Am Tag nach dem US-Börsensturz verzeichnet der deutsche Leitindex weitere Einbußen – und geht mit einem Minus von 2,3 Prozent aus dem Handel.


Der Einbruch an den US-Aktienmärkten sorgte am Dienstag für Verluste an den europäischen Börsen. Bei Markteröffnung verzeichnete der Dax ein deutliches Minus von 3,6 Prozent, konnte seine Verluste im Handelsverlauf aber eindämmen und schloss mit einem Minus von 2,3 Prozent. In der zweiten Reihe der Frankfurter Börse ging es für den MDax um 1,9 Prozent bergab. Der TecDax büßte 2,9 Prozent ein. Der paneuropäische EuroStoxx 50 verlor 2,5 Prozent.

Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank wertete die aktuellen Kursverluste als Gewinnmitnahmen, deren Deutlichkeit die Anleger allerdings auf dem falschen Fuß erwischt habe. „Man hatte sich daran gewöhnt, dass sich Ausschläge in Grenzen halten.“ Auslöser des aktuellen Ausverkaufs seien Ängste vor einer rascheren US-Zinserhöhungen, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen.

Auch im Volatilitätsindex VDax spiegelte sich diese Unruhe wider: Das Barometer stieg um 32,8 Prozent.


Milan Cutkovic allerdings, Analyst vom Handelshaus AxiTrader, erkannte nur schwerlich Anzeichen, die auf eine beginnende Korrektur hindeuten würden. „Die laufende Berichtssaison konnte bisher insgesamt überzeugen und die US-Konjunktur sowie die Wirtschaft in der Euro-Zone zeigen bisher keine Zeichen der Schwäche.“ Auch die Ergebnisse des Handelsblatt-Sentiment stützen die Annahme, dass die Verunsicherung der Anleger lediglich von kurzer Dauer sein dürfte.

Nichtsdestotrotz mussten im Dienstagshandel fast alle Dax-Konzerne Federn lassen. Besonders heftig traf es dabei die Finanztitel. Der Rückversicherer Munich Re, der an diesem Dienstag die Eckpunkte seiner Jahresbilanz vorstellte, verlor 5,3 Prozent. Weil tropische Wirbelstürme das Unternehmen allein 2,7 Milliarden Euro kosteten, blieb am Ende des vierten Quartals ein Überschuss von lediglich 392 Millionen Euro bestehen – 85 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Commerzbank zählte, mit einem Minus von 4,5 Prozent, genauso zu den Verlierern wie die Deutsche Bank mit einem Minus von 3,6 Prozent. Einzig die Deutsche Post wusste dem Abwärtstrend der Deutschen Börse zeitweise zu trotzen. Nach Kursverlusten zu Handelsbeginn gelang den Aktien des Logistikunternehmens rasch eine Wiedereroberung der 200-Tage-Linie, bei etwa 36,20 Euro. Die Linie gilt als wichtiger Maßstab für einen längerfristigen Kurstrend. Schlussendlich gingen die Papiere aber mit einem Minus von 0,11 Prozent aus dem Handel.

In der Gunst der Anleger standen am Dienstag vor allem Anleihen, da diese als besonders verlässlich gelten. Mit 2,8 Prozent notierte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zeitweise so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. Zehnjährige Bundesanleihen verzeichneten eine zeitweise Rendite von 0,7 Prozent. Der „sichere Hafen Gold“ hingegen war an den Märkten nur mäßig gefragt.


Bei Markteröffnung in den Vereinigten Staaten zeigte sich derweil: Der Kurssturz ist noch nicht abgewendet. Zu Handelsbeginn lagen alle drei wichtigen Indizes zwar erneut im Minus, drehten dann aber zeitweise ins Plus. Es folgte ein Tanz um die Nulllinie. Der Dow Jones notierte bei Handelsschluss in Deutschland 0,1 Prozent im Minus. Die zweite New Yorker Reihe, der S & P 500, verlor 0,4 Prozent. Der Technikwerte-Index Nasdaq gab um 0,2 Prozent nach.

„Für einige ist das niedrigere Kursniveau durchaus attraktiv für den Wiedereinstieg“, sagte ein Börsianer. „Es ist schwer zu sagen, ob der Ausverkauf heute noch weiter geht“, erläuterte Scott Brown, Chef-Ökonom beim Vermögensberater Raymond James.

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