Australiens Regierung will Missbrauchsopfer offiziell um Entschuldigung bitten

Australiens Premierminister Malcolm Turnbull

Australiens Premierminister Malcolm Turnbull will die Opfer von sexuellem Missbrauch in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen offiziell um Entschuldigung bitten. Er werde die "nationale Entschuldigung" am 22. Oktober in Canberra aussprechen, kündigte Turnbull am Mittwoch an. Treffen mit Überlebenden und deren Geschichten hätten ihm "einen kleinen Einblick" in den "Verrat" verschafft, den die Missbrauchsopfer durch die Menschen und Institutionen erlebt hätten, "die sie schützen und die sich um sie kümmern sollten".

Die australische Regierung hatte 2012 eine Kommission eingerichtet, nachdem zahlreiche schwere Missbrauchsfälle in Kirchen, Waisenhäusern, Sportvereinen, Jugendgruppen und Schulen bekannt geworden waren. Für ihre Untersuchung befragte die Kommission mehr als 15.000 Opfer, im Dezember legte sie einen Abschlussbericht vor. Darin machte die Kommission 409 Vorschläge, darunter auch eine offizielle Entschuldigung der Regierung.

Die Kommission machte auch Vorschläge, um Missbrauch in Zukunft zu verhindern. Dazu zählte eine staatliche Kinderschutzbehörde, die nach Angaben der Regierung nun auch eingerichtet werden soll.

Ab Juli soll es zudem einen Entschädigungsfonds geben, der Missbrauchsopfern mit Beratung, psychologischer Betreuung und Entschädigungszahlungen von bis zu 150.000 Dollar (rund 97.000 Euro) helfen soll. Im Mai hatten sich nach sämtlichen australischen Bundesstaaten auch die katholische und die anglikanische Kirche, der australische Pfadfinder-Verband, die Heilsarmee und der Christliche Verein junger Menschen (YMCA) dem Fonds angeschlossen.