Auszeichnung: Deutscher Buchpreis 2017 geht an Robert Menasse

Damit hat der Wiener Autor nicht gerechnet. Bei der Verleihung stocken Robet Menasse die Worte. Er muss erst mal ein Handyfoto machen.

Die Augen glänzen, randvoll mit Tränen, das sieht man auch durch seine schwarze Brille gut. Robert Menasse ist wirklich gerührt. Dass er am Montagabend mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wird, damit hat er sichtlich nicht gerechnet. Als er auf die Bühne kommt, um die Auszeichnung für seinen Roman "Die Hauptstadt" entgegenzunehmen, hängen seine Arme schlaff herab, als wüsten sie vor Schreck gar nicht, wohin mit sich. Dann wissen sie es aber doch: Menasse kramt sein Smartphone aus der Tasche, erst mal ein Foto schießen von diesem einzigartigen Moment. Vielleicht glaubt man es dann hinterher eher.

Die Wahl hat nicht wenige überrascht. Die meisten hatten erwartet, dass der Berliner Thomas Lehr gewinnen würde. Oder Marion Poschmann, die allerdings erst vergangenen Freitag schon den Berliner Literaturpreis erhielt. Die Entscheidung für Menasse ist eine eindeutig politische, denn keins der sechs Bücher, die es auf die Shortlist brachten, war so aktuell, so hochpolitisch. "Die Hauptstadt", das lässt sich ohne Zweifel sagen, ist ein Novum: der wohl erste EU-Roman überhaupt. Und sein Schöpfer, der 1954 in Wien geborene Schriftsteller Robert Menasse, ein anerkannter Autor – und gleichzeitig der erste Österreicher seit Arno Geiger im Premierenjahr 2005, der den renommierten Buchpreis erhält.

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Die sechs Nominierten: Sasha Marianna Salzmann, Gerhard Falkner, Franzobel, Marion Poschmann, Thomas Lehr und Robert Menasse (v.l.) im Römer, kurz vor der Verleihung Arne Dedert / dpa

"Die Hauptstadt" ist ein unterhaltsam und gleichzeitig geschickt geschriebener Roman, eine Farce über die Brüsseler Verhältnisse und eine Tragikomödie sowohl über das Abendland und sein fröhlich...

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