerhoff (elf Stimmen). Er erhält die Auszeichnung für seine Rolle in "Die Welt im Rücken" nach Thomas Melles gleichnamigem Borderline-Roman am Wiener Akademietheater – als Gastspiel war es am Deutschen Theater zu sehen.

"Inszenierung des Jahres wurde...

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