Australische Medien wegen Berichterstattung über Pell-Prozess vor Gericht

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Kardinal Pell mit dem Papst am 12. Oktober 2020
Kardinal Pell mit dem Papst am 12. Oktober 2020

Nach dem aufsehenerregenden Missbrauchsprozess gegen den australischen Kardinal George Pell stehen seit Montag mehrere Medien vor Gericht, die gegen die Regeln zur Berichterstattung verstoßen haben sollen. Angeklagt sind die größten Medienunternehmen Australiens sowie 18 Journalisten. Sie alle sollen gegen eine von der Justiz in dem Pell-Prozess verhängte Nachrichtensperre - also ein Berichterstattungs-Verbot - verstoßen haben.

Den Medien in Australien war 2018 verboten worden, über den Schuldspruch in einem ersten Missbrauchsprozess gegen Kardinal George Pell zu berichten. Der Kardinal war dabei wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Chorknaben zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Mit dem Verbot der Berichterstattung über das Urteil sollte verhindert werden, dass Geschworene in einem damals noch anstehenden zweiten Prozess beeinflusst werden. 

Nach Angaben der Staatsanwältin Lisa de Ferrari verstießen die angeklagten Medien und Journalisten gegen dieses Verbot, indem sie in kryptischen Meldungen Leser dazu "eingeladen haben", in anderen, ausländischen Medien über Pells Verurteilung zu lesen. Unter anderem hatte die Zeitung "Herald Sun" aus Melbourne im Bundesstaat Victoria auf ihrer ersten Seite das Wort "ZENSIERT" gedruckt und ausgeführt: "Die Welt liest eine sehr wichtige Geschichte, die für Menschen in Victoria relevant ist." Den Angeklagten drohen nun laut Gesetz Geld- und auch Haftstrafen.  

Pell war der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der im Zuge der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche verurteilt wurde. Er hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen - und bekam Anfang April dieses Jahres Recht: Das Oberste Gericht Australiens hob das Urteil gegen den früheren Finanzchef des Vatikans letztinstanzlich in allen Punkten auf. Pell wurde inzwischen auch wieder von Papst Franziskus im Vatikan empfangen.

sip/jes